Wachsmann, Friedrich (Bedřich) (1820–1897), Maler, Architekt und Restaurator

Wachsmann Friedrich (Bedřich), Maler, Architekt und Restaurator. Geb. Leitmeritz, Böhmen (Litoměřice, CZ), 24. 5. 1820; gest. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 27. 2. 1897. Sohn von Joseph W., Kriminalrat beim Kriminal-Gericht in Leitmeritz, und Anna W., geb. Trumler, Onkel der Maler Bedřich W. (geb. 8. 9. 1871; gest. 29. 1. 1944) und Julius W. (geb. Brünn, Mähren / Brno, CZ, 25. 4. 1866; gest. Wien, 20. 3. 1936), Großonkel von →Alois Wachsmann und dem Schauspieler Jiří Voskovec (eigentl. Wachsmann). – Nach Besuch des Gymn. und einer Lehre im lithograph. Betrieb von Carl Wilhelm Medau in Leitmeritz stud. W. 1840–43 an der Kunstakad. in Dresden, anschließend übersiedelte er nach Prag. Ab 1848 lebte er in Innsbruck, ab 1850 in München und schließl. ab 1856 dauerhaft in Prag. In seinen Arbeiten widmete sich W. vorrangig der Landschaftsmalerei, wobei sein Stil spätromant. und stark von der Münchner Schule (Carl Rottmann, Eduard Schleich, Christian Morgenstern) geprägt war und auch der damaligen zeitgenöss. tschech. Tendenz entsprach, da Max Haushofer, ein Vertreter der Münchner Schule, Prof. für Landschaftsmalerei an der ABK in Prag war. In seinen Gemälden behandelte er landschaftl. und architekton. Motive. Neben der Malerei schuf W. ab den 1860er-Jahren auch kunstgewerbl. und architekton. Entwürfe in vorwiegend neugot. Stil, wobei diese Tätigkeit eng mit Kirchenrestaurierungen in der 2. Hälfte des 19. Jh. zusammenhing. Die meisten dieser Arbeiten waren für neue Altäre und Innenausstattungen kath. Kirchen in Böhmen bestimmt. Dazu gehören etwa die Innenausstattung der Schlosskapelle zur Hl. Maria Magdalena in Unter-Břežan (nur tw. erhalten), Hochaltäre in den Kirchen Mariä Himmelfahrt und Karl der Große in Prag-Karlov (1871), Hl. Maria Magdalena in Unter-Cerekwe, Hl. Georg in Pilsen sowie für die Gf. Czernin v. u. z. Chudenitz die innere Ausschmückung (Altargemälde) und der Altar in der Schlosskapelle in Dimokur (1870–71), der Seitenaltar Mariä sieben Schmerzen in der Teynkirche in der Prager Altstadt (1869) sowie die Grabkapelle für Vratislav Výborný in Kuttenberg. Zu seinen kunstgewerbl. Arbeiten zählte das Zepter des Rektors der Univ. in Prag. Zu seinen weiteren Werken gehören Illustrationen für „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“ (Bde. Böhmen, 1894–96). Gemälde von W. verwahrt u. a. die Národní galerie in Prag, die Moravská galerie in Brno und die Galerie výtvarného umění in Ostrava. Zahlreiche Reproduktionen seiner Arbeiten finden sich in der Z. „Světozor“. Obwohl W. ursprüngl. Dt.böhme war, identifizierte er sich mit der tschech. Ges. und ihren nationalen Zielen. Ab 1863 war er Mitgl. der Umělecká beseda, der ersten ausschließl. tschech. Künstlervereinigung in Böhmen. 1888 erhielt W. das Ehrenkreuz Pro Ecclesia et Pontifice.

Weitere W. (s. auch Wurzbach): Italien. Bauernhaus bei Rovereto, 1850; Sennhütte in einem weiten Alpental, 1852; Blick auf Leitmeritz, 1856; Winterlandschaft, 1865.
L.: Thieme–Becker; Toman; Wurzbach (m. tw. W.); Světozor 31, 1897, S. 202ff. (m. B.); J. Kačer, Evropské malířství 19. století, Brno 1995, S. 59 (Kat.); Nová enc. českého výtvarného umění 2, ed. A. Horová, 1995.
(R. Janás)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 383f.
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