Unterberger, Leopold Frh. von (1734–1818), General und Lehrer

Unterberger Leopold Frh. von, General und Lehrer. Geb. Strengberg (NÖ), 12. 10. 1734; gest. Wien, 9. 2. 1818. Sohn des Fleischhauers und Gastwirts Johann Peter U. und von Maria Magdalena U., geb. Erdtmannsdorfer (gest. 1746), Bruder des Diözesanpriesters Josef U. (gest. Ardagger, NÖ, 1820); ab 1763 verheiratet mit Anna Maria U., geb. Sartori (geb. 1741; gest. Wien, 22. 5. 1787). – U. besuchte das Stiftsgymn. in Seitenstetten, die Lateinschule und das Lyzeum in Linz. Mit Hilfe des Jesuitenpaters Joseph Walcher erhielt er eine Hofmeisterstelle in Wien, durch FZM Paul Wilhelm Frh. v. Bohn wurde er 1758 als Fähnrich im Ing.korps angestellt. Während der Teilnahme an der Belagerung der Festung Glatz in Schlesien erfolgte 1760 die Beförderung zum Unterlt. 1762 Oblt., fungierte U. als Adj. beim FZM und Gen.prodir. des Geniewesens Ferdinand Philipp Gf. v. Harsch. Joseph Wenzel Fürst v. u. z. Liechtenstein stellte U. 1770 als Prof. der Mathematik im Feldart.-Korps mit Hptm.rang an, 1775 Mjr. Er unterrichtete Erzhg. Maximilian Franz in Mathematik und geometr. Zeichnen, den späteren K. →Franz II. (I.) in Art.wiss. 1786 Obstlt., fungierte er als Kmdt. des Bombardierkorps. Im Russ.-österr. Türkenkrieg leitete er die Belagerung von Dubitza an der Una sowie den Art.einsatz in Vidin und ließ im April 1788 eine Mörser-Batterie aufstellen. Bei der Belagerung von Belgrad zeichnete sich das unter seinem Kmdo. stehende Bombardierkorps bes. aus. 1789 wurde U. Obst. und Kmdt. des 2. Feldart.-Rgt. 1793 GM, erhielt er ferner den Befehl über die Belagerungs-Art. vor Valenciennes. Militär. Erfolge erzielte er bei Le Quesnoy, Landrecies und 1795 bei der Eroberung Mannheims. In Hadamar schrieb er 1795 das „Gebet eines ehrlichen Soldaten“ nieder; 1797 FML. Als Mitgl. der Hofkomm. trug U. in Wien ab 1798 zu Verbesserungen im Kriegswesen, insbes. der Feuerwaffen, bei. 1803 erfolgte die Ernennung zum Vizevorsteher des Hauptzeugamts. K. Franz betraute ihn damals auch mit dem Unterricht des späteren K. →Ferdinand I. in den mathemat. Fächern. 1804 wurde U. das Feldart.-Rgt. Nr. 4 zugeteilt. 1813 FZM, 1814 Geh. Rat. Bedeutung erlangte U. auch als Autor mathemat. Werke. Erwähnenswert sind seine mehrbändigen „Anfangsgründe der Mathematik, zum Gebrauche der mathematischen Schule des k. k. Artilleriecorps“ (1774–81). 1793 erhielt U. das Ritterkreuz, 1795 das Commandeurkreuz des MMTO, 1794 erfolgte seine Erhebung in den Frh.stand.

Weitere W.: s. Wurzbach; Faustmann.
L.: Lemberger Ztg., 30. 3. 1818; Die Vedette, 1. 9. 1906; Heimatkundl. Beil. zum Amtsbl. der Bez.Hptm.schaft Amstetten, 1. 1. 1979; ADB; Gatti 2, S. 52; Hirtenfeld; Wurzbach (m. W.); Biographien der ausgezeichnetesten Feldherren der k. k. österr. Armee … 1788–1821, ed. J. Ritter v. Rittersberg, 1829, S. 192ff. (m. B.); A. Dolleczek, Geschichte der österr. Art. von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart, 1887, S. 421; T. Rak, Ein österr. Gen., L. v. U., 1902; G. Faustmann, Österr. Mathematiker um 1800, techn. Diss. Wien, 1994, S. 45ff. (m. B. u. W.); AVA, KA, beide Wien; Diözesanarchiv St. Pölten, NÖ.
(G. Faustmann)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 113
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