Vogl, Friedrich (1840–1912), Unternehmer

Vogl Friedrich, Unternehmer. Geb. 6. 7. 1840; gest. Wien, 7. 2. 1912. Sohn des Gerbers Wolfgang V. (geb. Engelshütt, Bayern/D, 29. 7. 1802; gest. 30. 12. 1869), der 1830 eine kleine Rotgerberei in Mattighofen erwarb, die er zur größten Lederfabrik Österr. ausbaute, und 1860–63 Bgm. der Marktgmd. war, sowie der Theresia V., geb. Springer, verwitwete Lirk (geb. 11. 1. 1797), Vater von Ludwig V. d. Ä. (s. u.) und Friedrich V. (geb. 3. 1. 1872; gest. 24. 1. 1914), Großvater von Ludwig V. d. J. (geb. 28. 6. 1900; gest. 21. 12. 1990), Max V. (geb. 25. 2. 1905; gest. 18. 10. 1975) und Heinrich V. (geb. 6. 5. 1909; gest. 6. 9. 1988). – V. stieg in den Betrieb seines Vaters ein, der 1855 eine Lohmühle errichtet hatte und um 1859 mit seinem Unternehmen den Lederbedarf der Armee abdeckte. Unter V. wandelte sich der Handwerkerbetrieb, in dem um 1866 16 Gehilfen arbeiteten, zu einer Fabrik mit maschineller Herstellung. 1880 kaufte er einen Dampfkessel sowie eine 20 PS starke Dampfmaschine. Für die Landwirtschaft und für die Schuhfabrikation erzeugte er Lohleder, Lohterze sowie Sohlen- und Riemenleder. 1895 eröffnete V. eine Zweigniederlassung in Salzburg. 1900 beschäftigte er 60 Arbeiter und besaß ein Vermögen von rund 2 Mio. Kronen, als er den mit Dampf- und Elektromotor ausgestatteten Betrieb an seine Söhne Ludwig V. d. Ä. und Friedrich V. übergab. Zuletzt lebte er in Wien. V., Träger des Verdienstkreuzes mit der Krone (1899), richtete einen Fabriksarbeiter-Unterstützungsfonds ein, war ab 1867 Gmd.ratsmitgl. und 1882–1900 Bgm. von Mattighofen. Auf seine Initiative gingen ein Krankenhaus und die Gründung einer Sparkasse zurück. Sein Sohn Ludwig V. d. Ä. (geb. 10. 4. 1874; gest. 8. 8. 1936) baute eine Vachelederfabrikation auf und verarbeitete pro Woche rund 2.000 Häute. 1909 wurden ein Trockengebäude und 1911 ein neues Kessel- und Maschinenhaus sowie eine moderne Extraktionsanlage errichtet. 1913 schaffte er eine Extraktionsanlage mit Vakuum-Verdampfung an und modernisierte den Betrieb. Noch vor Kriegsausbruch erreichte die Mitarb.zahl einen Stand von rund 350 Personen. Nach dem Tod seines Bruders Friedrich V. führte Ehrenbgm. Ludwig V., auch Ges. der Fa. Karl Ahorner, Schuhwarenfabrikation und fabriksmäßige Erzeugung von Heeresausrüstungsgegenständen aus Leder in Wien, den Betrieb allein weiter. Während des 1. Weltkriegs deckte er als Heereslieferant den steigenden Lederbedarf. 1916 entstand eine Werksbahn vom Bahnhof Mattighofen zum Fabriksgelände. Es kamen eine Wasserwerkstätte, ein neues Grubenhaus sowie eine Zurichterei und eine Schuhfabrik hinzu, wobei Letztere nach dem Krieg wieder aufgelassen wurde. Als Hoflieferant leitete der Lederfabrikant das größte Unternehmen dieser Art in der Monarchie und das zweitgrößte in ganz Europa mit bis zu 1.200 Mitarb. Zum Unternehmen gehörten Niederlassungen in Wien, Salzburg sowie in München. Ludwig V. setzte sich für den sozialen Wohnbau ein; 1921 entstanden sechs neue Arbeiterwohnhäuser. Außerdem machte er der Bevölkerung sein Schwimm- und Wellenbad zugängl. Ab 1924 war Ludwig V. auch Geschäftsführer der Mattighofener Dampfziegelei und Sägewerk GmbH. In den 1930er-Jahren beschäftigte er rund 500 Arbeiter und Angestellte. Ihm folgten im Betrieb seine Söhne Ludwig V. d. J., Max V., beide ab 1926 Ges. der Fa., und Heinrich V., ab 1928 Prokurist, nach. Zu Beginn der 1960er-Jahre geriet die Fa. durch Preisschwankungen beim Rohmaterial und durch Investitionen in Umweltschutzmaßnahmen in finanzielle Schwierigkeiten und wurde schließl. liquidiert. 1974 gründeten Familienmitgl. die Fa. Werner Vogl & Co. als GmbH, die zwei Jahre später in eine KG umgewandelt wurde.

L.: WZ, 2. 4. 1895; NWT (Parte), Tages-Post (Linz), 3. 2. 1912; Österreichs Ind. 1, 1925, S. 231ff.; E. M. Meixner, Wirtschaftsgeschichte des Landes OÖ 2, 1952, s. Reg.; R. Kropf, in: Oö. Heimatbll. 27, 1973, S. 237; H. J. Zauner, Oö. Unternehmer, 1987, S. 177ff.; F. Mathis, Big Business in Österr. 1, 1987, S. 340ff.; F. Sonntag, in: Oö. Heimatbll. 47, 1993, S. 315ff. (m. B., auch von Ludwig V. d. Ä.); Zedhia, Zentraleurop. digitales wirtschafts- und gesellschaftshist. interaktives Archiv (online, Zugriff 19. 1. 2017).
(I. Nawrocka)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 325f.
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