Wächtler, Ludwig (1842–1916), Architekt

Wächtler Ludwig, Architekt. Geb. St. Pölten (NÖ), 9. 3. 1842; gest. Wien, 31. 7. 1916; röm.-kath. Sohn des Leiters der Bauabt. der nö. Statthalterei Carl W. (1802–1870) und der Elisabeth W., geb. Botzenhart (1812–1874); ab 1873 verehel. mit Leopoldine Mayr (1842–1894). – W. absolv. die Oberrealschule auf der Wieden, stud. 1858–63 am Wr. polytechn. Inst. bzw. 1866–67 an der Wr. ABK bei →Eduard van der Nüll und →August Sicard v. Sicardsburg, später bei →Friedrich Frh. v. Schmidt, als dessen Mitarb. er in den darauffolgenden Jahren fungierte (Bauführer bei St. Stephan). Ab 1869 war er als freier Architekt in loser Zusammenarbeit mit Hugo Ernst tätig. Geprägt von Schmidt, war W. v. a. ein Spezialist für Kirchenrestaurierungen und Schlossumbauten für Adelsfamilien in den Kronländern, wobei es oftmals zu sehr freien Nachschöpfungen kam und auch die Inneneinrichtung von ihm entworfen wurde. Sein bedeutendstes Vorhaben in Österr. und wichtiges Beispiel des romant. Historismus war der Weiterbau von Schloss Grafenegg (um 1870) nach dem Tod von →Leopold Ernst in Zusammenarbeit mit dessen Sohn Hugo. W.s gekonnter Umgang mit verschiedensten Stilen von der Neogotik bis zur Neorenaissance manifestierte sich auch beim eleganten Casino in Ödenburg (1872) oder dem Rathaus von Eisgrub (1883). W. war ab 1872 Mitgl. des Österr. Ing.- und Architekten-Ver., 1888–90 Red.mitgl. der „Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines“ und entwickelte einige techn. Patente (Doppelschlüssel-Stecherschloss, Ofenkonstruktion „Wiener Sparofen“, einbruch- und feuersichere zerlegbare Kassen und Tresor- oder Depoträume, 1877). 1886 Baurat, hatte er auch mehrere bedeutende Funktionen inne: ab 1886 Korrespondent, ab 1897 Konservator, 1900–05 Mitgl. der Zentral-Komm. für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und hist. Denkmale, ab 1871 Mitgl., ab 1885 Dir. der Pensions-Ges. bildender Künstler und ab 1905 Mitgl. der Prüfungskomm. für die II. Staatsprüfung aus dem Bauing.fach der TH in Wien.

Weitere W. (s. auch Architektenlex.): Filialkirche, um 1870 (Siegersdorf); St. Barbara, 1875 (Stefanau); Jagdschloss Windisch-Graetz (Tachov). – Publ.: Ueber den Bau des Redouten- und Casino-Gebäudes in Oedenburg, in: WS des Österr. Ing.- und Architekten-Ver. 2, 1877; Ueber die Restauration des Schlosses Ottenstein, ebd.; Ueber den Umbau des Schlosses Immendorf, ebd.; Die Pensionsges. bildender Künstler Wiens … 1788–1888, 1888; FS anläßl. des 125jährigen Bestandes der Pensions-Ges. bildender Künstler in Wien, 1913.
L.: Neues Wr. Journal, NFP, NWT, RP, 5. 8. 1916; Eisenberg 1; Thieme–Becker; Wurzbach; C. Bodenstein, Hundert Jahre Kunstgeschichte Wiens 1788–1888, 1888, s. Reg.; Der Bautechniker 36, 1916, S. 256; M. Schwarz, Architektur des Klassizismus und der Romantik in NÖ, 1982, S. 58f.; Kulturberr. NÖ, Dezember 1987, S. 9; Th. Brückler – U. Nimeth, Personenlex. zur Österr. Denkmalpflege, 2001; E. Berger, Hist. Gärten Österr. 1–2, 2002–03, s. Reg.; Architektenlex. Wien 1770–1945 (m. W., nur online, Zugriff 18. 7. 2017); ABK, TU, beide Wien.
(U. Prokop)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 393f.
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