Uprimny, Julius (1877–1935), Journalist

Uprimny Julius, Journalist. Geb. Budweis, Böhmen (České Budějovice, CZ), 24. 2. 1877; gest. Wien, 13. 9. 1935; mos. Sohn des Kaufmanns Friedrich U. (gest. 1892) und von Rosalia U., geb. Mautner (gest. Wien, 13. 10. 1913); ledig. – U. absolv. das Gymn. in Budweis, stud. 1895–98 bzw. 1901–02 Med. an der Univ. Wien, wo er ein engagiertes Mitgl. der zionist. Studentenorganisation Kadimah wurde, und wandte sich schließl. noch vor Beendigung des Stud. dem Journalismus zu. 1899 kam er auf Vorschlag Isidor Schalits zum zionist. Wochenbl. „Die Welt“, das er ab Anfang September 1901 zunächst gem. mit Martin Buber und Moritz Zobel red.; nach einem halben Jahr übernahm er die alleinige Verantwortung für die Red. Als die Redaktion der Ztg. Ende 1905 nach Köln übersiedelte, wurde ihm erneut die redaktionelle Leitung angeboten. U. lehnte aus familiären Gründen ab, blieb jedoch weiter Mitarb. der „Welt“. Wenig später wurde er Red. von „Dr. Bloch’s Oesterreichischer Wochenschrift“ und verf. 1906–08 zahlreiche Leitartikel. Er unterstützte 1907 auch Joseph S. Blochs Kandidatur für den RR gegen Schalit und trat, als er damit nicht durchdrang, aus der Kadimah aus. Bald nach seinem Ausscheiden aus der Red. der „Welt“ arbeitete er bis 1912 für „Das interessante Blatt“, zuletzt in der Funktion eines stellv. Chefred. In dieser Zeit gelang es ihm, die Aufl. zu verdreifachen sowie die Qualität und das Erscheinungsbild durch Umstellung auf Rotationstiefdruck bedeutend zu verbessern. 1909–12 schrieb er auch für das „Neue Wiener Journal“, wo er Chef des Lokalteils war, die Funktion eines stellv. Chefred. einnahm und maßgebl. zur Modernisierung der Ztg. beitrug. 1912 stieß er zum „Neuen Wiener Tagblatt“, berichtete als Kriegsberichterstatter über den Balkankrieg, flog als einer der ersten österr. Journalisten mit einem Flugzeug und schrieb darüber. U., der die Wissensvermittlung zu den wesentl. Aufgaben sowohl der Presse wie auch des Rundfunks zählte, machte sich nach 1924 um die Popularisierung des Radios in Österr. verdient und wurde dafür 1926 mit dem goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ausgez. Mit Jänner 1923 übernahm er die Red. der Wochenausg. des „Neuen Wiener Tagblatts“, mit einer Aufl. von mehr als 120.000 Exemplaren das auflagenstärkste Wochenbl. des Landes. Er veröff. zahlreiche Feuilletons und Artikel und verf. die Rubrik „Der Beobachter“, eine satir. Wochenchronik, in welcher er aktuelle Ereignisse aus allen Bereichen des öff., Wirtschafts- und sozialen Lebens, auch über die Grenzen Österr. hinaus, aufgriff und durch überzeichnete Kommentare sowohl zu unterhalten als auch zum Nachdenken anzuregen versuchte. 1932 wurde ihm außerdem die Red. der „Volks-Woche“, der Wochenausg. der „Volks-Zeitung“, übertragen, die auf demselben Konzept basierte, aber kleinformatig und noch preiswerter war als die Wochenausg. des „Neuen Wiener Tagblatts“. Diese beiden Wochenbll. leisteten aufgrund ihrer großen Verbreitung einen bedeutenden Beitr. zum wirtschaftl. Ergebnis des Steyrermühl-Ztg.konzerns. Kurz vor seinem Tod übernahm U. im Frühjahr 1935 auch noch die Leitung der Wochenztg. „Nach der Arbeit“, eines billigen illustrierten Fachbl. für Garten, Siedlung und Kleintierhaltung.

L.: NFP, Neues Wr. Journal, NWT, WZ, 14., Pester Lloyd, 15., Die Stimme, 17., NWT (Wochenausg.), 21. 9. 1935; Th. Herzl, Briefe und Tagebücher, ed. A. Bein, 6, 1993, s. Reg., 7, 1996, s. Reg.; Tagbl.Archiv, UA, WStLA, alle Wien.
(Th. Venus)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 118f.
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