Umlauf (Umlauff), Michael (1781–1842), Musiker, Kapellmeister und Komponist

Umlauf (Umlauff) Michael, Musiker, Kapellmeister und Komponist. Geb. Wien, 9. 8. 1781; gest. Baden (NÖ), 20. 6. 1842. Sohn des Komponisten und Kapellmeisters Ignaz U. (geb. Oberstockstall, NÖ, 21. 8. 1746; gest. Meidling, NÖ/Wien, 8. 6. 1796) und dessen Frau Josepha U., geb. Baldey (gest. 1815), Bruder der Sängerinnen Josepha U., verehel. Mayer (geb. 21. 8. 1783), Karolina U. (geb. 9. 11. 1784) und Elisabeth U., verehel. Hölzel (geb. 6. 10. 1786; gest. 17. 3. 1850), der Mutter des Hofopernsängers →Gustav Hölzel; ab 1807 verheiratet mit Maria Anna U., geb. v. Benko (gest. 27. 7. 1830). – U. erhielt seine musikal. Ausbildung von seinem Vater, von Joseph Weigl und vermutl. auch von Johann Georg Albrechtsberger. Er war 1789–95 Mitgl. der Hofsängerknaben, die sein Vater leitete und z. Tl. auch in seiner Wohnung beherbergte und verköstigte. Mit zwölf Jahren musste U. zwar als Mutant aus dem Chor ausscheiden, bekam jedoch für zwei Jahre eine Pension zugesprochen. 1796 gelang es seinem Vater noch kurz vor seinem Tod, für U. erfolgreich ein Gesuch für ein Stipendium beim Oberhofmeisteramt einzureichen, das seinen Lebensunterhalt für die folgenden zwei Jahre sicherte. 1798 erhielt er ein Engagement als 2. Geiger im Orchester des Kärntnertortheaters, drei Jahre später als 1. Geiger. Er wurde 1804 zum Cembalisten und Kapellmeister-Substituten ernannt, und im selben Jahr kam mit der Musik zu Sébastien Gallets Ballett „Amors Rache“ auch erstmals eine Komposition von ihm am Kärntnertortheater zur Auff. U. komponierte noch zwölf weitere Ballettmusiken für das Kärntnertor- wie auch das Leopoldstädter Theater. Am erfolgreichsten war „Paul und Rosette oder Die Winzer“. Dieses Ballett wurde allein 1806–08 über sechzigmal aufgef. und 1823 neu in Szene gesetzt. Darüber hinaus schrieb er zwei Singspiele und eine (unaufgef. gebliebene) Oper sowie zahlreiche Vokal- und Instrumentalmusikwerke. 1808 wurde er zum „wirklichen“ Kapellmeister befördert. U. galt als hervorragender Dirigent. Er leitete die Erstauff. der dritten Fassung von Beethovens Oper „Fidelio“ im Mai 1814 am Kärntnertortheater hinter dem bereits ertaubten Komponisten stehend und dirigierte auch die folgenden Auff. Für die Urauff. der 9. Symphonie 1824 verzichtete Beethoven sogar lieber auf das Theater an der Wien als Auff.ort als auf U. als Kapellmeister und →Ignaz Schuppanzigh als Konzertmeister, da beide als hausfremde Personen dort nicht auftreten hätten dürfen. So fanden die zwei ersten Auff. seiner letzten Symphonie sowie Teile der „Missa Solemnis“ im Mai jenes Jahres im Kärntnertortheater bzw. im Großen Redoutensaal statt. 1821 wurde das Kärntnertortheater an Domenico Barbaja verpachtet und U. vorzeitig mit einem Drittel seines Gehalts pensioniert. Seine Bewerbungen für das Amt des Vizehofkapellmeisters blieben erfolglos. Er übersiedelte nach Klosterneuburg und zog sich eine schwere Krankheit zu, von der er sich nie ganz erholte. 1840 wurde U. von der Administration der Pächter Balochino und Merelli als 1. Kapellmeister wieder an das Hofoperntheater engag., erlitt jedoch bald darauf während einer Vorstellung einen Schlaganfall, der ihn arbeitsunfähig machte.

Weitere W.: s. Grove; MGG II; F. Stieger, Opernlex. 2/3, 1978.
L.: Grove, 2001 (m. W.); MGG II (m. W.); oeml; Wurzbach; Wr. Hof-Theater Almanach 1, 1804; Wr. Hoftheater-Taschenbuch 2–13, 1805–16; Allg. Musikal. Anzeiger, ed. I. F. Castelli, 12, 1840, S. 62ff.; J. E. de Groat, Leben und Singspiele des Ignaz U., geisteswiss. Diss. Wien, 1984, S. 1f., 25, 33f., 65; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1810 bis 1836, 2007, s. Reg.; J. Caeyers, Beethoven. Der einsame Revolutionär, 2012, s. Reg.; HHStA, Wien.
(R. Müller)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 92
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