Vörös von Farád, László (1849–1925), Politiker, Verkehrsexperte und Jurist

Vörös von Farád László, Politiker, Verkehrsexperte und Jurist. Geb. Dombegyháza puszta (Dombegyháza, H), 7. oder 8. 6. 1849; gest. Budapest (H), 23. 10. 1925. Großneffe des Vizegespans des Kom. Arad Antal V. v. F. (gest. 1867), Sohn von Pál V. v. F. (gest. Arad, Ungarn/RO, April 1877), 1872–75 Bgm. von Arad, Bruder des Arader Gen.anwalts Vidor V. v. F. (geb. Pankota, Ungarn / Pâncota, RO, 22. 9. 1846; gest. Arad, 21. 12. 1901), verwandt mit Ignác V. v. F. (s. u.). – Nach dem Schulbesuch in Pest und Arad stud. V. Jus an der Rechtsakad. in Großwardein und an der Univ. Pest. Vorübergehend Rechtspraktikant in Arad, wechselte er in den Staatsdienst und war anschließend im ung. Handelsmin. tätig. 1871–73 Hilfskonzipient, 1873–79 Konzipient, 1879–89 Sekr., fungierte V. 1884 als Regierungskoär. der Budapest-Fünfkirchner Bahn, ab 1887 als Regierungskoär. des Ausbildungslehrgangs der Bahnbeamten; ab 1888 war er als Min.koär. mit der Ausbildungsleitung der Post- und Telegraphenbeamten betraut. 1889–93 Sektionsrat, 1893–95 Min.rat, stieg V. i. d. F. in die Politik ein. Ab 1895 bis zu seinem Rücktritt 1898 Staatssekr. im Handelsmin., 1895–1900 Mitgl. des Hauptstädt. Munizipal-Ausschusses in Budapest und 1895–1905 RT-Abg. der Liberalen Partei, war er 1905–06 Handelsminister in der Regierung →Géza Frh. Fejérváry v. Komlós-Keresztes. V., der sich insbes. beim Ausbau des öff. Verkehrsnetzes in Budapest Verdienste erwarb, trieb die Elektrifizierung voran und war 1893–96 maßgebl. am Bau der sog. Millenniums-U-Bahn (Földalatti) beteiligt, die die erste auf dem europ. Festland war und seit 2002 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Er trat auch als Delegationsleiter und Organisator bei Weltausst. (Brüssel 1897, Paris 1900) sowie bei der Allg. Italien. Ausst. in Turin (1898) in Erscheinung. Des Weiteren initiierte und red. V. mehrere Verkehrs-Fachz. bzw. -Bulletins (u. a. „Magyar Vasúti Évkönyv“, 1878–84, Gründer und Red.; „Vasúti és Közelekdési Közlöny“, 1878–87 Red., ab 1887 Inhaber; „Útmutató“, 1882–87, Gründer und Red.). Als Präs. des Landesverbands der Staatsbeamten (Állami Tisztviselők Országos Egyesülete) bekleidete V. mehrere Aufsichtsratsämter, so war er 1881–84 Aufsichtsratsmitgl. der Ung. Nordostbahn AG (Magyar Északkeleti Vasút Részvénytársaság), ab 1882 Dion.-Ersatzmitgl. der Ung. Staatsbahnen (MÁV) und ab 1884 Aufsichtsratsmitgl. der Maschinenfabrik der Ung. Staatsbahnen sowie der Kgl. Ung. Eisen- und Stahlfabrik in Diósgyőr (Magyar Királyi Vas- és Acélgyár Diósgyőr). 1896 erhielt V. das Kommandeurkreuz des Leopold-Ordens und 1892 den Orden der Eisernen Krone III. Kl. sowie 1906 jenen I. Kl.; 1905 w. Geh. Rat. Der aus demselben Zweig der Adelsfamilie V. v. F. stammende Jurist und Politiker Ignác V. v. F. (geb. Veszkény, H, 1757; gest. Arad, zwischen 22. 12. 1825 und 8. 1. 1826) absolv. 1776 ein Stud. der Rechtswiss. an der Univ. Tyrnau und legte 1778 die Advokatenprüfung ab. Ab 1779 Stuhlrichter im Kom. Temes, 1788–89 – während des 2. Russ.-Österr. Türkenkriegs – Kriegskoär., fungierte Ignác V. auf dem LT 1790/91 in Ofen und Pressburg als Gesandter des Kom. Temes. Ab 1809 lebte er zurückgezogen in Arad. Seine Memoiren, in denen er u. a. die Familiengeschichte sowie den Türkenkrieg 1787–92 beschreibt, stellen eine wichtige hist. Quelle dar („Farádi Vörös Ignác visszaemlékezései az 1778–1822. évekről“, ed. Imre Madzsar, 1927). Ignác V. war ab 1772 bis zur Aufhebung der Logen 1794/95 unter K. →Franz II. (I.) Mitgl. der Temeswarer Freimaurerloge.

L. (tw. auch für Ignác V. v. F.): Das geistige Ungarn; M. Életr. Lex.; Pallas; Révai; Szinnyei; ÚMÉL; Országgyülési Almanach 1901–06, ed. A. Sturm, 1901, S. 391ff.; B. Kempelen, Magyar nemes családok 11, 1932; J. Bölöny – L. Hubay, Magyarország kormányai 1848–2004, 5. Aufl. 2004, s. Reg.; Magyar nagylex. 18, 2004; UNESCO World Heritage Centre – World Heritage List (nur online, Zugriff 2. 11. 2016).
(Á. Z. Bernád)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 68, 2017), S. 312f.
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