Umlauft, Anton (1858–1919), Gärtner, Botaniker und Beamter

Umlauft Anton, Gärtner, Botaniker und Beamter. Geb. Rokitnitz, Böhmen (Rokytnice v Orlických horách, CZ), 9. 6. 1858; gest. Wien, 28. 10. 1919; röm.-kath. Sohn des Ziergärtners Joseph U. und der Apolonia U., geb. Leicht. – Nach Absolv. einer Gärtnerausbildung in Plan wurde U. 1877 als Gärtnergehilfe im Schönbrunner Hofgarten angestellt und 1885 zunächst zum Obergehilfen, 1887 zum Hofgärtner befördert. 1889 folgte er Adolf Vetter als Hofgarteninsp. von Schloss Schönbrunn und Schloss Hetzendorf nach. Ende 1893 zunächst mit dem Titel und Charakter eines Hofgartendir. versehen, wurde er 1896 zum w. Hofgartendir. ernannt und übernahm damit die Leitung der neu geschaffenen Hofgärten-Verwaltung (u. a. wurden ihm die bisher selbstständigen Hofgarteninspektionen Augarten, Burggarten, Belvedere und Laxenburg als Gartenverwaltungen unterstellt). Im Schönbrunner Hofgarten übernahm U. die Einrichtung und Ausgestaltung des 1882 fertiggestellten Palmenhauses, versah die Reservegärten mit Neubauten sowie mit modernen Heiz- und Ventilationseinrichtungen und erweiterte durch internationale Kontakte den Bestand an exot. Pflanzen (v. a. Orchideen) wesentlich. Neben der Neugestaltung des hist. Parterres vor dem Palais Augarten und einiger Tle. der Gartenanlagen des Burgpalasts in Budapest übernahm U. auch die Gestaltung wichtiger privater Gärten und Parkanlagen wie beispielsweise jener von Halbturn, Eckartsau und Schloss Esterházy in Eisenstadt. 1908 zum Fachreferenten für Gartenbau im Obersthofmeisteramt ernannt und 1917 mit dem Titel Reg.Rat ausgez., trat U. 1919 i. d. R. Neben zahlreichen kleineren Publ. wie „Die Regenerierung alter Parkanlagen“ (in: Z. für Gärtner und Gartenfreunde 3, 1907) und „Einführung der Blumenzwiebelkultur in Österreich“ (ebd. 9, 1913) verf. U. 1894 die wichtige Schrift „Schönbrunn. Seine Gärten und ihre Geschichte“, die auch als eigenes Kapitel in Richard Wettstein v. Westersheimbs Buch „Die botanischen Anstalten Wiens“ (1894) aufgenommen wurde. 1906 fasste U. in der Arbeit „Die Wahrheit über die Wetterpflanze“ die Fakten zur Blattbewegung der Paternostererbse (Abrus precatorius) zusammen und polemisierte gegen die unwiss. Bestrebungen Josef Nowacks, die „Wetterpflanze“ zur Unwetterprognose heranzuziehen. Nach U. wurden 1893 die Orchidee Epidendrum umlaufti und die Frauenschuh-Orchideen-Hybride Cypripedium x umlauftianum benannt. 1893 erhielt er den kgl. preuß. Kronen-Orden III. Kl., 1896 den k. russ. St.-Stanislaus-Orden II. Kl., 1898 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens, 1899 den kgl. siames. Kronen-Orden III. Kl., 1908 das Komturkreuz des Victoria-Ordens und 1918 den Orden der Eisernen Krone III. Kl. 1912 wurde er zum Vizepräs. der Gartenbau-Ges. in Wien gewählt.

Weitere W.: s. Eisenberg.
L.: NFP, RP, WZ, 29. 10. 1919; Eisenberg 2 (m. W.); I. Dörfler, Botaniker-Adressbuch, 1896, S. 120, 2. Aufl. 1902, S. 164, 3. Aufl. 1909, S. 232; Botanik und Zool. in Österr. … 1850 bis 1900, 1901, s. Reg.; Österr. Botan. Z. 68, 1919, S. 344; Z. für Gärtner und Gartenfreunde 15, 1919, S. 43f., 84; E. M. Kronfeld, in: Österr. Gartenztg. 14, 1919, S. 119f., 193ff. (m. B.); H. Reiner, in: Die Gartenwelt 23, 1919, S. 384; J. Martz, in: The Oxford Companion to the Garden, ed. P. Taylor, 2006, s. Reg.; Unser Blatt, 2008, H. 3, S. 8 (m. B.); Pfarre Maria Hietzing, Wien; Pfarre Rokytnice v Orlických horách, CZ.
(M. Svojtka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 94f.
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