Untersteiner, Raimund (1894–1948), Neurologe und Psychiater

Untersteiner Raimund, Neurologe und Psychiater. Geb. Meran, Tirol (Meran/Merano, I), 24. 12. 1894; gest. Salzburg (Sbg.), 9. 8. 1948. Sohn des Advokaten Dr. Alfred U., Vater von Norbert U. (geb. Meran, 24. 2. 1926; gest. Washington, D.C., USA, 14. 3. 2012), Pionier der modernen Polarforschung; verheiratet mit Anna U., geb. Sperk. – U., der schon in früher Kindheit seine Mutter verlor, absolv. das Benediktinergymn. in Meran und stud. ab 1913 Med. an der Univ. Wien. Nach zwei Semestern zum Kriegsdienst einberufen, diente er im Kaiserjägerrgt. Nr. 2 in Galizien, am Isonzo und in den Sieben Gemeinden, danach setzte er seine Stud. in Innsbruck fort; 1920 Dr. med. in Innsbruck. Seine berufl. Laufbahn begann U. als Ass. an der Innsbrucker Psychiatr.-neurolog. Klinik. 1925 habil. er sich für Neurol. und Psychiatrie. 1926 verließ er die Klinik in Innsbruck, übersiedelte nach Salzburg, wo er bis 1939 als Konsiliararzt für Neurol. und Psychiatrie am Landeskrankenhaus und ab 1939 als Primar an der dortigen neurolog. Abt. tätig war. 1931 fungierte der begeisterte Bergsteiger als Leiter einer österr. Spitzbergen-Expedition, die einerseits zoolog. und ornitholog. Forschungen zum Ziel hatte und andererseits Basismaterial für die Einrichtung einer arkt. Abt. im Haus der Natur in Salzburg lieferte. Eine zusammenfassende Darstellung der Forschungsergebnisse der Expedition erschien 1932 als Sammelbd. „Bergland in der Arktis“, für den U. nicht nur den Beitr. „Über die Entdeckungsgeschichte Spitzbergens“ verf., sondern auch zahlreiche Abb. zur Verfügung stellte. Wiss. arbeitete U. v. a. auf dem Gebiet der Serol. und Liquor-Diagnostik. Insbes. fand seine vereinfachte Methode in der Anwendung der Meinicke-Trübungsreaktion sowohl im Blut als auch im Liquor große Anerkennung und war Grundlage für weitere Forschungen auf diesem Gebiet. Erwähnenswert sind seine Abhh. „Meinickes Trübungsreaktion (M. T. R.) in der Psychiatrie und Neurologie“ (in: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 72, 1925) sowie „Serologische Beiträge zur Malariabehandlung der Dementia paralytica“ (in: Dt. Z. für Nervenheilkde. 85, 1925). Weiters befasste sich U. mit Forschungen zur Poliomyelitis. Am eigenen Körper erlittene wetterabhängige Phantomschmerzen weckten sein Interesse für Meteorol., sodass er sogar einige Semester kosm. Physik in Innsbruck stud. und sich in Salzburg eine kleine Privatsternwarte einrichtete.

Weitere W.: Ueber eine komplex gebaute postencephalit. Hyperkinese und ihre mögl. Beziehungen zu dem oralen Einstellungs-Automatismus des Säuglings, in: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 71, 1924 (gem. m. E. Gamper).
L.: Kürschner, Gel.Kal., 1940/41; Hundert Jahre Med. Fak. Innsbruck 1869 bis 1969, ed. F. Huter, 1969, S. 423f.; H. Huber, Geschichte der Med. Fak. Innsbruck und der med.-chirurg. Stud.anstalt (1673–1938), 2010, S. 314; UA, Wien; Stadtarchiv Salzburg, Sbg.; UA, Innsbruck, Tirol.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 117
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