Ujvári (Újvári), Péter; bis 1913 Grossmann Pinhász Juda (Pinchesz Jüde), Ps. Ben-Juda, Péter bácsi (1869–1931), Journalist und Schriftsteller

Ujvári (Újvári) Péter, bis 1913 Grossmann Pinhász Juda (Pinchesz Jüde), Ps. Ben-Juda, Péter bácsi, Journalist und Schriftsteller. Geb. Tolcsva (H), 24. 4. 1869; gest. Budapest (H), 16. 1. 1931; mos. Sohn von Vilmos (Benjamin Zeev Wolf) Grossmann (gest. 1882), ab 1870 Rabb. in Neuhäusel, und der aus einer u. a. mit Karl Marx und dem jidd. Schriftsteller Salomon Ettinger entfernt verwandten Familie stammenden Róza Grossmann, geb. Ettinger, Vater von László U. (s. u.) sowie des Schriftstellers und Journalisten Imre U. (geb. Szegedin/Szeged, H, 13. 2. 1902; gest. Budapest, 23. 2. 1962); ab 1899 verheiratet mit Janka U., geb. Frank, Tochter des Kaufmanns Sámuel Frank aus Hódmezővásárhely. – U. besuchte ab 1881 Talmudschulen in Nagysurány, Waitzen und Miskolcz, brach jedoch das Jeschiwastud. ab und arbeitete i. d. F. als Hauslehrer bei reichen jüd. Familien. 1889–1907 wirkte er in Szegedin als Journalist und Red. und gründete 1901 die Literaturz. „Szép Szó“. Ab 1907 Mitarb. der Bll. „Magyar Hírlap“, „Budapest“ und „Egyenlőség“ in Budapest, rief er dort 1919 unter dem Titel „Szombat“ das erste ung.-jüd. illustrierte Wochenbl. ins Leben. 1918–19 Inhaber leitender kulturpolit. Funktionen, lebte U. 1920, nach dem Sturz der Räterepublik, einige Monate in Wien, anschließend 1920–22 in Cluj, wo er mit seinen für das Wochenbl. „Új Kelet“ verf. Leitartikeln die polit. und kulturellen Bestrebungen der Juden in Siebenbürgen unterstützte. 1922–26 hielt er sich in der Tschechoslowakei auf und initiierte die Gründung der Bll. „Szombat“ in Nové Zámky (1923), „Judea“ in Bratislava (1926) sowie „Új Judea“ in Košice (1926). Nach seiner Rückkehr nach Budapest war U. 1926–27 Chefred., danach Mitarb. des jüd. Wochenbl. „Országos Egyetértés“ und betätigte sich in diversen Kultusinstitutionen. U. trat nicht nur als Journalist, sondern auch als Schriftsteller in Erscheinung. Mit seinem literar. Schaffen, in dem er ein facettenreiches Bild des jüd. Lebens in Ungarn entwarf, legte er den Grundstein der ung.-jüd. Literatur und wurde auch im Ausland bekannt. Der z. Tl. autobiograph. Roman „A mécs mellett“ (1908–09, in Buchform 1931) wurde ins Dt. („Beim Lämpchen“, in: Allg. Ztg. des Judentums, 1911) und Engl. („By candlelight“, 1977), die die innere Zerrissenheit der Konvertiten thematisierende Erz. „Az új keresztény“ (1908) ins Dt. („Der neue Christ“, in: Allg. Ztg. des Judentums, 1914–15) übertragen. Bleibendes schuf U. als Hrsg. des ung.-jüd. Lex. „Magyar zsidó lexikon“ (1929), eines der bedeutendsten ung. Nachschlagewerke der Zwischenkriegszeit. Ab 1912 trat er für die Wiederherstellung der konfessionellen Einheit des ung. Judentums ein und fungierte als Gen.sekr. jener Komm., die das letztl. abgelehnte Konzept der Autonomie entwarf. 1915–19 geschäftsführender Gen.sekr. des Journalistenver. Budapesti Újságírók Egyesülete, war er auch Präs. sowie 1925 Ehrenmitgl. der Organisation der ung. Journalisten in der damaligen Tschechoslowakei. Sein Sohn, der Journalist und Schriftsteller László U., Ps. Arkadij Cseresov (geb. Szegedin, 23. 7. 1900; gest. Colombo, British Ceylon/CL, 18. 2. 1940; mos.), verheiratet mit der Schriftstellerin und Psychoanalytikerin Edit Gyömrői, geb. Glück (geb. Budapest, 8. 9. 1896; gest. London, GB, 10. 2. 1987), wurde nach dem Schulbesuch im 1. Weltkrieg eingezogen. Ab 1918 Journalist in Budapest, emigrierte er 1919 nach Österr., wo er Mitarb. der Wr. Tagesztg. „Bécsi Magyar Újság“ war. 1921 übersiedelte er nach Rumänien, wirkte dort bis 1924 als Korrespondent der Budapester Tagesztg. „Az Újság“ sowie als Mitarb. ung. Bll. in Siebenbürgen. Ab 1924 in der Tschechoslowakei für ung. Ztg. in Košice und Bratislava tätig, kehrte László U. 1926 nach Ungarn zurück. I. d. F. Red. der Z. „Korunk“ in Cluj, publ. er auch in der marxist. Z. „Társadalmi Szemle“ und trat als Autor von Erz. sowie als Mitarb. des „Magyar zsidó lexikon“ in Erscheinung. Aufgrund der Verstärkung antisemit. Tendenzen in Ungarn und seiner Beteiligung an der illegalen kommunist. Bewegung Repressionen fürchtend, emigrierte László U. gem. mit seiner Frau 1938 nach Ceylon, wo er infolge einer schweren Erkrankung verstarb.

Weitere W. (s. auch ÚMÉL): Legendák és krónikák, 1905; Földanyánk lovagjai, 1914; Astarte temploma, 1918.
L. (auch zu László U.): Enc. Jud.; M. Életr. Lex.; M. Irodalmi Lex. II (m. B.); M. Zsidó Lex.; ÚMÉL (m. W.); Universal Jew. Enc.; Wininger; A magyar társadalom lex., 1930; Új magyar irodalmi lex. 3, 2. Aufl. 2000; A magyar emigráns irodalom lex., ed. Cs. Nagy, 2000; Magyar nagylex. 17, 2003; A. Szalai, in: Irodalomtörténeti Közlemények 111, 2007, S. 76ff.; The YIVO Enc. of Jews in Eastern Europe, ed. G. D. Hundert, 2008.
(Á. Z. Bernád)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 70f.
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