Wagner, Georg August (1873–1947), Gynäkologe und Geburtshelfer

Wagner Georg August, Gynäkologe und Geburtshelfer. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 23. 9. 1873; gest. Garmisch-Partenkirchen (D), 15. 8. 1947; evang. Die Familie stammte ursprüngl. aus Hessen. Sohn des Kaufmanns Friedrich Julius W., der zunächst chirurg. Instrumente und später Elektrifizierungsanlagen vertrieb, und der Apothekerstochter Wilhelmine W., geb. Sumpert, Bruder u. a. des Alpinisten Eduard W. (geb. Prag, 21. 2. 1870; gest. Wien, 14. 3. 1913); ab 1908 mit Lucy W., geb. Schuppanzigh v. Frankenbach (gest. 1918), ab 1922 mit Marietta (Marie) W., geb. Taschek, geschiedene Kralik v. Meyrswalden, verheiratet. – Nach Besuch des Gymn. (Matura 1892) stud. W. 1892/93 ein Semester Med. an der dt. Univ. Prag, ehe er seine Ausbildung an der Univ. Graz fortsetzte; 1901 Dr. med. Beeinflusst von →Alfons v. Rosthorn, entschied er sich für das Fachgebiet Gynäkol. Ab 1901 vertiefte er seine Kenntnisse an mehreren Kliniken in Wien, 1904 ging er als Rosthorns Ass. an die Frauenklinik der med. Fak. in Heidelberg. 1905 kehrte er nach Wien zurück, wo er bis 1917 an der gynäkolog. Univ.klinik wirkte und sich 1913 für Gynäkol. und Geburtshilfe habil. 1917 wurde er als Nachfolger von →Fritz Kleinhans als o. Prof. an die med. Fak. der dt. Univ. Prag berufen und übernahm zugleich die Dion. der dt. Frauenklinik des dortigen AKH. Im selben Jahr eröffnete er auch eine Privatpraxis. In Prag engagierte er sich zudem als Min.berater für Fragen des dt. Hochschulwesens in der Tschechoslowakei. Ab 1928 setzte W. seine Karriere als Prof. an der Univ. Berlin fort. 1931 erhielt er einen Ruf an die Univ. Wien, den er jedoch ablehnte. In Berlin führte er 1928–45 als Dir. die Charité-Frauenklinik, an der in der Zeit des Nationalsozialismus vorsätzl. uneth. Eingriffe (Röntgen- und Radiumkastrationen) mit schweren körperl. und psych. Folgen für die Patientinnen vorgenommen wurden; 1945 emer. W. machte sich v. a. auf dem Gebiet der operativen Gynäkol. einen Namen. Darüber hinaus befasste er sich mit Geschlechtskrankheiten bei Frauen. Erwähnenswert ist auch seine Publ. „Beiträge zur Frage der Herkunft des Fruchtwassers“ (1913). W. war u. a. 1930–44 Mithrsg. des „Archivs für Gynäkologie“. Er engagierte sich in Standesfragen und war Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. in zahlreichen in- und ausländ. Fachges., darunter der Ges. für Geburtshilfe und Gynäkol. in Berlin (Vors. 1931–33 und 1936–37), der geburtshilfl. gynäkolog. Ges. in Wien sowie Ehrenmitgl. der Edinburgh Obstetrical Society. 1935–37 fungierte er als Präs., später als Ehrenpräs. der Dt. Ges. für Gynäkol. Ab 1936 war er Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina, 1937 wurde er zum k. M. der Ges. zur Förderung dt. Wiss., Kunst und Literatur in Böhmen und zum Ehrenmitgl. der Ges. der Ärzte in Wien (Mitgl. ab 1904) gewählt. Sportbegeistert, widmete er sich bereits in der Jugend dem Rennrudern und dem Fußball, gründete in Graz im Rahmen des Akadem.-Techn. Radfahrerver. die erste Fußballvereinigung und fungierte zunächst als deren Kapitän. Darüber hinaus galt sein Interesse dem Bergsteigen, wobei W. gem. mit seinem Bruder Eduard einige Erstbesteigungen in den Alpen gelangen, und er zählte zu den ersten Schifahrern in Österr.

Weitere W.: Dt. Gynäkologen-Verzeichnis; Lorenzsonn.
L.: Prager Tagbl., 5. 7. 1927; Masaryk; Dt. Gynäkologen-Verzeichnis, ed. W. Stoeckel, 1939 (m. W.); G. Döderlein, in: Zentralbl. für Gynäkol. 69, 1947, S. 1042ff.; B. Lorenzsonn, Personalbibliographien von Prof. und Doz. der I. und II. Univ.frauenklinik und der III. geburtshilfl. Klinik in Wien ... 1905–30, med. Diss. Erlangen-Nürnberg, 1973, S. 67ff. (m. W.); Geburtshilfe und Frauenheilkde. 53, 1993, S. 580ff. (m. B.); U. Ulrich – A. Ebert, in: Die Berliner Ges. für Geburtshilfe und Gynäkol. 1844–1994, ed. A. Ebert – H. K. Weitzel, 1994, S. 193ff.; L. Hlaváčková – P. Svobodný, Biograph. Lex. der dt. med. Fak. in Prag 1883–1945, 1998; Die Reden. Eröffnungsansprachen … 1886–1998, ed. H. Ludwig, 2. Aufl. 1999, S. 165ff. (m. B.); A. D. Ebert – M. David, in: Geburtshilfe und Frauenheilkde. 74, 2014, S. 43ff. (m. B.); UA, Wien; UA, Graz, Stmk.; Humboldt-Univ., Berlin, D.
(M. Makariusová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 404
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