Vogel, Ernst (I.) (1871–1948), Industrieller

Vogel Ernst (I.), Industrieller. Geb. Gröningen, Preußen (D), 6. 5. 1871; gest. Stockerau (NÖ), 23. 10. 1948. Vater von Ernst (II.) V. (1907–1944; gefallen) und KR Ing. Wolfgang V. (1904–1965), der die Leitung der Fa. nach V. übernahm, Großvater des Industriellen und Autorennfahrers Ernst (III.) V. (geb. Stockerau, 1. 3. 1926; gest. Vöcklabruck, OÖ, 29. 11. 1990) sowie der späteren geschäftsführenden Ges. der Pumpenfabrik Ernst Vogel Gerhard V. (geb. 10. 4. 1944) und Bernhard V. (geb. 20. 7. 1942); verheiratet mit Elise V. – V. war zunächst Mitbegründer der Pumpenfabrik Ortenbach & Vogel, danach kurz Werksdir. der Maschinenfabrik Heid. Bei der Ausst. der 8. österr. Feuerwehrtage 1906 stellte V. drei Dampfspritzen nach einem neu konstruierten System (Orvo-Pumpensystem), ein-, zwei- und dreizylindrig, für 300, 600 bzw. 900 Liter Wasserleistung pro Minute, vor. Weiters war als Neuheit eine vierrädrige Benzinmotorspritze mit einem zweizylindrigen Motor und einem Orvo-Pumpenwerk, das bei einer Leistung von 350 Liter pro Minute von beiden Seiten saugte und nach beiden Seiten drückte, zu sehen. Diese Benzinmotorspritze war mit einer elektr. Zündung versehen und in dieser Type erstmals in Österr. ausgeführt worden. 1910 erhielt V. das Patent auf den Leitapparat für ein- oder mehrstufige Schleuderpumpen, die er in einer kleinen Maschinenfabrik an der Prager Straße in Stockerau produzierte. Zwei Jahre nach der Fa.gründung 1909 arbeiteten die ersten Vogel-Kreispumpen in den kommunalen Wasserversorgungsanlagen der Gmd. Wien und der italien. Stadt Aquileja. V. bot Reservoir-, Bergwerks-, Motor-, Riemenbetriebs-, Speise- und Hauswasserpumpen an. Seine Spezialisierung auf Patent-Turbopumpen machte bald umfangreiche Vergrößerungen der Betriebseinrichtungen notwendig. 1912 waren ca. 50 Arbeiter tätig, außerdem errichtete V. die erste Niederlassung in Budapest. Exportländer waren vorwiegend Russland, der Balkan und Spanien; 1914 stieg die Zahl der Arbeiter auf 200 an und 1918 auf 400. Nach dem Zerfall der Monarchie wurde jedoch die geplante Errichtung von techn. Büros in Budapest, Belgrad, Prag und Triest nicht realisiert. Stattdessen begann V. mit dem Ausbau einer flächendeckenden Organisation von Inlandsniederlassungen. Mitte der 1920er-Jahre gab es Zweigfabriken in Chemnitz (Chemnitzer Maschinenfabrik), Triest („Salima“ Vogel-Pumpen-Abt.) und Budapest („Evo“ Elektro-Maschinen- und Vogel-Pumpen AG). 1924 wurde in Wien 1 eine Zweigniederlassung der Spezialfabrik moderner Pumpen Ernst Vogel, Stockerau gegr. Mitten in einer Krise der Metallind. arbeitete man in der Fabrik in zwei Schichten und verdoppelte die Anzahl an Arbeitern. Durch eine permanente Senkung der Herstellungskosten ließ sich der Umsatz im In- und Ausland bes. von kleinen automat. elektr. betriebenen Hauswasserpumpen steigern. Ab 1932 gingen Vogel-Tauchpumpen mit Unterwassermotoren, die für Brunnentiefen bis 250 Meter unter Wasser geeignet waren und Leistungen bis zu 150 PS erreichten, in Produktion. 1932 trat Ernst (II.) V. als Prokurist neben dem Kollektivprokuristen Wolfgang V. in das Unternehmen ein. Von der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre blieb das Unternehmen verschont. Doch der Mitarb.stand sank Anfang der 1930er-Jahre auf ca. 200. Auf der Nö. Landesausst. 1937 in Amstetten zeigte man automat. Hauswasseranlagen sowie Tauchpumpen mit Unterwasser-Elektromotoren, durch die man eine Steigerung des Exportumsatzes auf ein Vielfaches erreicht hatte. Im selben Jahr lieferte man Tauchpumpen für die Wasserkünste der Pariser Weltausst. 1938 erweiterte man baul. die Eisen-, Bronze- und Chromeisentiegelgießereien aufgrund einer gesteigerten Produktion. Zu Beginn des 2. Weltkriegs umfasste das Programm eine Palette aller Pumpentypen für die Wasserversorgung. 1942 wurde das Unternehmen in eine offene HG umgewandelt. KR Ing. V. verstarb in der Wiederaufbauphase nach dem 2. Weltkrieg, und sein Sohn, KR Ing. Wolfgang V., übernahm die Leitung des Unternehmens. Nach dessen Tod blieb es bis 1994 weiterhin in Familienbesitz.

L.: Neues Wr. Journal, 2. 8. 1924; WZ, 1. 9. 1932; Österr. Verbands-Feuerwehr-Ztg. 30, 1906, S. 259; Wr. Salonbl. 62, 1931, Nr. 15, S. 10 (m. B.); Das interessante Bl. 54, 1935, Nr. 40, S. 23, 55, 1936, Nr. 41, S. 12 (m. B.), 56, 1937, Nr. 38, S. 12; Arbeitersturm. Kampfbl. der nationalsozialist. Arbeiter Dt.österr. 1, 1938, Nr. 71, S. 11; Elektrotechnik & Maschinenbau 65, 1948, S. 209f.; FS Vogel Pumpen 70, 1979; Vogel Pumpen Aktuell, Mitt. der Pumpenfabrik Ernst Vogel, November 1989, Nr. 13; Journal 90 Jahre Vogel-Pumpen 1909–99, 1999 (m. B., auch von den anderen Familienmitgl.); Zedhia, Zentraleurop. digitales wirtschafts- und gesellschaftshist. interaktives Archiv (online, Zugriff 19. 1. 2017); Wirtschaftskammer Österr.-Archiv, Unternehmensgeschichtl. Smlg., Wien.
(I. Nawrocka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 68, 2017), S. 316f.
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