Ungnad von Weißenwolff, Konrad (Conrad) Gf. (1855–1912), Gutsbesitzer und Politiker

Ungnad von Weißenwolff Konrad (Conrad) Gf., Gutsbesitzer und Politiker. Geb. Ruska Wieś, Galizien (Wybrzeże, PL), 14. 1. 1855; gest. Steyregg (OÖ), 24. 10. 1912; röm.-kath. Sohn des Herrschaftsbesitzers Guidobald Gf. U. v. W. (1817–1872) und dessen Frau Hedwig (Jadwiga) Gfn. U. v. W., geb. Gfn. Krasicka (1839–1909), Großneffe von →Nikolaus Gf. U. v. W., Vater u. a. des Oblt. Paul Gf. U. v. W. (geb. Steyregg, 1. 3. 1886; gest. bei Nagyszőllős, Ungarn / Vinohradiv, UA, 17. 5. 1915, Eisenbahnunfall; begraben: Steyregg) und von Nikolaus Gf. U. v. W. (geb. Steyregg, 11. 8. 1895; gest. Podol bei Prag, Böhmen / Praha, CZ, 29. 9. 1917; begraben: Steyregg), Schwiegersohn von →Camillo Heinrich Fürst v. Starhemberg und Schwager von Ernst Rüdiger Fürst v. Starhemberg (1861–1927); ab 1879 verheiratet mit Marietta Gfn. v. Starhemberg (geb. Bergheim, OÖ, 24. 11. 1860; gest. Steyregg, 31. 7. 1940). – Auf einem Gut der Familie seiner Mutter geboren, war U. ab dem Tod des Vaters Besitzer der Fideikommisse Steyregg und Parz und übernahm bald darauf aktiv die Verwaltung der Güter. Kurz vor seinem Ableben kam er nach einem langjährigen Rechtsstreit auch in den Besitz des seit dem Tod von Erwein Gf. Schlik 1906 umstrittenen nordböhm. Fideikommisses Kopidlno und Altenburg. U. war einer der bedeutendsten Vertreter des oö. Adels, innerhalb dessen er sowohl durch seinen eigenen Besitz als auch durch seine enge Verwandtschaft zum Haus Starhemberg eine führende Stellung einnahm. Polit. schloss er sich dem seit dem Ende der 1870er-Jahre in OÖ in der Minderheit befindl. Verfassungstreuen Großgrundbesitz an. Nach einem Wahlkompromiss mit den Konservativen gehörte er dem LT für zwei Perioden an (1896–1908), musste sich dabei aber verpflichten, in kirchl. Fragen nicht gegen die konservative Mehrheit zu stimmen. 1899 wurde er auf Lebenszeit ins HH berufen, wo er sich der Mittelpartei anschloss und 1907 für seine Familie einen erbl. Sitz erhielt. Er wurde in die volkswirtschaftl. (1901–07) und in die Staatsvertragskomm. (1907–11) des HH gewählt. Entsprechend seiner Stellung als Aristokrat und Großgrundbesitzer übernahm er zahlreiche meist repräsentative Funktionen in oö. Ver. So war er ab 1883 bis zu seinem Tod Präs. des Forstver. für OÖ (ab 1896 für OÖ und Sbg.), leitete ab 1900 den Oö. Schutzver. für Jagd und Fischerei, war ab 1899 Präs. des Oö. Kunstver. und 1890–1912 des Landeshilfsver. vom Roten Kreuz. Auch unterstützte er humanitäre und gesellschaftl. Ver., v. a. in Steyregg (u. a. Veteranen- und Feuerwehrver.). 1905 erhielt er den Franz Joseph-Orden (Komtur mit Stern). Der erbl. Sitz der Familie im HH blieb bis zum Ende der Monarchie vakant, da die beiden zunächst noch minderjährigen Söhne (ein dritter war im Kindesalter verstorben) unverheiratet und kinderlos geblieben waren. Mit dem Erlöschen der Familie in männl. Linie wurden auch die Familienfideikommisse aufgelöst.

L.: Tages-Post (Linz), 25. 10. 1912, 3. 10. 1917; Adlgasser; H. Slapnicka, OÖ – Die polit. Führungsschicht 1861 bis 1918, 1983; N. Salm-Reifferscheidt, Der Schlick-Prozeß …, phil. DA Wien, 2001, passim; Land OÖ, Politikerdatenbank (nur online, Zugriff 14. 10. 2015); Pfarre Steyregg, OÖ.
(F. Adlgasser)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 108f.
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