Wach, Aloys; eigentl. Wachlmayr Alois Ludwig (1892–1940), Maler, Graphiker und Schriftsteller

Wach Aloys, eigentl. Wachlmayr Alois Ludwig, Maler, Graphiker und Schriftsteller. Geb. Lambach (OÖ), 30. 4. 1892; gest. Braunau am Inn (OÖ), 18. 4. 1940; röm.-kath. Sohn des Gastwirts Anton Wachlmayr und dessen Frau Anna Wachlmayr, geb. Grundner; ab 1917 verheiratet mit Käthe Käser. – Nach der Bürgerschule absolv. W. auf Drängen seiner Familie zunächst eine Lehre als Kaufmann und arbeitete ab 1909 kurzfristig in diesem Beruf. Daneben bemühte er sich jedoch konsequent um eine Kunstausbildung. Nach mehreren erfolglosen Versuchen in Wien und München ging er 1912 nach Berlin, wo er als Schüler von Richard Janthur in das Umfeld der beginnenden expressionist. Bewegung kam. 1913 reiste er nach Paris, um künstler. v. a. Anregungen vom beginnenden Kubismus zu erhalten. Hier lernte er auch seine spätere Ehefrau kennen. Zwischenzeitl. war er alkohol- und drogensüchtig. Der Ausbruch des 1. Weltkriegs erzwang eine Rückkehr zunächst nach München, 1915 nach Stuttgart, wo er an der ABK stud. Ab 1916 lebte W. wieder in München, gestaltete erste Ausst. und wurde Mitarb. von Herwarth Waldens MS „Der Sturm“. Im selben Jahr entstand die Radierungsserie „Ein Totentanz von 1914“. 1917 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und wirkte 1918 bei den Tiroler K.jägern in einer Werbe- und Ausst.truppe; ab nun signierte er seine Werke konsequent mit Aloys Wach. 1919 wurde er Mitgl. des Kulturrats der sozialen Revolution in München und gestaltete in den ersten Monaten des Jahres mehrere expressionist. Holzschnitte mit revolutionären Inhalten. Nach dem Zusammenbruch der Münchner Räterepublik musste W. fliehen, kaufte in der Nähe von Braunau ein Haus, wo er als freischaffender Künstler lebte und zunächst v. a. Notgeldentwürfe und Exlibris gestaltete. 1922 übersiedelte er nach Braunau, wo ihm die Stadtgmd. im Stadttorturm ein Atelier zur Verfügung stellte. 1924 begann er seine langjährige künstler. Auseinandersetzung mit dem oö. Bauernkrieg von 1626 (Radierzyklen Bauernkrieg 1626, Bauerntanz anno 1625). 1924/25 verbrachte er mehrere Monate in Rom, verbunden mit Werkankäufen, Ehrungen und einer Ausst. In den folgenden Jahren erhielt W. mehrfach öff. und private Freskoaufträge (auch aus den USA) sowie Aufträge für Glasfenster. 1930–33 begeisterte sich W. zunächst für die Ziele von Carl Schappeller, der im oö. Aurolzmünster zuerst die Erdkraft als neue Energiequelle der Zukunft entdeckt, später das Grab des Hunnenkg. Attila gefunden haben wollte. W. unterstützte ihn finanziell und verarbeitete schließl. seine Enttäuschungen über diese Betrugsprojekte im 1933 im Eigenverlag erschienenen Buch „Schin, der Herr der Zahl 22. Die Wahrheit über Schloß Aurolzmünster“. Obwohl W. aktiv eine Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den in Braunau geb. →Adolf Hitler betrieben hatte, wurde ihm nach dem „Anschluss“ 1938 Malverbot erteilt. Kurz vor seinem Tod vermachte er den Großteil seiner frühen Werke seinem in den USA lebenden Freund Ernest L. Tross, der 1956 eine Ausst. des Künstlers im Los Angeles County Mus. of Art organisierte. Weiters verf. W. zeitlebens viele literar. und kunsthist. Texte, die bis auf wenige Ausnahmen nicht veröff. wurden. W. war 1922–38 Mitgl. des Linzer Künstlerbunds MAERZ und des Salzburger Kunstver., 1923 gründete er gem. mit Kunstfreunden die Innviertler Künstlergilde. 1993 erfolgte in der Landesgalerie Linz die erste monograph. museale Bearb. seines bildkünstler. Werks in Form einer umfassenden Ausst.

Weitere W. (s. auch Assmann, 1993): Weiße Bauern, 1925 (Oö. Landesmus., Linz); Fresko St. Angelus, 1926 (Kreuzschwesternschule, Linz); Fresko Christus als Weltenrichter, 1929 (Friedhof, Braunau); Fresko Gnadenstuhl, 1929 (Aufbahrungshalle, Braunau); Glasfenster für die ehemalige Krankenhauskirche Braunau, 1929; St. Sebastian, um 1929 (Benediktinerabtei Michaelbeuern); Bauernkrieg, 1933 (Mus. Innviertler Volkskde.haus, Ried im Innkreis); Der auferstandene Christus begegnet den Frauen, um 1933 (Stadtmus. Braunau).
L.: Fuchs, Geburtsjgg.; Thieme–Becker; Vollmer; P. Baum, K. Brosch (1894–1926), C. A. Reichel (1874–1944), A. W. (1892–1940), Linz 1982 (Kat.); P. Assmann, A. W. 1892–1940, Linz 1993 (Kat., m. W.); Ausgeliefert. Beispiele österr. Graphik der Zwischenkriegszeit nahe der Phantastik, ed. P. Assmann u. a., Linz 1996 (Kat.); S. Heilingbrunner, Bildzyklen von A. W. und K. Rössing als Beispiele sozialkrit. Graphik der Zwischenkriegszeit in OÖ, phil. DA Wien, 2001; Der Maler A. W. – zwei Smlgg., ed. G.-M. Bock, Schärding 2007 (Kat.); Pfarre Lambach, OÖ.
(P. Assmann)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 380f.
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