Ulmer, Franz Karl (1773–1846), Industrieller

Ulmer Franz Karl, Industrieller. Geb. Schwefel, Vorderösterreich (Dornbirn, Vbg.), 17. 1. 1773; gest. ebd., 1. 2. 1846. Sohn von Josef Adam U. (geb. Dornbirn, Gf.schaft Hohenems/Vbg., 1. 3. 1747; gest. 20. 1. 1816, ermordet), Bäcker und Vorsteher von Dornbirn-Oberdorf, und Agatha U., geb. Mäser (geb. 14. 11. 1739; gest. Dornbirn, 14. 7. 1816), Neffe von Franz Josef U. (geb. 7. 2. 1751; gest. 18. 6. 1792), Löwenwirt in Dornbirn-Hatlerdorf, der 1789–91 einen Aufstand gegen die Religionsreformen K. Josefs II. anführte, Vater u. a. von Adam U. (geb. Dornbirn, 28. 12. 1804; gest. ebd., 26. 2. 1859), Johann Georg U. (geb. 2. 1. 1807; gest. Schwefel, 16. 11. 1875) und Daniel U. (geb. 25. 10. 1819; gest. Dornbirn, 5. 8. 1869); verheiratet mit Franziska U., geb. Feurstein (geb. 23. 4. 1786; gest. Schwefel, 12. 3. 1856). – U. betrieb eine Mühle und handelte en gros mit Getreide, das zuvor von Schwaben nach Vbg. importiert wurde. Vermutl. gründete er bereits 1806 gem. mit Johann Baptist Salzmann eine Stoffdruckerei. Als Vbg. im selben Jahr zu Bayern kam, erlitt die Textilwirtschaft schwere Einbußen. Nach dem Ende der Bayernherrschaft 1814 unternahm U. einen neuerl. Anlauf: Er plante den Bau einer chem. Bleiche. Zur Sicherung von Energie und Wasser kaufte er in der Parzelle Schwefel in einem weiten Umkreis Felder und Äcker auf und ließ von der Dornbirner Ach einen Kanal ableiten. In den folgenden Jahren erweiterte er Druckerei und Bleiche um eine Färberei. 1826 verhinderte er die Ansiedlung einer weiteren Färberei durch Herrburger & Rhomberg in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Als Erster in Vbg. ging U. zur mechan. Weberei über; die Webstühle importierte er aus dem Elsass. Bald darauf errichtete er eine mechan. Spinnerei. U. und Adam U. wurden des Öfteren wegen Schmuggels von Baumwollwaren aus der Schweiz belangt. 1837 verkaufte U. die chem. Bleich- und Appretur-Anstalten an seinen Sohn Adam U. sowie an Salzmann und zog sich wieder auf das Gewerbe des Müllers zurück. Im Zuge eines Konflikts 1842/43, in dem die verarmten Unterschichten in Dornbirn u. a. mehr Transparenz in der Gmd.verwaltung und eine Privatisierung von Gmd.gut forderten, sympathisierte U. kurz mit den Aufständ. und geriet dabei in eine Auseinandersetzung mit der Familie Rhomberg, die die Anliegen der begüterten Bürger vertrat und den Konflikt für sich entscheiden konnte. 1843 beabsichtigte Daniel U., sich als Bäcker in Schwefel nahe dem Fabrikgelände niederzulassen, was die Dornbirner Bäcker aus Furcht vor einer Monopolisierung des Gewerbes verhinderten. Nach U.s Tod führte Johann Georg U., der das polytechn. Inst. in Wien besucht hatte, die Kattun- und Türkischrotfärberei fort. Später gingen die meisten Gebäude in den Besitz der Fa. →Franz Martin Rhomberg über.

L.: H. Weitensfelder, Interessen und Konflikte in der Frühindustrialisierung, 1991, S. 84ff.; ders., in: Fabriken – Mühlen – Bauernhäuser. Zur Entstehung einer Ind.landschaft. Baupläne für Dornbirn und Umgebung ..., ed. W. Matt, 1992, S. 8ff.; Website Vorarlberg Chronik (m. B., Zugriff 21. 1. 2015); Lex. Dornbirn (online, Zugriff 22. 1. 2015); Stadtarchiv Dornbirn, Vbg.
(H. Weitensfelder)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 85f.
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