Wacik (Vačik), Franz (1883–1938), Maler, Graphiker, Illustrator und Bühnenbildner

Wacik (Vačik) Franz, Maler, Graphiker, Illustrator und Bühnenbildner. Geb. Wien, 9. 9. 1883; gest. ebd., 15. 9. 1938; röm.-kath. Sohn des Schneiders Johann W. (geb. Böhmen/CZ, 1844) und von Magdalene W., verwitwete Hauenschild, geb. Kroll; ab 1912 mit der Malerin Marianne W., geb. Nagy (geb. Pettau, Stmk. / Ptuj, SLO, 20. 2. 1891; gest. Wien, 31. 7. 1974), verheiratet. – W. wurde nach Besuch der Handelsschule Kontorist und nahm daneben Unterricht in der Malschule Strehblow. 1901/02 stud. er an der Wr. Kunstgewerbeschule bei →Alfred Roller, 1902–08 an der Wr. ABK (1902–05 Allg. Malerschule bei →Christian Griepenkerl, →Julius Schmid, →Rudolf Bacher, →Alois Delug, →Siegmund L’Allemand, 1905–08 in den Spezialschulen von Griepenkerl, →Franz Rumpler und →Heinrich Lefler); 1904 erhielt er den Füger-Preis (Goldene Medaille) sowie den Lampi-Preis. Bereits 1906 begann W. als Zeichner für die humorist. Z. „Die Muskete“ (bis 1919 über 570, meist farbige Bll.) und als Buchillustrator für Gerlachs Jugendbücherei zu arbeiten. Zahlreiche weitere Buchausstattungen für die Verlage Gerlach & Wiedling, Dt. Verlag für Jugend und Volk u. a. folgten, v. a. Illustrationen von Märchenbüchern, Sagen- und Volksdichtungen. Dazu zählten Buchillustrationen zu Clemens Brentano („Gockel, Hinkel und Gackeleia“, 1909), Hans Christian Andersen („Andersens Märchen und Erzählungen“, „Kindermärchen“, beide 1921), „Till Eulenspiegel“ (1913), Brüder Grimm („Das tapfere Schneiderlein“, ca. 1914), Wilhelm Hauff („Die Geschichte vom kleinen Muck“, 1925), E. T. A. Hoffmann („Klein Zaches genannt Zinnober“), Hugo v. Hofmannsthal („Prinz Eugen der edle Ritter“, 1915) oder „Fahrten und Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen“ (1907). Auch in seinen Ölgemälden, Fresken und Graphiken (Aquarell, Tempera, Lithographie, Radierung) behandelte er vorrangig Themen aus der Märchen- und Sagenwelt und schuf phantast. oder humorvolle Szenen aus dem Volksleben. Auf Reisen entstanden auch Landschaftsstud. Während des 1. Weltkriegs arbeitete er für das Kriegspressequartier. I. d. F. war W. für die Bühnenbilder von →Ferdinand Raimunds „Die gefesselte Phantasie“ am Wr. Komödienhaus (1920) sowie Gerhart Hauptmanns „Und Pippa tanzt“ (1921, 1927) am Burgtheater verantwortl. und wirkte an Theaterauff. der Secession als Bühnendichter, Regisseur und Schauspieler mit. Neben Plakaten und kunstgewerbl. Entwürfen gestaltete er Marionettenfiguren aus Holz sowie Figurinen aus Papier. 1924 stattete er das sog. Kaffeehaus im Souterrain des Secessionsgebäudes mit Wandgemälden aus. 1927/28 vollendete er in den Arkaden des von Leopold Bauer errichteten Vogelweidhofs (Wien 15) Deckenfresken (handwerkl. Tätigkeiten und ihre Entsprechung in Märchen und Sagen; Kartons im Wien Mus.), 1936 schuf er Wandgemälde im Weinkeller der Villa Regenstreif (Pötzleinsdorfer Straße, Wien 18). W. war ab 1910 Mitgl. der Wr. Secession und i. d. F. in deren Ausst. häufig vertreten, 1918 fand dort seine erste Kollektivausst., 1939 die Gedächtnisausst. statt. Für sein Werk erhielt er 1934 den Österr. Staatspreis. Seine Arbeiten befinden sich im Wien Mus. und in den Smlgg. der Secession.

Weitere W. (s. auch Thieme–Becker): Plakate: Ausst. der Secession, 1912, 1913, 1928, Julius Meinl (MAK-Bibl.), Einladungen zu den Secessions-Faschingsfesten 1925, 1927, 1934; zwei Glasfenster-Entwürfe, 1925 (MAK-Bibl.); Farbige Wandbilder (zum Schulgebrauch, Dt. Verlag für Jugend und Volk), 1929; Aquarell-Zyklen u. a. zu Werken von E. T. A. Hoffmann.
L.: NWT, 17. 9. 1938; Czeike; Fuchs, Geburtsjgg.; Thieme–Becker (m. W.); Vollmer; O. Mascha, Österr. Plakatkunst, 1915, S. 53f., 60; H. Ankwicz-Kleehoven, in: Der getreue Eckart 6, 1928/29, S. 1139ff.; R. Waissenberger, Die Wr. Secession, 1971, s. Reg.; H. H. Hofstätter, Jugendstil. Graphik und Druckkunst, 1987, S. 245; F. C. Heller, Die bunte Welt, 2008, s. Reg.; Pfarre Alservorstadt, Wien; Pfarre Mönichkirchen am Wechsel, NÖ.
(E. Schober)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 388f.
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