Ultzmann, Robert (1842–1889), Urologe und Chirurg

Ultzmann Robert, Urologe und Chirurg. Geb. Kaschau, Ungarn (Košice, SK), 30. 3. 1842; gest. Wien, 10. 6. 1889; evang. AB. Sohn des Kaufmanns Karl U. und der Anna Susanne U., geb. Pauer, Vater des Mediziners Richard U. (geb. Wien, 6. 12. 1874); verheiratet mit Marie U., geb. Lefnerová. – Nach Besuch des Gymn. (1853–61) stud. U. ab 1861 Med. an der Univ. Wien; 1867 Dr. med., Dr. chir., Mag. obstet. Ab 1866 Aspirant an der med. Abt., vertiefte er seine Ausbildung ab 1867 als Ass. am patholog.-chem. Inst. des AKH bei →Johann Heller, von Mai bis Oktober 1869 als Aspirant an der Klinik von →Josef v. Skoda. Nach Erhalt eines Staatsstipendiums 1869 für zwei Jahre Operationszögling an der chirurg. Klinik von →Johann Frh. Dumreicher v. Österreicher, wurde ihm 1871 das Diplom eines Operateurs verliehen. Im selben Jahr wurde U. als Prof. für angewandte Chemie an die Univ. Klausenburg berufen, lehnte jedoch ab, um sich, auch geprägt von →Leopold v. Dittel, dem Fachgebiet der Urol. zu widmen. 1872 habil. er sich als Doz. für Krankheiten der Harnorgane an der Univ. Wien. Im selben Jahr war er Mitbegründer der Wr. Allg. Poliklinik, übernahm als Vorstand die von ihm errichtete Abt. für Chirurgie und Krankheiten der Harnorgane, die rasch zu einer weltweit anerkannten Ausbildungsstätte wurde und wo er auch die chem. Harnuntersuchung einführte; 1884 stellv. Dir., 1885 ao. Prof. für Chirurgie. U.s wiss. Spezialgebiete waren die Harnchemie, die Physiol. und Pathol. des Systems der harnbildenden und harnableitenden Wege, die Lithotripsie (Zertrümmerung von Harnsteinen durch Stoßwellen) sowie die männl. Sterilität. Bahnbrechend wirkte er auf dem Gebiet der Harnröhrenerkrankungen. Bekannt wurde er zudem durch die Entwicklung mehrerer med. Instrumente, darunter ein Katheter zur Blasenspülung. Von seinen Publ., die tw. ins Engl., Französ., Italien., Span., Ung., Poln. und Russ. übers. wurden, sind „Anleitung zur Untersuchung des Harnes“ (1871, gem. mit →Karl Berthold Hofmann, 2. Aufl. 1878), „Atlas der physiologischen und pathologischen Harnsedimente“ (1871, gem. mit Hofmann), „Mikroskopisch-photographischer Atlas der Harnsedimente“, 1878, sowie sein Hauptwerk „Die Harnconcretionen des Menschen und die Ursachen ihrer Entstehung“, 1882, erwähnenswert. Ab 1872 Mitgl. der Ges. der Ärzte in Wien, ab 1888 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina, war er u. a. auch Kommandeur des kgl. portugies. St. Jacob-Ordens sowie Off. d’Acad. française.

Weitere W.: s. Eisenberg.
L.: WZ, 29. 5. 1872; NFP, 11. (Parte), NWT (auch Abendbl.), 11. 6. 1889; The British Medical Journal, 22. 6. 1889; K. Sablik, in: Arzt, Presse, Med., 3. 11. 1977; Czeike; Eisenberg 2 (m. W.); Fischer; Kreuter; Lesky, s. Reg.; H. Rubritus, in: WMW 80, 1930, Sp. 201ff. (m. B.); E. Fieber, in: WKW 4, 1930, S. 116f.; R. Muzelák, in: MUDr. L. Markušovský a jeho doba, ed. P. Švorc, 1993, S. 140ff.; Slovenský biografický slovník 6, 1994; K. H. Tragl, Chronik der Wr. Krankenanstalten, 2007, s. Reg.; Josephinum, UA (m. B.), beide Wien.
(K. Geiger)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 90
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