Urbantschitsch, Ernst von (1877–1948), Oto-Rhino-Laryngologe

Urbantschitsch Ernst von, Oto-Rhino-Laryngologe. Geb. Wien, 30. 6. 1877; gest. ebd., 1. 7. 1948; röm.-kath. Enkel des Primarius Alois Urbantschitsch (geb. Höflein, Krain / Preddvor, SLO, 14. 9. 1816; gest. Wien, 12. 4. 1891), Sohn von →Viktor v. U. und Caroline v. U., geb. Fröschl, Bruder des →Richard v. U. (s. u. Viktor v. U.), der Schriftstellerin Wilhelmine (Minna) Despić, geb. v. U. (geb. Wien, 28. 10. 1873) und des Mediziners und Psychotherapeuten Rudolf v. U., der sich auch v. Urban nannte (geb. Wien, 28. 4. 1879; gest. Carmel, CA, USA, 18. 12. 1964), Vater des Komponisten und Musikdir. Dr. Viktor v. U., später Urbancic (geb. Wien, 9. 8. 1903; gest. Reykjavík, IS, 4. 4. 1958), und des Rechtsanwalts Dr. Erich v. U. (geb. Wien, 27. 11. 1907), Großonkel des Schauspielers und Oscar-Preisträgers Christoph Waltz (geb. Wien, 4. 10. 1956); ab 1902 verheiratet mit Hildegard v. U., geb. Kny, Tochter des Reg.Rats und Gymn.dir. in Hollabrunn Johann Kny. – Nach Besuch des Staatsgymn. in Wien-Landstraße stud. U. 1896–1901 Med. an der Univ. Wien; 1902 Dr. med. U. vertiefte 1902–03 seine Kenntnisse als Aspirant bei seinem Vater an der Ohrenabt. der Allg. Poliklinik in Wien, 1903–07 wirkte er dort als Ass. Ab 1903 arbeitete er daneben als Ohrenarzt an der nö. Landes-Taubstummenanstalt in Wien-Döbling. 1907 wechselte er als Ass. an die Univ.ohrenklinik, 1913 übernahm er als Primararzt die Leitung des Ohrenambulatoriums und der Ohrenstation am K.-Franz-Joseph-Spital, die er bis 1944 innehatte, unterbrochen nur durch seine Kriegsdienstleistung im 1. Weltkrieg an der Ohren-, Nasen- und Halsabt. in den Garnisonsspitälern Nr. 1 und Nr. 2 in Wien. 1914 habil. sich U. als Priv.Doz. für Ohrenheilkde.; 1943 ao. Prof. 1944–45 wirkte er am Krankenhaus Wieden und ab August 1945 an der Krankenanstalt Rudolfstiftung. Daneben fungierte er als Obmann der Fachärzte in den Wr. öff. Fondskrankenanstalten. U. befasste sich insbes. mit Schwerhörigkeit und Taubheit bzw. deren Behandlungsmöglichkeiten ebenso wie mit dem Einfluss von Tubenerkrankungen auf Affektionen des Mittelohrs. Erwähnenswert ist seine gem. mit →Gustav Alexander verf. Arbeit „Die Kriegsverletzung und die Kriegskrankheiten des Gehörorgans“ (1920). Bedeutend ist seine Beschreibung der Veränderungen des Gehörorgans bei akuten Infektionen im Kindesalter. U. war ab 1909 Hrsg. der „Monatsschrift für Ohrenheilkunde und Laryngo-Rhinologie“. 1918 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens. 1923 Reg.Rat, war er ab 1926 k. M. der oto-rhino-laryngolog. Ges. in Rumänien, ab 1928 Präs. der Österr. otolog. Ges. sowie ab 1937, dem Jahr seiner Ernennung zum HR, auch k. M. der Oto-Rhino- und Laryngolog. Sektion der Budapester kgl. Ges. der Ärzte.

Weitere W. (s. auch Kürschner, Gel.Kal., 1931): Über eine eigenartige Trommelfellcyste mit kolloidähnl. Inhalt, in: Archiv für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfheilkde. 96, 1914; Zur Kenntnis der hereditär-degenerativen Taubstummheit, ebd. 120, 1929 (gem. m. H. Brunner); Zur Frage der Mucosus-Otitis, ebd. 138, 1934.
L.: WZ, 25. 6. 1916; Emődi; Fischer; Inauguration Univ. Wien 1947/48, 1948, S. 42f.; Jb. der Wr. Ges.; Kürschner, Gel.Kal., 1931 (m. W.), 1940/41; K. H. Tragl, Chronik der Wr. Krankenanstalten, 2007, S. 382f.; UA, Wien.
(K. Arnegger)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 134f.
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