Urban, Ernst (1838–1923), Verleger und Buchhändler

Urban Ernst, Verleger und Buchhändler. Geb. Königswalde, Preußen (Lubniewice, PL), 4. 10. 1838; gest. Wien, 13. 5. 1923. Sohn eines hugenott. Tuchmachermeisters, Schwager von Eugen Schwarzenberg (geb. Bielitz, Schlesien / Bielsko-Biała, PL, 26. 11. 1838; gest. 30. 9. 1908), Vater der Zwillinge Dr. med. h. c. Eduard U. (geb. 18. 12. 1875; gest. 10. 4. 1953) und Dr. med. h. c. Karl U. (geb. 18. 12. 1875; gest. 22. 1. 1930); verheiratet mit Berta U., geb. Potyka. – Während des Gymn.besuchs in Schwiebus wohnte U. bei dem mit seinem Vater befreundeten Buchhändler Wagner. Er entwickelte i. d. F. starkes Interesse an diesem Beruf, absolv. eine Lehre in der Wagner’schen Buchhandlung und arbeitete als Gehilfe bei Köhne in Schwiebus sowie bei Gräfe und Unzer in Königsberg. Ab 1860 wirkte U. zunächst in der Buchhandlung von Karl Miniker in Brünn, später in Olmütz, Troppau und Mähr. Ostrau. 1865 übernahm er die Leitung der Sortimentsabt. bei Karl Prochaska in Teschen, ehe er nach Ende des Dt. Kriegs gem. mit Schwarzenberg nach Wien übersiedelte und dort Anfang Dezember 1866 die Reise- und Versandbuchhandlung Urban & Schwarzenberg gründete. Das zunächst als reine Sortimentsbuchhandlung geplante Unternehmen konzentrierte sich statt auf das Ladengeschäft auf den in Österr. noch unübl. Reise- und Versandvertrieb, beginnend mit dem Spezialvertrieb der dt. Z. „Der Hausfreund“ sowie der Damenztg. „Die Frauenwelt“, einer österr. Sonderausg. der „Victoria“. 1869 übernahmen U. und Schwarzenberg die Vertretung des Bibliograph. Inst. von Herrmann Julius Meyer und konnten ihr Unternehmen mit „Meyers Konversations-Lexikon“ und „Brehms Tierleben“ auf eine sichere Basis stellen. Der erste Schritt zum Verlag für Med. und Naturwiss. erfolgte mit der Übernahme der bis dahin im Selbstverlag erschienenen „Wiener Medizinischen Presse“ 1872, deren Hrsg. und Red. →Johann Schnitzler zugleich erster med.-wiss. Berater des Verlags wurde. Hinzu kam die zuvor bei →Wilhelm v. Braumüller erschienene „Medizinisch-chirurgische Rundschau“ (ab 1898 in NF unter dem Titel „Die Therapie der Gegenwart“). Als erstes med. Buch des Verlags erschien 1875 →Alois Montis „Über Croup im Kindesalter“, als erstes Lehrbuch 1877 →Eduard Alberts „Lehrbuch der Chirurgie und Operationslehre“. Das Verlagsprogramm wuchs i. d. F. stark an und umfasste Publ. der bedeutendsten Vertreter der Zweiten Wr. Med. Schule. Zu den Großwerken des Verlags zählten u. a. die „Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde“ (ed. Albert Eulenburg, 1880ff.), das „Biographische Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker“ (ed. August Hirsch, 1884ff.) oder die „Real-Encyclopädie der gesammten Pharmacie“ (ed. Ewald Geissler – Josef Moeller, 1886ff.). 1898 eröffnete U. eine Zweigniederlassung in Berlin, die bald eine dem Wr. Stammhaus gleichrangige Bedeutung erlangte (u. a. erschien dort ab 1903 „Die Deutsche Klinik am Eingang des 20. Jahrhunderts“ mit über 200 Mitarb. sowie ab 1904 die „Medizinische Klinik“). Mit dem Erwerb der Fachbuchhandlung Oscar Rothacker 1901 erhielt sie auch eine eigene Vertriebsorganisation. 1898 traten U.s Söhne Eduard U. und Karl U. als Prokuristen in die Fa. ein. Sie wurden nach dem Ausscheiden Schwarzenbergs im Juli 1905 Teilhaber. Während Karl die Leitung des Wr. Hauses übernahm, führte Eduard das Berliner Haus und hatte nach dem Tod seines Bruders die alleinige Leitung des Unternehmens über.

L.: NFP, 15. 5. 1923 (m. Parte); Urban & Schwarzenberg. Wien und Berlin 1866–1916, 1916 (m. B.); Dt. Buchhändler, ed. G. Menz, 1925, S. 225ff. (m. B.); Urban & Schwarzenberg. Wien und Berlin 1916–41, 1941 (m. B. von Eduard und Karl U.); 125 Jahre Verlag für Med. Urban & Schwarzenberg. Gesamtverzeichnis 1966–91, 1991; N. Bachleitner u. a., Geschichte des Buchhandels in Österr., 2000, s. Reg.
(E. Offenthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 124f.
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