Urban, Ludwig d. Ä. (1854–1923), Großindustrieller und Gutsbesitzer

Urban Ludwig d. Ä., Großindustrieller und Gutsbesitzer. Geb. Wien, 4. 8. 1854; gest. ebd., 22. 11. 1923; röm.-kath. Sohn von →Anton (I.) U., Bruder von →Anton (II.) U., Vater von →Ludwig U. d. J. und des Präs. des Industriellenverbands Bruno U. (geb. 22. 12. 1897; gest. Wien, 1. 8. 1959), der 1922 in die Firmenleitung einstieg und 1946 seinem Halbbruder Ludwig U. d. J. als Vorstandsvors. der AG nachfolgte; verheiratet mit Emma U., geb. Dietz. – U. fusionierte 1899 gem. mit seinem Bruder Anton (II.) U. das Familienunternehmen mit der Fa. Brevillier & Cie. zur Schrauben- und Schmiedewarenfabriks-AG Brevillier & Cie. und A. Urban & Söhne. 1906 wurde U. Präs. des Verw.R. Weiters war er leitender Verw.R. der Ersten ung. Schraubenfabrik-AG, Budapest und Verw.R. der Nö. Escompte-Ges. 1912 erwarb die Ges. die Neunkirchner Schrauben- und Mutternfabrik der Ternitzer Stahlwerke mit 340 Arbeitern, das Eisenwerk Ustroń der Österr. Berg- und Hüttenwerke und das Werk Sporysz bei Żywiec der Galiz. Schraubenfabrik A.-G. in Liquidation. Der Arbeiterstand belief sich auf ca. 3.000. Im 1. Weltkrieg wurde vorübergehend auf Rüstungsproduktion umgestellt und die Industriellenfamilie U. errichtete u. a. eine Munitions- und eine Zünderabteilung. 1917 fusionierte die Philipp Coburgʼsche Berg- und Hüttenwerke AG in Tyrnau mit der Budapester Fabrik der Ersten ung. Schraubenfabrik-AG. U. wurde Dion.mitgl. der Herzogl. Philipp Coburgʼschen Berg- und Hüttenwerke AG, Budapest. In Tyrnau wurde eine modern eingerichtete Drahtstiftefabrik in Betrieb genommen. Das Unternehmen hatte nach dem Krieg neben der Zentrale in Wien Werke in Floridsdorf, Neunkirchen, Ustroń und Budapest. 1924, bereits nach U.s Tod, gingen die Fabriksanlagen der Zeus Bleistiftfabrik AG in Graz an die Schrauben- und Schmiedewarenfabriks-AG Brevillier & Cie. und A. Urban & Söhne über. K. Rat U. besaß ein Haus in Wien-Landstraße, ein Gut in Paal bei Stadl an der Mur und unbebaute Gründe in Jedlesee. 1913 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens.

L.: NFP, 24. 11. 1923 (Parten); Compass. Finanzielles Jb. für Österr.-Ungarn 50, 3, 1916, S. 487, 52, 2, 1919, S. 195, 528; Die Ind. Offizielles Organ des Zentralverbandes der Industriellen Österr. 28, 1923, Nr. 48, S. 7; M. Klang, Die geistige Elite Österr., 1936; R. Granichstaedten-Czerva u. a., Altösterr. Unternehmer, 1969, S. 126; M. Fasan – W. Haider-Berky, Geschichte von Neunkirchen 4, 1987; F. Mathis, Big Business in Österr. 2, 1990, S. 80, 99, 115; WStLA, Wien.
(J. Mentschl – I. Nawrocka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 129
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