Unterberger, Franz Maria (1794–1867), Kunsthändler und Verleger

Unterberger Franz Maria, Kunsthändler und Verleger. Geb. Sterzing, Tirol (Sterzing/Vipiteno, I), 1794; gest. Innsbruck (Tirol), 28. 5. 1867; röm.-kath. Sohn von Johann U. (Unterperger), Pfleger und Stadtschreiber in Sterzing (geb. Toblach, Tirol / Toblach/Dobbiaco, I, 6. 6. 1761; gest. Innsbruck, 1838), und Maria Anna U., geb. Latzi (geb. Schlanders, Tirol / Schlanders/Silandro, I, 6. 6. 1771; gest. Innsbruck, 8. 3. 1848), Vater von →Franz Richard U. und Ernst U. (geb. Innsbruck, 1841; gest. ebd., 12. 8. 1915); ab 1821 in 1. Ehe verheiratet mit Theresia Strele (geb. 26. 6. 1796; gest. 1826) aus der Baumwolldynastie Strele, ab 1833 in 2. Ehe mit Anna Strobl (geb. München, Bayern/D, 8. 10. 1809; gest. Innsbruck, 14. 3. 1865). – U. kam in den 1810er-Jahren nach Innsbruck und absolv. bei Karl v. Carnelli (Handelsmann, Hptm. der Innsbrucker Grenadier-Komp., Magistratsrat, Stadtkämmerer und Gründungsmitgl. der Tiroler Sparkasse), der sein wichtigster Mentor wurde, die Lehre. I. d. F. ging er eine Geschäftsverbindung mit dem Lithographen Josef Grader ein, der seit 1817 einen Musikverlag unterhielt, jedoch für das Verlegen eigener Kunstwerke einen Finanzier suchte. U. brachte als Partner das notwendige Geld ein und erhielt 1819 die Bewilligung zur Führung einer gem. Kunsthandlung in Innsbruck. Die Einberufung zum Militärdienst zwang ihn allerdings zum Ausscheiden aus der Grader’schen Kunsthandlung. 1825 eröffnete er bereits eine eigene Kunsthandlung, die, ab 1847 im neu errichteten Haus in der Museumstraße situiert, weithin bekannt wurde. Aufgeschlossen gegenüber neuen druckgraph. Techniken, stellte er neben klass. Malerei auch Lithographien und Chromophotographien aus. Daneben betrieb er einen eigenen Verlag, in dem er Lithographien und Stahlstiche von berühmten Tiroler Landschaften herausgab. Karten und Druckgraphiken wurden nicht nur in Innsbruck, sondern in Zusammenarbeit mit dem Kunsthändler, Photographen und Verleger Gregor Baldi auch in Salzburg vertrieben. Die Schaufenster der Unterberger’schen Kunsthandlung dienten als Anzeiger von künstler. wie kulturellen Neuheiten der Stadt Innsbruck. Innovationsfreude und ein ausgezeichnetes kaufmänn. Gespür – er vertrieb neben bildender Kunst auch Künstlerbedarf, Musikalien, Saiteninstrumente und Fremdenverkehrsartikel wie etwa Postkarten und sog. Spinnweben-Bilder – ließen ihn zum führenden Kunsthändler Tirols werden. Zeitlebens war ihm auch die Förderung junger Künstler (z. B. →Gottfried Seelos, →Josef Mühlmann) ein Anliegen, deren Werke er in seiner Kunsthandlung ausstellte. 1824 Mitgl. des neu gegr. Ver. des Tirol. Nationalmus. (später Tiroler Landesmus. Ferdinandeum), ab 1840 Fachdir. der Kunstsmlg. des Ferdinandeums, konnte U. maßgebl. die Smlg.tätigkeit des Mus. beeinflussen. Weiters war er Magistratsrat der Stadt Innsbruck sowie Mitgl. des 1863 gegr. Kunstver. für Tirol und Vbg. Um 1864 übergab U. seine Geschäfte an seinen Sohn Ernst; die Kunsthandlung U. blieb noch bis ca. 1976 im Besitz der Familie.

L.: Innsbrucker Nachrichten, 16. 11. 1855, 7. 4. 1859, 29. 5. 1867; Der Humorist, 10. 9. 1856; K. Fischnaler, Innsbrucker Chronik 5, 1934; R. Granichstaedten-Czerva, Beitrr. zur Familiengeschichte Tirols, 1954, S. 169f.; S.-K. Moser, Franz Richard U. und die salonfähige Landschaftsmalerei im 19. Jh., 1986, S. 13ff.; R. Rüsch, in: Der Schlern 77, 2003, H. 8/9, S. 76ff. (m. B.); Tiroler LA, Stadtarchiv, beide Innsbruck, Tirol.
(S. Moser-Ernst)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 111f.
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