Valenta, Eduard (1857–1937), Photochemiker

Valenta Eduard, Photochemiker. Geb. Wien, 5. 8. 1857; gest. ebd., 19. 8. 1937; röm.-kath. Sohn des Min.sekr. Dr. Eduard V. und von Karoline V., geb. Mößlang, Bruder von Anna V., verehel. Eder, Schwager von →Josef Maria Eder; ab 1894 verheiratet mit Alice Richter (1864–1936). – Nach Absolv. der Oberrealschule (1876) stud. V. bis 1880 Chemie an der TH in Wien und wirkte nach Ableistung des Militärdiensts als Einjährig-Freiwilliger 1881–84 als Ass. an der Lehrkanzel für chem. Technol. bei →Josef Pohl. 1884–92 arbeitete er vorerst als Chemiker, dann als Dir. in der Fabrik für chem. Produkte von Felix Fischer in Unterlaa bei Wien. Daneben besuchte er 1890/91 die Graph. Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und wurde 1892 von Eder als Fachlehrer für Photochemie an diese Anstalt berufen; 1894 w. Lehrer, 1909 Sektionsvorstand, 1923 erfolgte seine Ernennung zum Dir. der Graph. Lehr- und Versuchsanstalt, 1924 i. R. Nach seiner Pensionierung supplierte er 1925–30 die Lehrkanzel für Photochemie an der TH Wien. V. veröff. 1880 gem. mit Eder seinen ersten Beitr. auf dem Gebiet der Photographie, „Zur Kenntnis der Eisenoxalate und einige ihrer Doppelsalze“ (in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 82), 1884 sein erstes selbstständiges Werk, „Die Klebe- und Verdickungsmittel“. I. d. F. beschäftigte er sich mit Farbenphotographie sowie mit Spektralanalyse, Abhh. darüber veröff. er u. a. in den „Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien“. Die ab ca. 1890 gem. mit Eder angestellten Untersuchungen zu Spektren mündeten mit dem „Atlas typischer Spektren“ (1911) in der Veröff. eines Standardwerks (3. Aufl. 1928). Weiters unternahm er 1896 – kurz nach Entdeckung der Röntgenstrahlen – gem. mit Eder erste Versuche mit der Röntgenphotographie, was zur Herausgabe des Tafelwerks „Versuche über Photographie mittelst der Röntgen’schen Strahlen“, dessen Aufnahmen immer wieder in Ausst. (Berlin 1896) und Publ. präsentiert wurden, führte. 1899 entwickelte er einen brauchbaren und industriell verwendbaren Sensibilisator für die Farbe Rot, im Frühjahr 1907 experimentierte er mit den eben erst erfundenen Autochromplatten. An der Lehr- und Versuchsanstalt widmete sich V. dem Materialprüfwesen und führte eine Reihe von Analysemethoden für photograph. Platten und Papiere, Druckfarben usw. ein. Ab 1880 veröff. er laufend in verschiedenen Fach- und Photozeitschriften seine Forschungen und Ergebnisse zu diversen photochem. und phototechn. Themen, u. a. zur Farbphotographie und zur Verwendung von Photopapieren und Materialien bei der Ausarbeitung, tw. gem. mit Eder zur photograph. Chemie, zur Spektralphotographie und zu photograph. Reproduktionsverfahren. Er erhielt zahlreiche Ausz. (u. a. 1899 Ritter des Franz Joseph-Ordens), wurde 1894 Mitgl. der Photograph. Ges., 1907 deren Ehrenmitgl., 1913 Reg.Rat und 1924 HR.

Weitere W. (s. auch Poggendorff; Lex. zur Fotografie): Die Photographie in natürl. Farben mit bes. Berücksichtigung des Lippmann’schen Verfahrens, 1894; Photograph. Chemie und Chemikalienkde. …, 2 Bde., 1898–99, 2. verb. Aufl. 1921–22; Beitrr. zur Photochemie und Spectralanalyse, 1904 (gem. m. Eder).
L.: Kosel 1; Poggendorff 4, 6 (m. W.); Wer ist’s?, 1909; J. M. Eder, Geschichte der Photographie, 4. Aufl. 1932, S. 655ff.; J. Daimer, in: Photograph. Korrespondenz 73, 1937, S. 157f.; Die wiss. Welt von gestern. Die Preisträger des I. L. Lieben-Preises …, ed. R. W. Soukup, 2004, S. 80ff.; T. Starl, Lex. zur Fotografie in Österr. 1839 bis 1945, 2005 (m. W.); ders., FotoBibl. Biobibliografie zur Fotografie in Österr. (nur online, Zugriff 2. 8. 2015); TU, WStLA, beide Wien.
(T. Starl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 158
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