Wacker, Rudolf (1893–1939), Maler und Graphiker

Wacker Rudolf, Maler und Graphiker. Geb. Bregenz (Vbg.), 25. 2. 1893; gest. ebd., 19. 4. 1939. Sohn des Bregenzer Baumeisters Romedius W. und von Marianne W., geb. Wüstner; ab 1922 mit der Kunstgewerblerin Ilse Moebius aus Goslar verheiratet. – Nach dem Gymn. besuchte W. 1909–10 die Fachschule für gewerbl. Zeichnen in Bregenz, 1910–11 lernte er zusätzl. bei Gustav Bauer in Wien. 1912–14 stud. er an der Großherzogl. Sächs. Hochschule für Bildende Kunst in Weimar in der Meisterkl. von →Albin Egger-Lienz und Walter Klemm und schloss eine lebenslange Freundschaft mit dem Künstler Otto Herbig. 1914 Einjährig-Freiwilliger, 1915 wurde er zum Kriegsdienst an die Ostfront eingezogen und geriet bald in Kriegsgefangenschaft (bis 1920 im sibir. Tomsk). Ab 1917 erhielt er die Erlaubnis, das Lager für längere Zeit zu verlassen, und schuf zahlreiche Zeichnungen. 1920–23 wieder in Bregenz, hielt er sich jeweils im Winter und Frühling in Berlin auf, wo er die Maler des „Brücke“-Kreises kennenlernte. 1923–24 folgten längere Aufenthalte in Wien und Hermannstadt. 1924–39 hatte er seinen Wohnsitz in Bregenz, fast jährl. unterbrochen von ein- bis zweimonatigen Aufenthalten in Dtld. (Berlin, Goslar) und Reisen durch Österr. und die Schweiz. 1933 trat W. der Vaterländ. Front bei. 1934 erzielte er mit seinem auf der Biennale in Venedig ausgest. „Stilleben mit zwei Köpfen“ (1932) einen ersten Erfolg. Nach expressionist. Anfängen entwickelte er eine eigene Bildsprache im Stil der Neuen Sachlichkeit mit surrealist. Übertönen und avancierte zu einem der wichtigsten Vertreter dieser Kunstrichtung in Österr. und Dtld. 1935 bemühte sich W. – allerdings erfolglos – um eine Professur an der ABK in Wien. Nach dem „Anschluss“ 1938 kam es bei W. zu einer Hausdurchsuchung und einem Verhör durch die Gestapo, in dessen Folge er einen ersten Herzinfarkt erlitt und sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechterte. Weiters wurde er aus der Vbg. Kunstgmd. und dem Zentralverband bildender Künstler ausgeschlossen. W.s Arbeiten wurden u. a. 1918/ 19 in Tomsk, ab 1923 wiederholt im Vbg. Landesmus. (Bregenz), 1925 im Weimarer Mus. für Kunst und Kunstgewerbe, 1958 in der Österr. Galerie (Wien), 1966 im Künstlerhaus Graz, 1985 im Austrian Inst. (New York) und im Kulturhaus Dornbirn, 1995 im Kunstforum Bank Austria (Wien) und im Frankfurter Kunstver., 1998 im Kunsthaus Bregenz und 2015 sowie 2018 im vorarlberg mus. (Bregenz) gezeigt. Darüber hinaus beteiligte er sich als Gründungsmitgl. (1926) der überregionalen Künstlervereinigung Der Kreis an zahlreichen Ausst. und war Mitgl. der Vbg. Kunstgmd. 1928 erhielt er einen Staats-Ehrenpreis. W.s Nachlass mit einem eigenhändig geführten Werkverzeichnis befindet sich seit 1985 im Franz-Michael-Felder-Archiv in Bregenz. Seine Tagebücher, im Besitz der Stadt Bregenz, geben einen tiefen Einblick in die Kunst- und Sozialgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jh.

Weitere W.: s. Haller.
L.: Vbg. Tagbl., 21. 4. 1939; Fuchs, Geburtsjgg.; Thieme–Becker; Vollmer; A. Reichel, in: Bergland 16, 1934, S. 25ff.; R. Götzger, in: Das Bodenseebuch 27, 1940, S. 110ff.; R. Högler, Dem Maler R. W. 1893–1939, Bregenz 1946 (Kat.); H. Mackowitz, in: K. Ilg, Landes- und Volkskde., Geschichte, Wirtschaft und Kunst Vbg. 4, 1967, S. 196ff.; M. Haller, R. W. 1893–1939, 1971 (m. W.); O. Sandner, R. W. Zeichnungen. Zeichnen als Befreiung, 1975; Kunst in Vbg. 1900–50, bearb. H. Swozilek, Bregenz 1976, S. 189ff. (Kat.); R. W.: Bekenntnisse …, ed. R. Sagmeister, 1983; R. W. Tagebücher 1913–39, ed. R. Sagmeister, 2 Bde., 1990 (m. B.); R. W. und Zeitgenossen, ed. R. Sagmeister, Bregenz 1993 (Kat., m. B.); Das ist Österr.! Bildstrategien und Raumkonzepte 1914–38, ed. Ch. Bertsch, Bregenz 2015, S. 366ff. (Kat.); W. im Krieg, Bregenz 2018 (Kat.).
(U. Pfanner)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 389
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