Umlauf, Carl Ignaz Franz (1824–1902), Zitherspieler, Komponist und Pädagoge

Umlauf Carl Ignaz Franz, Zitherspieler, Komponist und Pädagoge. Geb. Baden (NÖ), 19. 9. 1824; gest. Wien, 13. (nicht 25.) 2. 1902. Verheiratet mit der Zitherspielerin Elise U., die ihren Mann in einigen Konzerten begleitete. – Neben einer kaufmänn. Ausbildung erlernte U. im Alter von 14 Jahren das Zitherspiel. Er ging nach Wien, wo er zunächst Unterricht in Violine (bei →Leopold Jansa) und Kontrapunkt (bei →Simon Sechter) nahm. Daneben wurde er Schüler von Franz Ponier und konnte dadurch an die Wr. Tradition des Zitherspiels anschließen, die durch Ponier und →Johann Petzmayer repräsentiert wurde. Er entwickelte gem. mit dem Instrumentenbauer →Anton Kiendl die sog. Wr. Zither, deren von Ponier übernommene Griffbrett-Stimmung (a¹ d¹ g¹ g c), Saitenzahl (29) und Notation (Violin- und Bassschlüssel) von der bis dahin dominierenden Münchner Schule abweicht. Auch die 1823 von Petzmayer erfundene Streichzither mit Bogen und die sog. Elegiezither in Altlage spielte U. Letztere verwendete er aufgrund ihres volleren Klangs häufig für Konzerte. Er trat ab 1856 (einer Premiere, der →Eduard Hanslick programmat. fernblieb) im alten, später im neuen Musikver.saal in Wien auf (über 100 Konzerte), konzertierte aber auch im Ausland (1860 Dtld.-Tournee: Baden-Baden, Bad Ems, Wiesbaden, Hamburg, Kissingen u. a.). Seine vielfach aufgelegte „Neue vollständige theoretisch-praktische Wiener Zitherschule“ (1854, Erg.bd. 1859) richtet sich an autodidakt. Dilettanten und enthält zahlreiche Übungsstücke, die sich z. Tl. dem Klaviersatz annähern. 1858 begann U. mit der Hrsg. einer über 660 He. umfassenden Smlg. von Zithermusik, des „Salon-Albums für Zitherspieler“. 1888 präsentierte er seine Werke in der Jubiläums-Gewerbe-Ausst. in Wien. Sein Wirken als Pädagoge schlug sich nicht nur in seinen Schriften und Lehrwerken nieder, sondern auch in der Gründung der ersten öff. Zitherschule in Wien. Gem. mit seinem Schüler Franz Wagner red. U. das „Erste Wiener Zither-Journal“. Er war k. Hofmusikus.

Weitere W.: Tänze; Lieder; Fantasien; Charakterstücke.
L.: WZ, 7. 4. 1856; Anton Langer’s Hans Jörgel von Gumpoldskirchen, 10. 1. 1880; Wr. Bilder, 28. 1. 1900 (m. B.); Illustrirtes Wr. Extrabl. (m. B.), NWT, 15. 2. 1902; Grove, 2001; MGG I; Riemann, 1961; Wurzbach; J. E. Bennert, Illustrirte Geschichte der Zither, (1881), S. 44ff.; Allg. Kunst-Chronik 12, 1888, S. 571; J. Brandlmeier, Hdb. der Zither, 1963, s. Reg.; P. Erhart, Nö. Komponisten, 1998, S. 64f.; Wien. Musikgeschichte 1, ed. E. Th. Fritz – H. Kretschmer, 2006, S. 49; J. M. Bloderer, Zitherspiel in Wien. 1800–50, 2008, s. Reg. (m. B.); DEMOS – Daten zur Erforschung der Musik in Österr. (nur online, Zugriff 25. 4. 2015); WStLA, Wien.
(A. Rausch)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 91f.
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