Václavíček (Waclawiczek), Václav Vilém Ritter von (1788–1862), Dompropst und Fachschriftsteller

Václavíček (Waclawiczek) Václav Vilém Ritter von, Dompropst und Fachschriftsteller. Geb. Chaustnik, Böhmen (Choustník, CZ), 19. 12. 1788; gest. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 19. 9. 1862; röm.-kath. Nach dem Besuch des Iglauer Gymn. trat V. in das theol. Seminar in Prag ein; 1809 Priesterweihe. I. d. F. war er als Kaplan und später als Pfarrer in Plana an der Lužnitz tätig, ehe er 1815 Dechant zu Načeradec und 1818 Sekr. des Bystritzer Vikariats wurde. Nach seiner Ernennung zum Kanonikus des Prager Metropolitankapitels 1829 wirkte er als tschech. Prediger am Veitsdom. 1831 wurde er zum Dekan der theol. Fak. und 1838 zum Rektor der Prager Univ. ernannt. Ab 1832 Gubernialrat, fungierte er als geistl. Referent beim kgl. böhm. Gubernium in Prag und 1837–48 als Dekan des Metropolitankapitels. 1847 erfolgte seine Ernennung zum Erzbischof von Lemberg, doch trat er bald nach der Bischofsweihe im Mai 1848 zurück. V. begründete dies mit dem Widerstand der in der Erzdiözese lebenden poln. Bevölkerung. Ab November 1848 Propst des Prager Domkapitels, galt der glänzende Kanzelredner als mögl. Nachfolger des im März 1849 verstorbenen Prager Erzbischofs →Aloys Frh. Schrenck v. (auf) Notzing u. Egmating, konnte sich aber letztl. gegen den Hauptgestalter der Prager Kirchenpolitik in der Revolutionszeit, →Friedrich Fürst zu Schwarzenberg, nicht durchsetzen. Als tschech. Patriot unterstützte V., der auch erzbischöfl. Konsistorialrat war, die Idee, den Prager Dom auszubauen. Er stiftete weiters zwei Stipendien für das Priesterseminar und gründete 1861 den Ver. Dědictví sv. Prokopa zur Hrsg. von geistl. Literatur für Priester. V. war zudem eine der prägenden Figuren des „Časopis katolického duchovenstva“ (1831–32 Hauptred.) und auch fachschriftsteller. tätig, v. a. auf dem Gebiet der Bibelwiss. und Homiletik. Für seine Verdienste bekam Geh. Rat. V., der 1861–62 auch als Abg. im böhm. LT saß, 1846 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens verliehen. Im Folgejahr wurde er in den Ritterstand erhoben.

W.: Biblická Kázánj na wssecko neděle, slawnosti i swátky celého roku ..., 1823; Sedmero postních kázaní o sedmeru smrtedlných hříších, 1832.
L.: Wurzbach; Časopis katolického duchovenstva 3, 1862, S. 474; E. Čáňová, Slovník představitelů katolické církevní správy v Čechách v letech 1848–1918, 1995.
(J. Šebek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 146
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