Wagl (Wagel), Friedrich (Josef) (1807–1871), Theologe

Wagl (Wagel) Friedrich (Josef) OSB, Theologe. Geb. Horn (NÖ), 1. 9. 1807; gest. Pötzleinsdorf, NÖ (Wien), 4. 9. 1871; röm.-kath. Sohn des Bäckermeisters Franz Wagel und dessen Frau Theresia Wagel, geb. Pledl. – W. absolv. 1824–26 die phil. Jgg. an der Univ. Wien. 1826 trat er im Schottenstift in den Benediktinerorden ein; Priesterweihe 1831. Nach sieben Monaten Pfarrdienst im nö. Höbersbrunn kehrte er in das Kloster zurück, stud. 1827–31 an der Univ. Wien Theol., unterrichtete als suppl. Prof. am Stiftsgymn. und wirkte daneben als Stiftsbibliothekar. 1835 wurde er mit der Arbeit „Adserta e disciplinis theologicis“ (auch gedruckt) in Wien zum Dr. theol. prom. und beteiligte sich im selben Jahr am Konkurs um die Lehrkanzel für Dogmatik an der Univ. Graz. 1835/36 supplierte er die Professur für Bibelstud. des Neuen Bunds an der Univ. Wien (deren Dr.kollegium er seit 1835 angehörte), nahm 1837 erfolgreich am Konkurs um die Lehrkanzel für dasselbe Fach an der Univ. Graz teil und wurde im März 1838 ebd. zum Prof. ernannt. 1842 unternahm er eine Reise nach Süddtld., Frankreich und in die Schweiz. 1845 supplierte er zudem die Lehrkanzel für Dogmatik und erhielt im Folgejahr die Erlaubnis, Gymnasiasten Religionsunterricht zu erteilen. 1858–69 hielt W. mehrfach, wenn auch nicht durchgehend, an der theol. Fak. Vorlesungen über Kunstgeschichte. Wiederholt (zwischen 1845 und 1869) fungierte er als Dekan der kath.-theol. Fak. und dreimal als Rektor (1847/48, 1850/51 und 1862/63). W. nahm regen Anteil an den Zeitströmungen, äußerte sich 1847 in einer nicht erhaltenen Rede zum Materialismusstreit, begrüßte im März 1848 die revolutionären Ereignisse und rief dazu auf, sie zu nützen, ohne sich allerdings explizit polit. zu äußern. Als Rektor wurde er wegen „liberaler“ Äußerungen von den Studenten akzeptiert und übte eine Zeit lang „mit Vergnügen“ die Funktion des Corpskaplans des Studenten-Freicorps aus. Im April 1848 erklärte er seinen Rücktritt als Rektor, blieb aber im Amt, nachdem der Akadem. Senat ihn umgehend darum gebeten hatte. Zwei Jahre später reagierte er im Sinne einer „christlichen Soziallehre“ auf Extrempositionen der Zeit, als etwa – seiner Ansicht nach – das Freiheitsstreben Züge der Anarchie annahm, bezügl. des Rechts auf Eigentum Extrempositionen bezogen wurden, die Spannungen zwischen Einheit und nationalen Bestrebungen eskalierten und die Einrichtung der Familie zunehmend zerrüttet erschien. Er äußerte sich weiters zu Inhalt und Methode des Religionsunterrichts („Der christliche Religionsunterricht an der Volksschule und am Gymnasium“, 1850), in dem er die Grundlage für eine bessere Zukunft sah.

Weitere W.: Herzl. Worte an meine jüngeren Theologen bei Wiedereröffnung der Vorlesungen am 27. März 1848 ..., 1848; Der Priester und die Neuzeit, 1850; Das neuerwachte Kunststreben, in: Kath. Wahrheitsfreund 9, 1857. – Mss. (in seinem Nachlass im Schottenstift, Wien): Das freie Wort, eine schriftl. Errungenschaft ...; Das innige Verhältnis zwischen Kunst und Religion ...; Über den innigen Zusammenhang zwischen Religion und Kunst ... .
L.: Scriptores Ordinis S. Benedicti, qui 1750–1880 fuerunt in Imperio Austriaco-Hungarico, 1881, S. 499f.; F. v. Krones, Geschichte der Karl Franzens-Univ. in Graz, 1886, s. Reg.; W. Sauer, in: Z. des Hist. Ver. für Stmk. 73, 1982, S. 115ff.; F. Rinnhofer, Grazer Theol. Fak. vom Stud.jahr 1827/28 bis 1938/39, 1991, s. Reg.; Pfarre Pötzleinsdorf, UA, beide Wien; Pfarre Horn, NÖ; Diözesanarchiv, UA, beide Graz, Stmk.
(A. Kernbauer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 398f.
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