Urban, Anton (I.) (1827–1885), Fabrikant

Urban Anton (I.), Fabrikant. Geb. Wieden, NÖ (Wien), 6. 12. 1827; gest. Pörtschach am See (Pörtschach am Wörthersee, Ktn.; nicht in Wien), 5. 8. 1885; röm.-kath. Enkel eines Bau- und Maurermeisters aus Preuß.-Schlesien, der 1820 das Bürgerrecht in Wien erhielt, Sohn von Ignaz U. (gest. 27. 1. 1846) und Magdalena U., Tochter des Nagelschmieds Mathias Eberle, Vater von →Anton (II.) U. und →Ludwig U. d. Ä., Großvater von →Ludwig U. d. J. und →Anton (III.) U. (s. u. Anton (II.) U.); ab 1849 mit Maria U., geb. Hiller, verheiratet. – U. übernahm 1848 die Werkstätte seines Vaters und begann, unterstützt von fünf Arbeitern, mit der Erzeugung von Nieten sowie Schrauben und Muttern bes. Präzision. Die gewerbl. Produktion entwickelte sich rasch zu einer industriellen. Dies erforderte 1858 die Verlegung des Betriebs auf ein größeres Areal in Wien-Mariahilf, wo U. mit 25 Arbeitern, zehn Arbeitsmaschinen mit Handbetrieb und einer großen Dampfpresse produzierte. Für eine weitere Expansion ließ er 1872 in Wien-Margareten eine Fabrik erbauen, in der er die Produktion mit rund 200 Arbeitern, einer Dampfmaschine mit 40 PS und 100 Arbeitsmaschinen weiterführte. U. begann mit der fabriksmäßigen Erzeugung gestanzter Schraubenmuttern. Wegen des Bedarfs an größeren Fabriksräumen erwarb er um 1877 in Gradenberg bei Köflach ein Grundstück mit der Möglichkeit der Nutzung von Wasserkraft, errichtete eine Fabrik und verlegte einen Tl. der Produktion dorthin. 1878 wurden seine Söhne als öff. Ges. protokolliert. Für die neuerl. Erweiterung der Fa. A. Urban & Söhne, die zur österr. Großind. gehörte, kaufte man 1883 das stillgelegte Stahlwerk der österr. Alpine Montanges. in Floridsdorf bei Wien, gleich neben U.s Hauptabnehmer, der Floridsdorfer Lokomotivfabrik, gelegen, an und baute es zu einer Schraubenfabrik um. Es waren dort 450 Arbeiter beschäftigt und Maschinen mit Dampf- sowie Handbetrieb und Dampfhämmer aufgestellt.

L.: NFP, 8. 8. 1885 (Parte); Czeike; H. Smital, Geschichte der Großgmd. Floridsdorf, 1903, S. 370ff.; E. Blaschek, Mariahilf einst und jetzt, 1926, S. 189, 192; Das Wr. Heimatbuch: Mariahilf, 1963, S. 249, 280; R. Granichstaedten-Czerva u. a., Altösterr. Unternehmer, 1969, S. 125f.; M. Fasan – W. Haider-Berky, Geschichte von Neunkirchen 4, 1987; F. Mathis, Big Business in Österr. 1, 1987, S. 68f.; R. Reschny, Brevillier & U. – eine betriebsgeschichtl. Fallstud., wirtschaftswiss. DA Wien, 1996, S. 4f., 31f., 44, 66f.; G. A. Stadler, Das industrielle Erbe NÖ, 2006, S. 496ff.
(J. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 122
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