Wachsmann (Wachsman), Alois (1898–1942), Maler, Architekt und Bühnenbildner

Wachsmann (Wachsman) Alois, Maler, Architekt und Bühnenbildner. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 14. 5. 1898; gest. Jitschin, Protektorat Böhmen und Mähren (Jičín, CZ), 16. 5. 1942. Neffe des Malers Bedřich W. (geb. 8. 9. 1871; gest. 29. 1. 1944) und von →Arnošt Procházka, Großneffe des Malers →Friedrich W., Cousin des Schauspielers Jiří Voskovec (1905–1981, eigentl. Wachsmann). – W. stud. 1917–22 Architektur an der tschech. TH in Prag und 1925–28 auch an der Spezialschule des Architekten und Stadtplaners Josef Gočár an der ABK. Danach arbeitete er in Gočárs Büro, wobei er v. a. am Bau der St. Wenzel-Kirche in Praha-Vršovice (beendet 1930) mitwirkte. Bei Gočár blieb er bis 1937 und übersiedelte anschließend nach Dvůr Králové nad Labem. Seine wenigen Projekte sind im Internationalen Stil gehalten (Ferienort Medlov bei Fryšava, 1933). Daneben betätigte sich W. hauptsächl. als Maler. 1920 war er Gründungsmitgl. des tschech. avantgardist. Künstlerbunds Devětsil, in dem einander bildende Künstler, Literaten und Musiker trafen; mit ihnen teilte er die poet. Weltanschauung. Seine ersten Bilder waren vom mag. Realismus →Bohumil Kubištas und Josef Čapeks geprägt (Porträt von Josef Frič, 1917; Leser von Swedenborg, 1919). 1923–24 stellte er mit der Nová skupina aus, einer Künstlergruppe, die sich vom Devětsil abgespalten hatte. Zu seinen damaligen Arbeiten zählen Pastell-Stillleben im Stil der Neuen Sachlichkeit. Nach mehrjähriger Pause konzentrierte sich W. wieder auf die Architektur, dann folgte die Periode des lyr. und imaginativen Kubismus (1930–33), am Anfang von Pablo Picasso geprägt: Dazu gehören W.s Bilder aus der Prager internationalen Ausst. „Poesie 1932“ (Der Mensch, 1932). Allmähl. löste sich W. von der flächenhaften kubist. Stilisierung und schloss sich mit seinen großen phantast. Kompositionen der tschech. imaginativen Malerei an (Das Mittelalter, 1934). Dem Surrealismus angenähert zeigte er sich in einer Ser. von mythologisierten Erinnerungen (Aus dem Zyklus des Ödipus, 1934). In W.s Bildern der 1930er-Jahre treffen moderne Zeit und Altertum, Realität und Mythos aufeinander (Odysseus und Madame Bovary, 1936). Zu Beginn des 2. Weltkriegs herrschen Stillleben und figurative Szenen mit mytholog. und hauptsächl. bibl. Themen vor. Daneben arbeitete W. auch als Bühnenbildner, v. a. für das Osvobozené divadlo und das Národní divadlo. Ab 1923 war er Mitgl. des Künstlerver. S. V. U. Mánes.

Weitere W.: s. Pečírka; Michalová.
L.: Masaryk; Toman; Vollmer; V. Nezval, in: Měsíc 1, 1932, Nr. 10, S. 24ff.; Umění 14, 1943, S. 121f.; A. Hoffmeister, in: Volné směry 40, 1947/48, S. 16ff.; J. Pečírka, A. W., 1963 (m. W.); F. Šmejkal, in: Phases 10, September 1965, S. 47ff.; M. Mrázová-Schusterová, in: Umění 19, 1971, S. 531ff.; F. Šmejkal, Le dessin surréaliste, 1974, S. 40; Tschech. Kunst der 20er + 30er Jahre …, Darmstadt 1988 (Kat., m. B.); Nová enc. českého výtvarného umění 2, ed. A. Horová, 1995; Die zweite Arche – der Surrealismus und die tschech. Kunst 1925 bis 1945, ed. R. Kober – G. Lindner, Bad Frankenhausen 2001, S. 117f. (Kat.); R. Michalová, A. W., 2003 (m. W.); L. Bydžovská, in: Dějiny českého výtvarného umění 5, ed. R. Švácha – M. Platovská, 2005, s. Reg.
(V. Laštovičková)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 383
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>