Urbach, Erich (1893–1946), Dermatologe

Urbach Erich, Dermatologe. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 29. 7. 1893; gest. Philadelphia, PA (USA), 17. 12. 1946; mos. Sohn des Kaufmanns und Textilfabrikbesitzers Josef U. und der Johanna U., geb. Pollak, Vater des Dermatologen und Photobiologen Friedrich (Frederick) U. (1922–2004) und des Kardiologen Hans (John) U. (geb. 3. 8. 1924); ab 1921 mit der Röntgenologin Josepha U., geb. Kronstein (1895–1981), verheiratet. – Nach Besuch des dt. Staatsgymn. stud. U. ab 1912 Med. an der Univ. Wien und wurde nach seiner Kriegsdienstleistung im 1. Weltkrieg 1919 zum Dr. med. prom. 1919–20 vertiefte er seine Ausbildung zunächst als Sekundararzt an der internen Abt. im AKH sowie an der II. Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten bei →Ernest Finger, 1920–21 an der Hautklinik in Breslau bei Josef Jadassohn und danach bei →Salomon Ehrmann wieder am AKH in Wien. Ab 1923 als Ass. an der Hautabt. im Rothschildspital bei Hans Königstein tätig, wechselte er 1928 als Ass. an die Univ.klinik für Syphilidol. und Dermatol.; 1929 Habil. für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Daneben betrieb er eine Privatpraxis, in der er Patienten mit allerg. Krankheiten aus aller Welt behandelte. Ab 1936 fungierte U. als Primararzt der allergolog.-dermatolog. Abt. des Krankenhauses der Wr. Kaufmannschaft. 1938 wurde seine Venia legendi aus rass. Gründen widerrufen. U. emigrierte in die USA, wo er 1938–46 an der dermatolog. Abt. der Univ. von Pennsylvania in Philadelphia wirkte. Daneben war er 1938–46 Leiter der Allergie-Abt. des dortigen Jewish Hospital. Gem. mit seiner Frau betrieb er auch eine Privatpraxis. U. befasste sich v. a. mit der physiolog. und patholog. Chemie der Haut, mit Allergien und klin. Immunol., darunter Reaktionen auf Insektengifte, Gerüche und Lebensmittel, sowie der Klassifizierung von Überempfindlichkeiten und Möglichkeiten zur Desensibilisierung. Weiters arbeitete er auf den Gebieten der Endokrinol. und der Stoffwechseldermatosen. 1929 beschrieb er erstmalig gem. mit dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt Camillo Wiethe die Lipoidproteinose (U.-Wiethe-Syndrom). Von seinen Werken, die tw. auch auf Engl. erschienen und ins Span., Russ. sowie Japan. übers. wurden, sind „Hautkrankheiten und Ernährung mit Berücksichtigung der Dermatosen im Kindesalter“, 1932 (2. Aufl. 1933), „Klinik und Therapie der allergischen Krankheiten“, 1935, sowie „Das Heufieber und seine Behandlung“, 1937 (gem. mit Franz Berger), erwähnenswert. U. verf. Beitrr. für Jadassohns „Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten“ (1927ff.) sowie für das von Leopold Arzt und Karl Zieler hrsg. Werk „Lehrbuch und Atlas der Haut- und Geschlechtskrankheiten“ (1924, 2. Aufl. 1928). U. war Mitgl. der Ges. der Ärzte in Wien sowie der Wr. dermatolog. Ges., k. M. der ung., poln. (1937) und türk. dermatolog. Ges. sowie der Philadelphia Society of Allergy.

Weitere W.: Das Krankheitsbild der Geflügeltuberkulose der Haut beim Menschen und beim Tier, in: Archiv für Dermatol. und Syphilis 157, 1929; Allergy, 1943 (gem. m. Ph. Gottlieb, 2. Aufl. 1946).
L.: J. H. Stokes, in: Archives of Dermatology and Syphilidology 55, 1947, S. 545ff.; J. Bauer-Merinsky, Die Auswirkungen der Annexion Österr. durch das Dt. Reich auf die Med. Fak. der Univ. Wien … 1938, phil. Diss. Wien, 1980, S. 271f.; Geschichte der dt.sprachigen Dermatol., ed. A. Scholz u. a., 2009, s. Reg.; K. H. Tragl, Geschichte der Ges. der Ärzte in Wien seit 1838, 2011, s. Reg.; A. Al Aboud, in: Our Dermatology Online 4/1, 2013, S. 108f. (m. B.); W. H. C. Burgdorf – G. Plewig, in: Clinics in Dermatology 32, 2014, S. 161ff. (m. B.); AVA, UA, beide Wien.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 121f.
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