Ursíny, Michal (Michael) (1865–1933), Bautechniker

Ursíny Michal (Michael), Bautechniker. Geb. Nedozor, Ungarn (Rakša, SK), 17. 7. 1865; gest. Brno, Tschechoslowakei (CZ), 19. 9. 1933. Sohn des Gerbers Ján U. und seiner Frau Katarína U., geb. Miškóciová, Onkel des slowak. Politikers Ján U. – Nach der Matura an der Realschule in Kremnitz stud. U. 1885–91 mithilfe eines k. Stipendiums Bauing.wesen an der tschech. TH in Prag (II. Staatsprüfung 1892) und war 1891–93 Ass. von →Josef Šolín. 1893–95 arbeitete er als Konstrukteur in der Prager Maschinenbau AG, vorm. Ruston & Co. Anschließend wechselte er nach Agram, wo er städt. Ing., dann Obering. wurde und gleichzeitig als externer Lehrer an der Građevna stručna škola zu unterrichten begann. Er ließ dort nach eigenen Plänen das städt. Wasserleitungsnetz errichten sowie das städt. Gaswerk, ein Kraftwerk und eine elektr. betriebene Bahn erbauen. Ebenso projektierte U. Gas- und Kraftwerke in Karlstadt und Töplitz bei Warasdin. 1900 verließ er Kroatien und ging nach Brünn, wo er an der TH zunächst ao. und 1902 o. Prof. der Baumechanik wurde und ein mechan.-techn. Labor errichten ließ. 1902–03 sowie 1924–25 war er Rektor der TH und fungierte zwischen 1900 und 1928 wiederholt als Dekan verschiedener techn. Abt. U. war ein bedeutender Fachmann auf dem Gebiet des Bauwesens. Er beschäftigte sich mit stat. Berechnungen, etwa für den Architekten V. Benesch in Bezug auf Zuckerfabriken in Kojetein, Austerlitz und Mrakotin sowie das öff. Bad auf der Prager Sophieninsel. Zudem projektierte er Eisenbahnbrücken auf den Strecken Plan–Tachau und Wels–Passau. In seinen Vorlesungen legte U. den Schwerpunkt auf Baumechanik, Statik, Baustoffprüfung, Festigkeits- und Elastizitätslehre. Er machte sich um die Gründung und Errichtung der TH in Agram 1910 verdient und beteiligte sich intensiv an der Ausarbeitung ihrer Lehrpläne. Gleichermaßen erstellte er die Lehrpläne für die TH in Brünn und später für jene in Kaschau, deren Gründung 1920 auf seine Initiative zurückgeht. Minister →Vavro Šrobár ersuchte ihn um die Ausarbeitung eines Gesetzesentwurfs über die Hochschulen techn. Richtung in der Slowakei. U. publ. eine Reihe von Monographien, Stud. und Aufsätzen und schrieb für die Z. „Technický obzor“, „Zprávy Spolku architektů a inženýrů v Čechách“, „Viesti Družtva inžinira i arhitekta u Hrvatskoj i Slavoniji“ und „Živa“, aber auch für das „Agramer Tagblatt“, die „Agramer Zeitung“, die „Národní noviny“ etc. Unter dem Ps. Miroslav Medvecký übers. er zudem einige Prosawerke Svetozár Hurban Vajanskýs ins Tschech. U. war ein begeisterter Förderer der tschechoslowak. Zusammenarbeit und stand häufig mit →Thomas (Garrigue) Masaryk in Kontakt. Er war Mitgl. der Ver. Detvan und Kriváň sowie Vors. der Česká beseda in Zagreb. 1899 erhielt er in Budapest eine Ausz. für seine Arbeit über Acetylen „Novosti a rasvijeti“ (1897).

Weitere W. (s. auch Rizner): Die techn. Hochschule in Agram, 1898; Za českou universitu v Brně, 1905; Slovenské vysoké školy technického smeru, in: Almanach slovenského akademického spolku „Kriváň“ v Brně, 1922.
L.: Enc. Slovenska; Otto, Erg.Bd.; Rizner; Album representantů všech oborů veřejného života československého, red. F. Sekanina, 1927 (m. B.); O. Franěk, Dějiny České vysoké školy technické v Brně 1, 1969, S. 246ff.; Slovenský biografický slovník 6, 1994 (m. B.); L. Votruba, Stručný historický vývoj stavební fakulty ČVUT 1907–95, 1996, S. 7; J. Hořejší – M. Pirner, Osobnosti stavební mechaniky v českých zemích, 1997, S. 220f.; J. Tomeš u. a., Český biografický slovník XX. století 3, 1999; R. Krejčí, in: Události na VUT v Brně, 2002, H. 11, S. 19 (m. B.).
(V. Šmerha)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 139
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