Urbánski von Ostrymiecz, August (1866–1950), General

Urbánski von Ostrymiecz August, General. Geb. Ragusa, Dalmatien (Dubrovnik, HR), 26. 8. 1866; gest. Marhof (Thal, Stmk.), 15. 3. 1950. Sohn des Off. Johann Urbánski und von Victoria Urbánski, geb. Vlaichi; ab 1896 in 1. Ehe mit Margit Mohay (gest. 1906), ab 1908 mit Louise v. Hebra, der Enkelin des Dermatologen →Ferdinand v. Hebra, verheiratet. – U. wurde nach Besuch der Techn. Militärakad. in Wien 1885 als Lt. zur schweren Batteriediv. Nr. 25 ausgemustert. 1890–92 absolv. er die Gen.stabsausbildung an der Kriegsschule in Wien, wo →Franz Gf. Conrad v. Hötzendorf zu seinen Lehrern zählte, und wurde 1892 dem Gen.stab zugeteilt. 1895 Hptm. im Gen.stabskorps, fungierte er als Lehrer bei Gen.stabskursen sowie in der 5. Abt. des Kriegsmin. und vertiefte seine Ausbildung an der Militäraeronaut. Anstalt; 1903 Mjr., fungierte er als Gen.stabschef der 46. Landwehrinf.truppendiv. in Krakau. 1907 Obstlt. im Gen.stab, fand er während der Bosnien-Krise 1908 als Adjoint militaire dʼAutriche-Hongrie Verwendung in diplomat. Mission bei der mazedon. Reform-Gendarmerie in Skopje. 1909 wurde U. in das Evidenzbüro des Gen.stabs versetzt und noch im selben Jahr zu dessen Chef ernannt (1910 Obst. im Gen.stab). Das Büro war für die Ausforschung der Militärmacht der Nachbarstaaten und für die Spionageabwehr zuständig. Unter seiner Ägide erfolgte der Ausbau des Radioabhorchdiensts und die Ausgestaltung des Dechiffrierdiensts, beides Bereiche, die während des 1. Weltkriegs sowohl an der russ. als auch an der Isonzofront von größter Bedeutung waren. In seine Amtszeit fällt ebenso die Aufdeckung der Verratsaffäre um →Alfred Redl. Erzhg. →Franz Ferdinand verlangte daraufhin die Ablösung U.s, konnte sich aber letztl. gegen den Chef des Gen.stabs Conrad v. Hötzendorf nicht durchsetzen. U. wurde zwar für ein Jahr seines Amts enthoben, 1914 jedoch zum GM und Kmdt. der 91. Landwehrinf.brig. ernannt und bewährte sich im Stellungskrieg an der russ. Front. Ab 1916 war er Kmdt. der 46. Landwehrinf.div. an der Isonzofront; 1917 FML. Zu Beginn der Piaveschlacht im Juni 1918 verzeichnete das XXIII. Korps der 6. österr.-ung. Armee zwar den größten Erfolg der Heeresgruppe FM Boroević, da es als einziges Korps dieser Heeresgruppe den Piave überschritt und sein Operationsziel erreichte, der Korpskmdt. FML Maximilian Csicserics v. Bacsány verlangte jedoch ein Kriegsgericht für U., da dieser den Befehl nicht befolgt und den Vormarsch um etwa 24 Stunden verzögert hatte. U. wurde seines Kmdo. enthoben, jedoch nicht vor Gericht gestellt; 1919 trat er i. d. R. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs war er als Militärschriftsteller und Journalist, u. a. für die Ztg. „Pester Lloyd“, „Grazer Volksblatt“ und „Berliner Zeitung“, tätig. Weiters verf. er sechs Aufsätze für das von Paul v. Lettow-Vorbeck 1931 hrsg. Sammelwerk „Die Weltkriegsspionage“. U. wurde 1909 Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Kl. und 1913 Ritter des Leopold-Ordens. 1908 wurde er mit dem Prädikat „von Ostrymiecz“ in den Adelsstand erhoben.

W. (s. auch Broucek – Peball): C. v. Hötzendorf, 1938, 2. Aufl. 1939; Die Geschichte der k. k. 46. Schützendiv., 1942. – Nachlass: KA, Wien.
L.: G. Markus, Der Fall Redl, 1984, s. Reg. (m. B.); P. Broucek – K. Peball, Geschichte der österr. Militärhistoriographie, 2000, s. Reg. (m. W.); A. Pethö, in: Geheimdienste in der Weltgeschichte. Spionage und verdeckte Aktionen von der Antike bis zur Gegenwart, ed. W. Krieger, 2003, S. 138ff.; KA, Wien.
(P. Broucek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 134
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