Unkhrechtsberg (Unkhrechtsperg), Eduard Ritter von (1797–1870), Astronom und Domherr

Unkhrechtsberg (Unkhrechtsperg) Eduard Ritter von, CSsR, Astronom und Domherr. Geb. Buchberg (OÖ), 10. 7. 1797; gest. Leoben (Stmk.), 30. 3. 1870; röm.-kath. U. widmete sich zunächst rechtswiss. Stud. in Wien, ehe →Klemens Maria Hofbauer 1817 sein Interesse für das Priesteramt weckte und er in den Orden der Redemptoristen eintrat. Sein Noviziat verbrachte er 1820 bei den Redemptoristen von Maria am Gestade in Wien; 1821 Profess; 1822 Priesterweihe. 1827–30 fungierte U. als erster Rektor und Prof. für Exegese des Klosters und der theol. Lehranstalt im steir. Mautern. Da er die Kongregation 1831 aufgrund von Unstimmigkeiten verlassen musste, arbeitete er einige Jahre als Seelsorger in der Linzer Diözese, zuletzt als Kooperator in Kallham. 1837 kam er als Domherr an das Metropolitankapitel von Olmütz. 1838–43 fungierte er als Dir. des Alumnats, ab 1842 als Stud.dir. der Phil., danach als Propst der St.-Mauritius-Kirche. 25 Jahre lang bekleidete er zudem das Amt eines Assessors in der Wirtschaftsdion. des Olmützer Kapitels, ab 1853 war er auch Forstreferent. U. galt nicht nur als begnadeter Redner und wohltätiger Priester, sondern ließ auch – teils aus Eigenkapital – Kirchen und deren Einrichtung restaurieren. Ab den 1840er-Jahren befasste er sich intensiv mit Mathematik und prakt. Astronomie. 1841 errichtete er in Olmütz ein kleines Observatorium, wo er sich gem. mit →Rudolf Brestel v. a. mit der Bestimmung der Zeit und der Polhöhe befasste. Um 1845 baute er auf dem Alumnatsgebäude einen astronom. Turm und stattete diesen mit den notwendigen Instrumenten und einer wiss. Bibl. aus. Aufgrund der Instabilität der Instrumente ließ er 1849 im Garten seines Anwesens eine neue Sternwarte einrichten. Nachdem er sich an der Univ. Olmütz bei →Franz v. Močnik weitergebildet hatte, hielt U. selbst 1854–55 Vorlesungen über allg. Astronomie und Astrognosie an der Univ. sowie populäre Vorlesungen für das Olmützer Bürgertum. 1853 holte er sich den bekannten Astronomen und Geophysiker Julius Schmidt als Observator an seine Sternwarte, der diese bis 1858 zu einer nationalen und internationalen Forschungsstätte ausbaute. In diese Zeit fielen auch U.s Versuche mit Metallbarometern, insbes. zum Nutzen für die Marine, die er u. a. am nö. Schneeberg durchführte. 1867 löste er seine Sternwarte auf und zog sich nach Leoben zurück, wo er im dortigen Kloster 1869 als Oblate aufgenommen wurde, ein astronom. Instrument aufstellte, mit Vertretern von vielen bedeutenden Sternwarten korrespondierte und die Bibl. der Redemptoristen durch Schenkungen erweiterte. Der Geolog. Reichsanstalt in Wien, deren Korrespondent er ab 1857 war, übergab er eine Reihe von Petrefakten aus dem devon. Kalkstein von Rittberg bei Proßnitz.

L.: WZ, 1. 4. 1870; Grazer Volksbl., 6. 4., 28. (Beil.), 31. 5. 1870 (Beil.); Wurzbach; J. Schmidt, in: Astronom. Nachrichten 37, 1854, Sp. 73ff.; R. Zimprich, Die Prof. der k. k. Franzensuniv. zu Olmütz (1828–55), 1962, S. 23; J. Matzke, in: Mähr.-Schles. Heimat 7, 1962, S. 276ff.; K. A. Fischer, in: Bohemia 24, 1983, S. 100ff.; B. Bolzano und die Politik, ed. H. Rumpler, 1999, s. Reg.; N. Pärr, M. Hell und sein wiss. Umfeld im Wien des 18. Jh., phil. Diss. Wien, 2011, S. 133, 156; Geolog. Bundesanstalt, Wien.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 110
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