Wagner, Arthur (Artur) (1883–1942), Meteorologe

Wagner Arthur (Artur), Meteorologe. Geb. Rann, Stmk. (Brežice, SLO), 31. 3. 1883; gest. Innsbruck (Tirol), 12. 4. 1942. Sohn des Statthaltereiobering. Michael W. – Nach Besuch des Gymn. in Innsbruck stud. W. 1901–05 Mathematik und Physik an der dortigen Univ.; 1906 Dr. phil. und Ablegung der Lehramtsprüfung. 1906–07 diente er als Einjährig-Freiwilliger bei den Tiroler Kaiserjägern, Ende 1907 erhielt er eine Ass.stelle an der Zentralanstalt für Meteorol. und Geodynamik in Wien, wo er sich v. a. der Aerol. widmete. 1910 nahm W. an der Mission eines österr. Kriegsschiffs in der Adria zur Durchführung von Registerballon-Aufstiegen teil. Im darauffolgenden Jahr vertiefte er seine Kenntnisse mehrere Monate lang am magnet. und meteorolog. Observatorium in Potsdam sowie am aeronaut. Observatorium in Lindenberg, wo er in Kontakt mit dem Geophysiker Hugo Hergesell kam, an dessen geophysikal. Expedition nach Spitzbergen er 1911–12 teilnahm. 1913–14 folgte ein Aufenthalt am Observatorium auf dem Ktn. Hochobir. 1914 habil. sich W. für Physik der Erde an der Univ. Wien. Eine von ihm mitgeplante österr. Antarktisexpedition konnte aufgrund des Ausbruchs des 1. Weltkriegs nicht mehr durchgeführt werden. Während des Kriegs war W. als Beobachtungsoff. einer Fesselballonabt. und ab 1917 als Leiter des militär. Feldwetterdiensts eingesetzt. Nach Kriegsende kehrte er an die Zentralanstalt für Meteorol. und Geodynamik zurück und fungierte ab 1919 als Abt.leiter des meteorolog. Observatoriums; 1925 Observator 1. Kl. Im selben Jahr auch zum ao. Prof. ernannt, übernahm er 1926 die Leitung der Observatorien auf dem Sonnblick und dem Hochobir. 1927 folgte er einem Ruf als ao. Prof. der kosm. Physik an die Univ. Innsbruck, wo W., der seit 1933 Mitgl. der NSDAP war, 1940 zum Ordinarius befördert wurde. Wiss. befasste sich W. zunächst mit stratosphär. und thermosphär. Fragen, mit Klimaänderungen und -schwankungen, mit Beziehungen zwischen Sonnenschein und Bewölkung sowie der Theorie der Böigkeit. In Innsbruck galt sein Interesse vermehrt der alpinen Meteorol., v. a. der lange Zeit strittigen Frage nach der Entstehung des Berg- und Talwinds. Auf dem Hafelekar und am Patscherkofel richtete er meteorolog. Stationen ein, deren Messergebnisse er für Forschungen zur Dynamik des Föhns und zur Niederschlagsverteilung im Hochgebirge auswertete. Darüber hinaus befasste er sich mit den Verhältnissen während des Monsuns in Indien. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang seine „Klimatologie der freien Atmosphäre“ in dem von Wladimir Köppen und Rudolf Geiger hrsg. „Handbuch der Klimatologie“ (Tl. 1 F, 1931). W. gehörte dem wiss. Unterausschuss des DÖAV an und war 1926–28 Mitgl. der K.-Wilhelm-Ges. zur Förderung der Wiss. in Berlin. 1930 wurde er Korrespondent der Zentralanstalt für Meteorol. und Geodynamik, 1931 Mitgl. der internationalen Klimakomm., 1932 k. M. der Österr. Akad. der Wiss. in Wien.

Weitere W. (s. auch Poggendorff): Vorläufiger Ber. über die Dt. geophysikal. Expedition nach Spitzbergen 1911–12, in: Schriften des Ver. zur Verbreitung naturwiss. Kenntnisse in Wien 53, 1913; Erdmagnet. Messungen zwecks Aufsuchung isolierter schwach magnet. Erzlager, in: Z. für Geophysik 1, 1924; Eine bemerkenswerte 16jährige Klimaschwankung, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 133, 1924; Einfluß der Thermometeraufstellung auf die Temperaturaufzeichnungen in Wien, Hohe Warte, ebd. 138, 1929; Der jährl. Gang der meteorolog. Elemente in Wien (1851–1920), 1930; Klimaänderungen und Klimaschwankungen, 1940.
L.: Sbg. Volksbl., 15. 4. 1942; Almanach Wien 92, 1942, S. 211ff.; Poggendorff 5–6 (m. W.); E. Ekhart, in: Meteorolog. Z. 59, 1942, S. 231ff.; Die Fächer Mathematik, Physik und Chemie an der Phil. Fak. zu Innsbruck bis 1945, ed. F. Huter, 1971, s. Reg.; 100 Jahre Inst. für Meteorol. und Geophysik (Kosm. Physik) der Leopold-Franzens-Univ. Innsbruck 1890–1990, 1990, S. 35ff., 92ff. (m. B.); UA, Wien; UA, Innsbruck, Tirol.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 401f.
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