Umlauff von Frankwell, Johann (Hans) Ritter (1866–1932), Offizier

Umlauff von Frankwell Johann (Hans) Ritter, Offizier. Geb. Braunschweig, Hg.tum Braunschweig (D), 22. 12. 1866; gest. Leobersdorf (NÖ), 21. 12. 1932. Sohn eines techn. Beamten und von Sophie U. v. F. (gest. Wien, 17. 9. 1895); verheiratet mit Friederike U. v. F., geb. Notthaft. – U. trat 1884 in das IR Nr. 60 ein und besuchte ab Februar desselben Jahres die Inf.kadettenschule in Wien, danach jene in Liebenau. 1889 Lt. im Dragonerrgt. Nr. 2, wechselte er mehrmals die Kav.rgt. und wurde 1901 zum Rtm. im Dragonerrgt. Nr. 9 befördert. 1905 kam er zum Dragonerrgt. Nr. 13, 1910 legte er die Pilotenprüfung ab. 1912 Mjr., war er noch als Kavallerist bei der Luftschifferabt. eingeteilt, die 1909 aufgestellt worden war und deren Luftfahrzeuge in jenem Jahr erstmals an Manövern teilnahmen. U. war 1913 der erste Träger des neu geschaffenen Feldpilotenabzeichens in der Gesamten Bewaffneten Macht und wurde mit Mai dieses Jahres für das Luftschifferkmdo. eingeteilt. Im August 1914 machte er als Aufklärer die ersten Meldungen über den russ. Aufmarsch. Ab 1915 Obstlt., erwarb er sich anlässl. der Südtirol-Offensive (Mai/Juni 1916) als Aufklärer und auch als Kampfflieger bei der 11. Armee Verdienste. 1917 erfolgte seine Ernennung zum Ballonfahrer. Anfang April 1918 wurde U. zum Kmdt. der Luftstreitkräfte beim Heeresgruppenkmdo. FM v. Boroević ernannt. Die österr. Flieger traten im Bewegungskrieg erstmals in der Piaveschlacht (Juni 1918) bes. hervor und dort unter U. v. a. bei den Kämpfen um den Montello. U. trat als Obst. Anfang Dezember 1918 i. d. R. 1920–25 war er Pächter des Guts Edelhof bei Gutenstein, danach erwarb er ein Elektrizitätswerk in Leobersdorf. Ab 1895 galt U.s Interesse dem Motorsport. Selbst begeisterter Auto- und Motorradfahrer, hielt er ab 1902 im militär. Rahmen Vorträge über Automobilismus. Seine Freundschaft zu Igo Etrich brachte ihn zum Flugwesen. Zusammen mit →Ludwig Lohner und dem Automobilkonstrukteur Ferdinand Porsche arbeitete er ab 1909 an der Entwicklung eines Rodelgleitfliegers, den er im Winter 1909/ 10 mit Unterstützung des Industriellen Carl Zugmayer bei Waldegg an der Piesting erprobte. 1910 errang er bei einem Rodelgleitflugwettbewerb in Breitenstein den 1. Platz. U. machte sich aber auch als Konstrukteur eines 60 PS starken Doppeldeckers mit einem Laurin-Klement-Motor und mit dem Lohner-Pfeilflieger-Doppeldecker einen Namen. Hervorzuheben sind zudem seine größeren Distanzflüge, darunter 1911 der erste Fernflug von Wr. Neustadt über Wien-Simmering nach Budapest und retour. U. war zudem Mitgl. des Automobilklubs. In der Operette „Der fliegende Rittmeister“ von Hermann Dostal mit dem bekannten Fliegermarsch wurde ihm ein musikal. Denkmal gesetzt. 1915 erhielt er den Orden der Eisernen Krone III. Kl.

L.: NFP, 22. 6. 1911 (Abendbl.), 23. 12. 1932; RP, 1. 9. 1915; E. Peter, in: Österr. Militär. Z., Sonderh. 1, 1965, S. 47ff., 6, 1968, S. 415ff.; Kulturberr. NÖ, Juni 1977, S. 10, 12 (m. B.); E. Katzer, in: Unser Neustadt 43, 1999, S. 1ff. (m. B.); „Schwerer als Luft“. 100 Jahre Motorflug in Wien, red. S. Mattl-Wurm – M. Reuter, Wien 2009, S. 15 (Kat., m. B.); KA, Wien; Stadtarchiv Wr. Neustadt, NÖ; Mitt. Peter Umlauff, Leobersdorf, NÖ.
(P. Broucek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 92f.
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