Wagner, Anton Paul (Antonín Pavel) (1834–1895), Bildhauer

Wagner Anton Paul (Antonín Pavel), Bildhauer. Geb. Königinhof an der Elbe, Böhmen (Dvůr Králové nad Labem, CZ), 3. 7. 1834; gest. Wien, 26. 1. 1895 (Ehrengrab: Wr. Zentralfriedhof). Sohn eines Webers, Bruder des Bildhauers Franz W. (geb. Königinhof an der Elbe, 1. 12. 1821; gest. Wien, 16. 9. 1864). – W. lernte ab 1851 bei →Josef Max in Prag, übersiedelte dann aber nach Wien, wo er 1858–64 an der ABK u. a. bei →Franz Bauer stud. (1860 Gundel- und Neuling-Preis). 1865/66 wurde er durch seinen „Gänsemädchenbrunnen“ (seit 1886 an der Rahlstiege, Wien 6), der ursprüngl. für den Gänsemarkt auf der Brandstätte entworfen worden war, in der breiten Öffentlichkeit bekannt. 1868 unternahm er eine Stud.reise nach Italien und Dalmatien und bildete sich nach seiner Rückkehr in Prag und Wien weiter. Hier eröffnete er schließl. ein eigenes Atelier. I. d. F. schuf er zahlreiche Statuen, u. a. für das Akadem. Gymn. „Rudolph der Stifter“ und „Franz Joseph“, für das Künstlerhaus „Michelangelo“, für die Fassade des neuen Rathauses den „Rechtsgelehrten“ und den „Arzt“ sowie „Liebenberg“ und „Freiherr von Chaos“ für den Festsaal. Auch für andere neu errichtete Wr. Monumentalbauten (Parlament, beide Hofmus., Univ., Oper, Burgtheater, Arsenal) lieferte er allegor. und Porträtstatuen. In Prag erhielt er Aufträge für das Národní muz. (1889), das Rudolfinum („Musik“) und das Národní divadlo. Anlässl. des Wettbewerbs um den Engelbrunnen (Wien 4) 1890 erzielte er den 1. Preis (enthüllt 1893, Wiedner Hauptstraße). 1891–93 gestaltete W. gem. mit Edmund v. Hofmann, →Johann Scherpe und Joseph Lax die vier Herkulesgruppen für die Wr. Hofburg (Michaelerplatz). W. war ab 1869 Mitgl. der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus) und ab 1890 ao. Mitgl. der Böhm. K. Franz Joseph-Akad. der Wiss., Literatur und Kunst.

Weitere W.: Marmorbüste des Gutsbesitzers Klein, 1860; Leichnam Christi (Kirche Altlerchenfeld, Wien).
L.: NFP, 28. 1. 1895 (Abendbl.); Czeike; Die Wr. Ringstraße 1, 4, 9/1; Eisenberg 1; Thieme–Becker; Toman; Wurzbach; Der Bautechniker 15, 1895, S. 78; A. Masaryková, České sochařství XIX. a XX. století, 1963, S. 19f.; P. Cannon-Brookes, Czech Sculpture 1800–1938, Cardiff 1983 (Kat.); Geschichte der bildenden Kunst in Österr. 5, ed. G. Frodl, 2002, s. Reg.; T. Fabich-Görg, Wr. Stolz, Wien 2003, S. 192ff. (Kat., m. B.); M. Marek, Kunst und Identitätspolitik, 2004, s. Reg.; W. Aichelburg, 150 Jahre Künstlerhaus Wien 1861–2011 (nur online, Zugriff 29. 9. 2017); ABK, Wien.
(Ch. Gruber)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 401
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