Ulzer, Ferdinand (1864–1937), Chemiker

Ulzer Ferdinand, Chemiker. Geb. Wien, 23. 7. 1864; gest. ebd., 25. 6. 1937. Sohn des Ober-Offizials der K. Ferdinands-Nordbahn Ferdinand U. und von Marianne U., geb. Salzer; verheiratet mit Helene U., geb. Stöhr. – Nach Ablegung der Matura 1881 absolv. U. die chem. Fachschule an der TH Wien. 1885–88 hatte er dort eine Ass.stelle an der Lehrkanzel für allg. und analyt. Chemie unter →Alexander Bauer inne. 1888 wechselte er als Ass. zu →Hugo (v.) Perger an die Sektion für chem. Gewerbe am Technolog. Gewerbemus. (TGM) in Wien. 1892 habil. sich U. als Priv.Doz. an der TH Wien, 1893 wurde er zum Prof. am TGM ernannt und 1896 zum Leiter der dortigen Versuchsanstalt für das chem. Gewerbe bestimmt. 1904 erhielt er einen Ruf an die dt. TH Prag, dem er allerdings nicht folgte. 1905 habil. sich U. für analyt. Chemie an der TH Wien; 1909 ao. Prof. 1910–25 bekleidete er die Stelle eines Fachvorstands und Dir. der Bundeslehranstalt für chem. Ind. in Wien. 1924 beendete er seine Vorlesungstätigkeit. Von 1925 bis zu seiner Pensionierung 1934 war U. Vorstand der Techn. Versuchsanstalt der Österr. Heilmittelstelle G. A. in Wien. Während der Kriegsjahre betätigte er sich als Red. der „Zeitschrift für die Waschmittel-, Seifen-, Öl- und Fettindustrie“, danach als Red. des Journals „Wissenschaftliche Mitteilungen der Österreichischen Heilmittelstelle“. Zu U.s Forschungsthemen während seiner Zeit am TGM zählten u. a. die Nitroso- und Isonitrosoverbindungen, die Milchsäure, die Naphtaline, die Bestimmung des Indigotins im Indigo sowie die Analyse des Wollfetts. U. war zusammen mit dem Chemiker Rudolf Sommer Inhaber mehrerer Patente, darunter eines US-Patents aus 1911 zur Herstellung von Radium aus geringwertigen Uranerzen und, zusammen mit dem Adjunkten am TGM John Bengough, eines Patents für Produkte aus dem Schwefelsäureabfallteer der Mineralölind., die dem Ichthyol ähnl. sind. In den 1920er-Jahren befasste er sich zudem mit Homologen des Coniins, mit Harnstoffderivaten, mit Prüfungsvorschriften für die Österr. Pharmakopoe und mit Radiumverbindungen hinsichtl. ihrer Anwendung für Heilzwecke. In den 1930er-Jahren erforschte U. mit Hans Gruber die Fettsäuren menschl. Tuberkelbazillen sowie mit W. Haas die Saponine der Primuladroge. Er veröff. insgesamt etwa 200 Beitrr. in Z. und betätigte sich als Hrsg. des von →Rudolf Benedikt 1886 begründeten und mehrfach aufgelegten Werks „Analyse der Fette und Wachsarten“. Mit seinem damaligen Ass. am TGM Alexander Fraenkel als Koautor verf. er 1897 eine „Anleitung zur chemisch-technischen Analyse“, die 1898 ins Engl. und später auch ins Japan. übers. wurde. Gem. mit →Isidor Klimont publ. U. 1906 „Allgemeine und physiologische Chemie der Fette für Chemiker, Mediziner und Industrielle“. 1888 erhielt er zusammen mit Benedikt die Silberne Medaille der Société industrielle de Mulhouse für seine Arbeit über das Türkischrotöl, 1908 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens; HR.

Weitere W.: s. Poggendorff.
L.: Eisenberg 2; Emődi; Poggendorff 4, 6, 7a (m. W.); Wer ist’s?, 1909; W. Exner, Das k.k. Technolog. Gewerbemus. in Wien … 1879 bis 1904, 1904, S. 219; R. Niederleuthner, in: Mitt. des staatl. techn. Versuchsamtes 26, 1937, S. 8; TU, Wien.
(R. W. Soukup)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 90f.
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