Veverka, Václav (1790–1849), Erfinder und Schmied

Veverka Václav, Erfinder und Schmied. Geb. Rybitew, Böhmen (Rybitví, CZ), 10. 12. 1790; gest. Bukowina, Böhmen (Bukovina nad Labem, CZ), 23. 2. 1849 (begraben: Dříteč, CZ). In dritter Generation aus einer großen Bauernfamilie stammend, die in Rybitew und in der Umgebung von Pardubitz lebte. Enkel von Jiří V., der Mitte des 18. Jh. einer der wohlhabendsten Bauern im Ort war, Sohn des Schmieds und Landwirts Ignác (Hynek) V., Bruder von Josef V., Cousin von →František V.; ab 1823 mit Magdalena V., geb. Mazánková (gest. 1833), verheiratet. – V. verlor mit elf Jahren seinen Vater. Die ihm vermachten 5,5 Hektar Ackerboden bewirtschaftete bis zu seiner Volljährigkeit sein Stiefvater František Šimůnek aus Dřitsch. Die Schmiede wurde während dieser Zeit verpachtet. 1822 machte sich V. selbstständig und verwaltete auch die Schmiede seines minderjährigen Bruders Josef V., die er nach dessen Tod erbte. Dies brachte der Familie einen Zuverdienst, die Haupteinnahmequelle blieb jedoch die Landwirtschaft. V. war als einfallsreicher Handwerker und „Alleskönner“ bekannt. Darum akzeptierte er um 1823/24 gern das Angebot von František V., mit ihm an der Herstellung eines neuen Pflugs, insbes. für das tiefe Pflügen eines Brachfelds, zu arbeiten. Sie entwarfen diesen und v. a. die Scharform völlig neu. Nach dreijähriger Erprobungsphase führten die beiden Cousins das „ruchadlo“ (Sturzpflug) erfolgreich vor – ein Gerät, das den Ackerboden nicht nur lockert, sondern auch wendet. V. konstruierte neben dem Prototyp noch weitere Sturzpflüge und zeigte Interessenten bereitwillig, wie man damit umging. Für den Kaufmann Karel Podhájský verfertigte er ein Holzmodell, damit er die Gießerei Václav Svobodas in Třemoschnitz-Hedwigsthal mit der Produktion in größerem Umfang beauftragen konnte. Die Großzügigkeit beider Erfinder missbrauchten Betrüger, insbes. der Beamte Jan Kainz aus Choltitz, der den Sturzpflug 1832 bei der landwirtschaftl. Geräteausst. in Prag als eigene Erfindung unter dem Namen „Kainzpflug“ ausgab. Der Streit darum, wer der Erfinder des Pflugs war, dauerte in einigen Etappen bis 1883. Es beteiligten sich daran bereits in den 1830er-Jahren →Josef Jaroslav Langer, der über die Erfindung erstmals 1830 in der Z. „Čechoslav“ informierte, sowie der Wirtschaftsprof. in Königgrätz Ignác Lhotský. Ende der 1860er-Jahre nahm sich der Journalist Karel Procházka der Causa an und in den 1880er-Jahren setzte der Geschäftsführer des Wirtschaftsver. in Pardubitz, František Vratislav Sova, den Streit fort. Er trug eindeutige Beweise und Zeugenaussagen zusammen, die später nicht mehr infrage gestellt wurden. Denkmäler wurden den beiden Erfindern jedoch erst posthum (1883) in Pardubitz und in Rybitew errichtet. Nach dem Tod seiner 1. Frau versuchte V. noch vier Jahre lang, das Haus und die Schmiede in Rybitew zu behalten. Als ihm dies nicht gelang, verkaufte er 1837 beides, zog zu seiner 2. Frau nach Bukowina und wurde Kleinbauer.

L.: Masaryk; Otto; F. V. Sova, Vynálezci ruchadla, 1883; J. Jungwirth, Ruchadlo – vynález bratranců V., 1964; Zprávy klubu přátel Pardubicka, 1978, Nr. 7, 2003, Nr. 5–6, 2007, Nr. 5–6; Malá československá enc. 6, 1987, S. 531; V. Málek, Dějiny obce Dobřenice na Královéhradecku, 1996, S. 119; F. Šebek, Bratranci Veverkové a jejich vynález ruchadla (nur online, Zugriff 1. 5. 2016).
(P. Vošahlíková)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 68, 2017), S. 264f.
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