Ulrich, Christian (1836–1909), Architekt

Ulrich Christian, Architekt. Geb. Wien, 28. 4. 1836; gest. ebd., 22. 1. 1909; röm.-kath. Sohn des Spiegelfabrikanten Christian U. und dessen Frau Elisabeth U., geb. Förg; ab 1905 verheiratet mit Louise U., geb. de Ren (1857–1931). – Nach Absolv. der Realschule und Besuch des Wr. polytechn. Inst. (1850–54) stud. U. Maschinenbau an der Polytechn. Schule Karlsruhe (1854–56). Nach diversen Stud.reisen (Frankreich, Belgien, Italien) schloss er seine Ausbildung (1858–60) an der Wr. ABK bei →Eduard van der Nüll und →Karl Roesner ab. Ab ca. 1867 als Leiter des familieneigenen Unternehmens und Architekt tätig, errang U. bald frühe Erfolge im Ausland (Parlament in Bukarest, Anbau Teyler-Mus., Haarlem, beide 1878). Im Rahmen der Zusammenarbeit mit →Wilhelm v. Flattich (ca. 1879–85) entstanden weitere Hochbauten und Inneneinrichtungen (u. a. Ausstattung von Hofsalonwagen). 1885 gestaltete U. die Landesausst. in Budapest, bei der die Glas-Eisen-Konstruktion des Ind.-Palasts und der „Elevator“ auf den Burgberg (dessen Konstruktion auf dem von ihm entwickelten System „Ulrich“ beruhte) als Spitzenleistungen der damaligen Technik angesehen wurden. I. d. F. nahm er die ung. Staatsbürgerschaft an und arbeitete in Ungarn an einer Reihe von bedeutenden Projekten mit (u. a. Bankgebäude, Lagerhallen, Ind.bauten). 1892 kehrte U. anlässl. des Baus des Palais des Wr. Kaufmänn. Ver. (Wien 1) in seine Geburtsstadt zurück, wo seine letzten Projekte von einem betont neobarocken Duktus geprägt waren (Mietshaus, Wien 1, Tuchlauben 1). 1896–1907 als o. Prof. für Utilitätsbau an der Wr. TH tätig, war er 1899/1900 auch deren Rektor. U., der diverse fachspezif. Funktionen innehatte (Insp. des gewerbl. Bildungswesens, Mitgl. der Prüfungs-Komm. für die behördl. zu autorisierenden Privattechniker), gehörte ab 1858 dem Österr. Ing.- und Architekten-Ver. und ab 1865 der Wr. Bauhütte an. 1884 Ritter des Franz Joseph-Ordens, 1906 HR.

Weitere W. (s. auch Architektenlex.): Escompte-Bank, um 1890 (Budapest); Aufstockung des Hauptgebäudes und Elektrotechn. Inst. der TH Wien, 1898–1903. – Publ.: Ueber Umschlagplätze …, in: Der Bautechniker 15, 1895.
L.: NWT, 23. 1. 1909; Das geistige Ungarn; Eisenberg 1; Kosel 1; Thieme–Becker; Der Bautechniker 5, 1885, S. 277f., 24, 1904, S. 365ff., 29, 1909, S. 92; Wr. Bauind.-Ztg. 11, 1894, S. 422, 12, 1895, S. 426, 26, 1909, S. 155; M. Paul, Techn. Führer durch Wien, 1910, s. Reg.; A. Lechner, Geschichte der TH in Wien (1815–1940), 1942, s. Reg.; 150 Jahre TH in Wien 1815–1965, 1–2, ed. H. Sequenz, 1965, s. Reg.; F. Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jh. 3/1, 1990, s. Reg.; B. Neuner, Bibliographie der österr. Eisenbahnliteratur … 3, 2002; Architektenlex. Wien 1770–1945 (m. W., nur online, Zugriff 13. 8. 2015); ABK, Pfarre Wieden, TU, WStLA, alle Wien; Karlsruher Inst. für Technol., D.
(U. Prokop)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 86
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