Urban, Josef (1872–1933), Architekt, Designer und Bühnenbildner

Urban Josef, Architekt, Designer und Bühnenbildner. Geb. Hernals, NÖ (Wien), 26. 5. 1872; gest. New York City, NY (USA), 10. 7. 1933; röm.-kath. Sohn des Schuldir. und späteren Bez.schulinsp. Joseph U. (geb. 13. 2. 1847; gest. Wien, 13. 4. 1917; röm.-kath.) und von Helene U., geb. Weber (geb. Wien, 24. 6. 1851; gest. ebd., 28. 12. 1932), Vater u. a. der Malerin und Kostümzeichnerin Gretl U.-Thurlow (geb. Wien, 7. 1. 1898; gest. Toms River, NJ, USA, 6. 12. 1997); ab 1897 in 1. Ehe mit Maria (Mizzi) Lefler (geb. Brunn am Gebirge, NÖ, 4. 9. 1871), der Schwester von →Heinrich Lefler, verheiratet, ab 1919 in 2. Ehe mit Mary Porter Beegle. – U. sollte ursprüngl. Jus stud. Bereits vom Elternhaus künstler. geprägt, besuchte er allerdings nach Abschluss der Staatsgewerbeschule 1890–92 sowie 1893–94 die Wr. ABK bei →Carl Hasenauer, schloss das Stud. infolge eines Auftrags in Kairo (Umgestaltung und Erweiterung des Khedivenpalasts) aber erst 1894 ab. Nach einem Praktikum bei →Ludwig Baumann (1894–95) machte er sich 1895 selbstständig und wirkte weitgehend in Arbeitsgemeinschaft mit seinem Schwager Lefler. Gem. zeichneten sie in formaler Anlehnung an den Secessionismus für zahlreiche Ausst. (u. a. K.-Jubiläumsausst. 1898), Inneneinrichtungen (Wr. Rathauskeller, 1898), Bühnenbilder, Illustrationen und diverse kunsthandwerkl. Objekte (insbes. Kunstbücher) verantwortlich. Als Architekt trat U. hingegen nur fallweise auf, so entwarf er u. a. ein Kurhaus (1899, Baden bei Wien), die Villa Max Landau (1910, Semmering), das Hagenbundgebäude (1901, Wien 1), die Villa Wiener (1903, Wien 13) und die Villa Karl Redlich (1907, Wien 19). Anlässl. der Gestaltung der Tribüne des K.-Jubiläumsfestzugs von 1908 wurden U. finanzielle Unregelmäßigkeiten vorgeworfen, sodass er einem Ruf nach Boston folgte, um ab 1911 als Chefbühnenbildner an der dortigen Oper zu arbeiteten. 1917 erwarb er die US-Staatsbürgerschaft und war ab 1918 als Bühnenbildner an der Metropolitan Opera in New York City tätig. Daneben wirkte er als Designer, Revue- und Filmausstatter (u. a. für Ziegfeld’s Follies und William Randolph Hearst’s Cosmopolitan Pictures) und ab 1922 als Filialleiter der Wr. Werkstätte in New York City. Als Architekt von Landhäusern im maur.-span. Stil (u. a. Palace Mar-a-Lago, 1926, Palm Beach) war er gleichfalls erfolgreich. Zu seinen wichtigsten Bauten zählten das Ziegfeld Theatre (1927, New York City) und die New School for Social Research (1930, New York City, im International Style). U., der aufgrund seiner allzu pragmat. Offenheit für zeitgenöss. Moden oftmals auch seitens der Fachkritik angegriffen wurde, war ungeachtet dessen einer der erfolgreichsten Vertreter der frühen Wr. Moderne. Er war u. a. 1896–1900 Mitgl. der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus), ab 1897 des Siebener Clubs, ab 1898 des Aquarellisten-Clubs, 1900–09 des Hagenbunds (Gründer, 1906–08 Präs.) und erhielt zahlreiche Ausz.: Kaiser-Preis (1897), Verdienstkreuz mit der Krone (1899), Große goldene Staatsmedaille (1900), Ritter des Franz Joseph-Ordens (1901), Goldmedaille bei der Weltausst. in St. Louis (1905), Kgl. Bayer. Verdienstorden (1906), President’s Medal (1933). Sein Nachlass befindet sich in der Columbia Univ., New York City, USA.

Weitere W. (s. auch Kristan; Architektenlex.): Umbau Cosmopolitan Theatre, 1923, Hearst Building, 1927 (beide New York City); Congress Hotel, 1932 (Chicago); zahlreiche Inneneinrichtungen für Wohnungen, Ausst., Club-Gebäude. – Publ.: Der Kaiserfestplatz, in: Die Zeit, 11., NWT, 12. 6. 1908; World’s Greatest Magazine Center, in: New York American, 15. 4. 1928.
L.: Czeike; Thieme–Becker; New York Herald Tribune, 11., Die Stunde, 12. 7. 1933; The Art News 31, 1933, Nr. 38, S. 6f.; The Studio 107, 1934, S. 34ff.; Macmillan Enc. of Architects 4, 1982; W. J. Schweiger, Meisterwerke der Wr. Werkstätte, 1990, S. 126; R. Carter – R. Reed Cole, J. U., 1992; Visionäre und Vertriebene, ed. M. Boeckl, Wien 1995, S. 51ff. (Kat., m. B.); The Dictionary of Art 31, 1996; M. Kristan, J. U. Die Wr. Jahre …, 2000 (m. W.); H. Weihsmann, In Wien erbaut, 2005 (m. B.); Ch. Innes, Designing Modern America, 2005; J. Loring, J. U., 2010; Wr. Wohnkultur. J. Hoffmann, A. Loos, K. Moser, D. Peche, O. Prutscher, J. U., Wien 2015, S. 14ff. (Kat., m. B.); Architektenlex. Wien 1770–1945 (m. Karikatur u. tw. W., nur online, Zugriff 13. 8. 2015); ABK, Wien.
(U. Prokop)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 127f.
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