Ulrich, František (1899–1941), Geologe und Pädagoge

Ulrich František, Geologe und Pädagoge. Geb. Boharna, Böhmen (Boharyně, CZ), 11. 9. 1899; gest. Prag, Protektorat Böhmen und Mähren (Praha, CZ), 21. 10. 1941. Sohn des Bauern Antonín U. und von Anna U., geb. Kožíšková. – Nach Besuch des Gymn. in Königgrätz und der Ablegung der Matura am Realgymn. in Neubydžow stud. U. zunächst ab 1918 an der phil. Fak. der tschech. Univ. in Prag; nach Installierung der naturwiss. Fak. inskribierte er dort Chemie, Naturgeschichte und Mineral. Ab 1920 wirkte er als Ass. am Inst. für Mineral.; 1922 Dr. rer. nat. 1924–25 vertiefte U. seine Kenntnisse bei dem Mineralogen Victor Moritz Goldschmidt in Oslo. Ab 1926 suppl. er Vorlesungen in Mineral. und Petrographie an der Montanist. Hochschule in Příbram. Daneben arbeitete er als Externist im Staatl. geolog. Inst. der Tschechoslowakei (Státní geologický ústav Československé republiky). 1928 habil. sich U. an der naturwiss. Fak. für Kristallographie und Mineral., 1934 ao. Prof. Seine Ernennung zum o. Prof. für Experimentalmineral. 1939 konnte wegen der Schließung der tschech. Hochschulen während der dt. Okkupation nicht realisiert werden. U. engagierte sich aktiv in der antifaschist. Widerstandsbewegung, seine Gruppe wurde 1941 aufgedeckt, U. verhaftet. Er erlag kurz darauf im Gefängniskrankenhaus in Prag-Pankratz den bei der Verhaftung erlittenen Verletzungen. In den 1920er- bis 1940er-Jahren erforschte U. insbes. das Vorkommen von Siderit, Eisenerz und Magnesit im Slowak. Erzgebirge und analysierte die Erzlagerstätten bei Rožňava, im Berg Železník bei Sirk, bei Rudňany und Dobšiná. Ebenso interessierte er sich für Gase und Mineralquellen im Torfmoor von Rojkov bei Stankovany, bei Bešeňová und Gánovce, untersuchte die Mineralvorkommen in der Region von Liptau und in den Kleinen Karpaten, engagierte sich im Mus. des Tatravorlands in Poprad (Podtatranské múz. v Poprade) und trug zur Gründung des slowak. montanist. Mus. in Banská Štiavnica (Štátne banské múz. Dionýza Štúra) sowie des landwirtschaftl. und techn. Mus. in Hradec Králové (Muz. východních Čech v Hradci Králové) bei. Darüber hinaus veröff. U. zahlreiche kleinere Abhh. über Kristallographie, Chemie, Optik und Röntgenometrie in in- und ausländ. Z., u. a. in der „Zeitschrift für Kristallographie“. Er widmete sich zudem Kulturfragen und der Volkswirtschaft, interessierte sich für die Mittelschulreform und beteiligte sich an der Organisation von Fachausst. U. war Mitgl. der kgl. Böhm. Ges. der Wiss. sowie des Státní geologický ústav Československé republiky und des nationalen tschechoslowak. Forschungsrats (Československá národní rada badatelská).

W.: Poggendorff; Fiala.
L.: Poggendorff 6, 7b (m. W.); Who’s Who in Central and East-Europe 1933/34, ed. St. Taylor, 1935; F. Fiala, in: Věstník Státního geologického ústavu Republiky československé 20, 1945, S. 178ff. (m. B. u. W.); Naučný geologický slovník 2, 1961; Slovenský biografický slovník 6, 1994; J. Tibenský u. a., Priekopníci vedy a techniky na Slovensku, 1999, S. 157ff. (m. B.); I. Herčko, in: Studie z dějin hornictví. Rozpravy NTM v Praze 28, 1999, S. 49ff.; R. Musil, in: Universitas, 2001, Nr. 4, S. 3ff.
(M. Makariusová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 86f.
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