Uhle, Aloys (Alois) (1780–1848), Schriftsteller, Journalist und Lehrer

Uhle Aloys (Alois), Schriftsteller, Journalist und Lehrer. Geb. Altstadt, Böhmen (Praha, CZ), 18. 7. 1780; gest. Lemberg, Galizien (L’viv, UA), 9. 5. 1848. Sohn eines Händlers. – Nach Absolv. des Gymn. und der phil. Jgg. inskribierte U. Jus an der Univ. Prag, widmete sich jedoch auch dem Sprachenstud. (das Interesse für das Tschech. hatte →Karel Ignác Thám in ihm geweckt). 1807–15 unterrichtete er am Gymn. im böhm. Neuhaus Geographie und Geschichte, 1814–17 in den Humanitätskl. in Pisek, im November 1817 wurde er zum Dir. der Realschule in Lemberg ernannt, um deren Reform (u. a. Poln. als Lehrfach) er sich verdient machte. 1834 bewarb er sich erfolglos um die Dir.stelle an der Wr. Univ.bibl. 1844 wurde er nach der Umwandlung der Realschule bzw. Real- und Handelsakad. zum Dir. der Normalschule ernannt. Noch in Prag hatte U. die satir. Z. „Der Prager Allegoriker“ red., die bei Publikum und Zensur bald auf Ablehnung stieß und eingestellt wurde. In Neuhaus gründete er einen Lesezirkel und gab die kurzlebige Z. „Bohemia für gebildete Böhmen“ heraus, in der er u. a. den anonymen Artikel „Sprachen in Böhmen“ veröff. Darin erörterte er vom kosmopolit. Standpunkt aus die Armut und Perspektivlosigkeit der tschech.sprachigen Kultur, was →Josef Jungmann (der U. als Bohemarius apostrophierte) zu einer scharfen Replik veranlasste. Die sprachethn. begründete Polemik wird in der tschech. Historiographie als Beispiel für eine Debatte über den Charakter der Erneuerungsbewegung bewertet. Seiner früheren Skepsis zum Trotz schrieb U. später auch in tschech. Sprache, v. a. Ged. im „Časopis českého museum“, 1832. Einige Ged. mit böhm. hist. Thematik erschienen im „Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst“, belegt ist auch eine Auff. seines Schauspiels „Die weiße Frau von Neuhaus“ (1815). In Lemberg beschäftigte sich U. mit der regionalen Geschichte und übers. aus dem Poln. („Geschichtliches Tagebuch Lembergs …“, 1830, nach Ignacy Chodynickis „Historya … miasta Łwowa“) sowie dem Russ. (Gavriil Romanovič Deržavins Ode „Bog“, 1846).

Weitere W.: Vroucná píseň k srdečnému poděkování za slavné vítězství 31. měsíce března 1814 …, 1814; Bündige Denklehre als Vorschule zur Lehre von der schriftl. Darstellung in der unteren und mittleren Prosa, 1825.
L.: Goedeke, s. Reg.Bd.; LČL; Nagl–Zeidler–Castle 2, S. 411; Otto; Otto, Erg.Bd.; Rieger; Wurzbach; Oesterr. pädagog. Wochenbl. … 7, 1848, S. 390ff.; I. J. Hanuš, Život a působení F. L. Čelakovského, 1855, S. 5f.; V. Zelený, Život J. Jungmanna, 2. Aufl. 1881, S. 88f.; J. Hanuš u. a., Literatura česká devatenáctého století 1, 1902, s. Reg.; A. Kraus, in: Naše doba 34, 1926, S. 414ff.; Z. Šimeček, in: Jihočeský sborník historický 31, 1962, S. 38; J. Loužil, in: Literární archiv 8–9, 1974, S. 53ff.; ders., in: Ost-West-Begegnung in Österr., 1976, S. 169; I. Röskau-Rydel, Kultur an der Peripherie des Habsburger Reiches, 1993, S. 137; H. Ditchen, Die Politechnika Lwowska in Lemberg, 2015, s. Reg.
(V. Petrbok)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 59f.
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