Uzel, Jindřich (Heinrich) (1868–1946), Phytopathologe und Entomologe

Uzel Jindřich (Heinrich), Phytopathologe und Entomologe. Geb. Komotau, Böhmen (Chomutov, CZ), 10. 3. 1868; gest. Praha, ČSSR (CZ), 19. 5. 1946. Sohn des Gymn.prof., Botanikers und Entomologen Vincenc U. (geb. Mirošov bei Rokycany, 22. 1. 1839; gest. Königgrätz, Böhmen / Hradec Králové, CZ, 24. 1. 1900). – Nach der Matura am Gymn. in Königgrätz 1887 stud. U. Naturwiss., insbes. Zool. und Physik, an der phil. Fak. der tschech. Univ. Prag; 1896 Dr. phil. Während seines Stud. verbrachte er zwei Semester in Berlin (1890/91, 1896/ 97), wo er von den Zoologen Eugen Korschelt und Franz Eilhard v. Schulze sowie dem Ökologen Karl August Möbius beeinflusst wurde. Nach der Prom. vertiefte U. seine Kenntnisse u. a. in Indien. 1902 wurde er Dion.ass. am Royal Botanic Garden in Peradeniya auf Ceylon. 1903 übernahm er die Leitung einer Forschungsabt. für Zucker an der tschech. TH in Prag; im selben Jahr Leiter einer ebenfalls dort angesiedelten wirtschaftsphysiolog. Forschungsabt.; 1905 Priv.Doz., 1909 ao. Prof. für Phytopathol., 1918 ao. Prof. für allg. Zool. und landwirtschaftl. Entomol. an der neu gegr. Hochschule für Agrar- und Forsting.wesen (Vysoká škola zemědělského a lesnického inženýrství / VŠZLI) an der tschech. TH. 1929 errichtete U. in seiner Villa in Újezd nad Lesy eine private biolog. Forschungsstelle, in der er zusammen mit seinen Mitarb. zoolog., entomolog. und phytopatholog. Unterrichtsmaterial sammelte. An der VŠZLI gelang ihm die Durchsetzung der angewandten Landwirtschaftsentomol. als neues Unterrichtsfach. In weiterer Folge wurde ein selbstständiges Inst. errichtet, in dem U. bis zu seiner Pensionierung 1938 tätig war. U., der sich rasch einen internationalen Ruf erwerben konnte, spezialisierte sich zunächst auf die Insektenordnung der Thysanura und beschrieb ihr Vorkommen in Böhmen. Seine weltweit bahnbrechende zweisprachige „Monographie der Ordnung‚ Thysanoptera’“ / „Monografie řadu, Thysanoptera’“ (1895) wurde mit dem Jubiläumspreis der Böhm. K. Franz-Joseph-Akad. der Wiss., Literatur und Kunst ausgez. In einer weiteren anerkannten Arbeit beschreibt er die Entwicklung von flügellosen Insekten. U. zählte zu den führenden Spezialisten für Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung: Er propagierte den Einsatz von Karbolineum, schlug Maßnahmen zur Bekämpfung der Blutlaus v. a. auf Apfelbäumen vor und widmete sich in breitem Maße der prakt. Beratungstätigkeit. Seine Erkenntnisse und Empfehlungen wurden 1903–09 in den Jahresberr. der Abt. Kulturpflanzenkrankheiten in der Wirtschaftsphysiolog. Forschungsstelle und 1903–09 in den Jahresberr. über die Arbeit der phytopatholog. Abt. der Zuckerforschungsstelle dokumentiert. Darüber hinaus wirkte U. als Experte für das tschechoslowak. Min. für Landwirtschaft und den Staatsrat für Landwirtschaft. Er verf. rund 400 Beitrr. sowie populäre Abhh. für diverse Z. (u. a. „Listy cukrovarnické“, „Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen“, ab 1919 „Zeitschrift für Zuckerindustrie der Čechoslovakischen Republik“, 1940–44 „Zeitschrift für die Zuckerindustrie in Böhmen und Mähren“, „Kodym“, „Československý zemědělec“ sowie „Časopis československé eubiotické společnosti“). 1926–36 schrieb er Lemmata für Vladimír Teysslers und Václav Kotyškas „Technický slovník naučný“. Zwei Käfergattungen Pselaphus sind nach ihm benannt. Von bes. Bedeutung für U.s Weltanschauung waren seine Aufenthalte in Indien und Ceylon 1901–02 und 1909–10, aufgrund deren er sich dem Universalismus und Unitarismus zuwandte. Erwähnenswert sind seine Publ. „Příroda evangeliem“, 1926 (dt.: „Die Natur ein Evangelium“, 1936) sowie phil. und religiöse Beitrr. in der Z. „Ruch filosofický“. U. war ab 1904 Mitgl. der Tschech. (später Tschechoslowak.) entomolog. Ges., ab 1905 ao. Mitgl. der Kgl. böhm. Ges. der Wiss. Seine entomolog. Smlg. aus Ceylon wurde 1902 dem Naturhist. Hofmus. in Wien übergeben, weitere Smlgg. befinden sich im Národní muz. in Prag.

Weitere W. (s. auch Čermák, 1947): Šupinušky země české. Thysanura Bohemiae, 1890; Stud. über die Entwicklung der Apterygoten Insecten, 1898; Choroby a škůdcové řepy cukrové, 1924; Die Weltanschauung eines Naturforschers in fünfzig Thesen …, 1934.
L.: Otto; Kulturní adresář ČSR 2, ed. A. Dolenský, 1936; J. Šámal, in: Věda přírodní 19, 1938, S. 63f.; ders., in: Časopis československé společnosti entomologické 35, 1938, S. 4f.; K. Čermák, in: Ochrana rostlin 19–20, 1946–47, S. 153ff.; ders., in: Věstník československé zoologické společnosti 11, 1947, S. 13ff. (m. W.); W. Derksen – U. Scheiding-Göllner, Index litteraturae entomologicae. Ser. II, 4, 1963; L. Heyrovský, in: Živa 16, 1968, S. 105; L. Skala, Naši předchůdci. Biografický slovník českého zemědělství a venkova M–Ž, 1993; J. Janko, in: Akademický bulletin 7, 1998, S. 9; J. Tomeš u. a., Český biografický slovník XX. století 3, 1999; České vysoké učení technické v Praze, Praha, CZ.
(M. Makariusová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 139f.
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