Urbanek, Julius (1881–1949), Technologe

Urbanek Julius, Technologe. Geb. Wien, 6. 2. 1881; gest. ebd., 16. 4. 1949; röm.-kath., später gottgläubig. Sohn eines Staatsbeamten (vor 1898 verstorben), U.s Vormund war Eduard Gross, Staatsbahnbeamter in Linz; ab 1910 mit Kamilla U., geb. Fleischer (geb. Oberleutensdorf, Böhmen / Horní Litvínov, CZ, 26. 10. 1889; gest. Wien, 1978; röm.-kath., ab 1910 evang., später gottgläubig), einer Tochter des Zuckerbäckermeisters Ludwig Fleischer aus Kladno und der Mathilde Rehwald, verheiratet. – Nach Absolv. der Realschule stud. U. 1898–1903 an der TH in Wien Maschinenbau und legte im Jänner 1903 die II. Staatsprüfung ab. Anschließend war er 1903–05 Ass. bei den Prof. →Richard Engländer, →Leopold v. Hauffe und →Karl Kobes und prom. 1905 zum Dr. techn. 1905 wechselte er in die Praxis zur Poldihütte in Kladno, wo er zunächst als Dion.ass., ab 1906 als Betriebsing. und ab 1909 als Vorstand der mechan.-technolog. Abt. und als Betriebsleiter der Federnfabrik, des Kaltwalzwerks und der Zieherei tätig war. 1910 erfolgte die Berufung als ao. Prof. für Mechan. Technol. an die TH in Wien. 1914–18 leistete er Kriegsdienst als Landsturming. im Wr. Arsenal und kehrte 1918 an die TH in Wien zurück, wo er zum oö. Prof. für Mechan. Technol. II, Werkzeugmaschinenbau und Fabrikswesen ernannt wurde. 1924/25–25/26 diente er als Dekan der Maschinenbauschule, 1931/32 als Rektor der TH in Wien. 1938 war er Mitgl. des „NS-Beirats“, den der damalige kommissar. Rektor Rudolf Saliger einberufen hatte, 1942–45 hatte er auch das Amt des Prorektors an der TH in Wien inne. 1945 wurde er enthoben und 1946 in den dauernden Ruhestand versetzt. U. widmete sich v. a. der Lehre. Seit seiner Berufung an die TH in Wien bemühte er sich um die Verbesserung der prakt. Ausbildung der Studierenden und begann ab 1913 mit der Einrichtung einer Lehrwerkstätte, die er ab 1919 auf dem neu erworbenen Areal am Getreidemarkt in eigenen Räumlichkeiten realisieren konnte (Eröffnung 1925) und die ab 1940 als Rüstungsbetrieb zur Herstellung von Lehren arbeitete. Er engagierte sich zudem in sozialer Hinsicht für die Studierenden und förderte nach dem 1. Weltkrieg die Einrichtung einer „mensa technica“ an der TH in Wien. Seine wiss. Tätigkeit fand kaum Niederschlag in Publ., er hielt jedoch zahlreiche Patente auf dem Gebiet des Werkzeugmaschinenbaus, v. a. für Maschinenhämmer und Stehbolzen (Fallhammer Schneider-Urbanek). Auch an den um 1919 einsetzenden Bemühungen zur Etablierung der „Psychotechnik“ war U. als Vertreter der TH in Wien beteiligt. Eine 1926 durchgeführte Stud.reise in die USA brachte ihn mit fabrikationstechn. Neuerungen in Kontakt, insbes. mit neuen Methoden der Arbeitsorganisation. I. d. F. setzte er sich auch für die Verankerung der Arbeitswiss. als Lehrgegenstand an techn. Hochschulen ein. U. war 1913–38 Rat bzw. fachtechn. Mitgl. des Österr. Patentgerichtshofs, ab 1920 Präses der Unfallverhütungskomm. und Vizepräs. des Österr. Ing.- und Architekten-Ver.

W.: Untersuchungen über die Eingriffsfläche der Zahntriebe, Diss. Wien, 1904.
L.: Inauguration TH Wien 1949/50, 1951, S. 82ff.; A. Lechner, Geschichte der TH in Wien 1815–1940, 1942, S. 140ff.; 150 Jahre TH Wien 2, ed. H. Sequenz, 1965, S. 371ff.; TU, Wien.
(J. Mikoletzky)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 131f.
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