Wagner, Gyula (Julius) (1851–1937), Architekt

Wagner Gyula (Julius), Architekt. Geb. Budapest (H), 28. 11. 1851; gest. Wien, 15.10. 1937; röm.-kath. Sohn von →János W. und Klara W., geb. Redlich, Bruder des Architekten Ödön W., des Baumeisters János W., des Architekturzeichners und Tischlers Ferenc W. und des Arztes György W., Schwager des Architekten Samu Pecz; in 1. Ehe verheiratet mit Mária Kamczucka (gest. 1911), ab 1912 in 2. Ehe mit Gabriela Franz (gest. 1947). – W. stud. 1869–70 an der TU Budapest und besuchte 1872–74 die Bauschule an der Wr. TH sowie 1874–78 die ABK bei →Theophil Frh. v. Hansen. Um 1880 begann er seine Laufbahn als Architekt und entwickelte sich in den Folgejahren zum Spezialisten für die Planung von Gerichtshöfen und Strafanstalten. Seinem Vorbild Hansen folgend, verwendete er dabei den Stil der Neorenaissance. Von diesem wich er nur in speziellen Fällen ab, so z. B. beim Zuchthaus von Waitzen, dem Gefängnis von Illau und dem Kindererziehungsheim in Kaschau, die er, um sich den lokalen Verhältnissen anzupassen, in neoroman. oder klassizist. Stil entwarf. In speziellen Fällen bezog er sogar die städt. Umgebung des Gebäudes mit ein, wie beim Gerichtshof von Eger (1908), wo der Einfluss der Barockarchitektur gut erkennbar ist. Nach der in Ungarn 1871 eingeführten Gerichtsreform erhielten bis 1914 alle Kom.zentren ein Gerichtsgebäude. Dadurch avancierte W. zu einem vielbeschäftigten Architekten: Er soll mehr als 150 derartige Bauten errichtet haben. Dazu zählen etwa das sog. Csillag-Gefängnis in Szegedin (1881, erweitert 1902), die Umgestaltung der Zuckerfabrik zum Gefängnis in Steinambrückl (1885–86), der Gerichtshof und das Zuchthaus in Raab (1886), der Gerichtshof und das Gefängnis in Steinamanger (1889, erweitert 1903), das Mädchenerziehungsinst. in Budapest (1890), die Pläne für den Justizpalast in Arad (1892), der Gerichtshof in Stuhlweißenburg (Pläne 1892, erbaut 1902–06), die Pläne für das Gebäude des kgl. Tafelgerichts und die Oberstaatsanwaltschaft in Debreczin (1894), das Gebäude für das Kom.gericht und die Staatsanwaltschaft in Kecskemét (1903–04) sowie das Kindererziehungsheim in Kaschau (1899–1900). Nach 1911 übersiedelte W. nach Wien.

Weitere W.: Pläne für den Gerichtshof in Maria-Theresiopel, 1891; Zuchthäuser in Straßburg am Mieresch und in Waitzen, beide 1891; Gerichtshöfe in Sollnock, 1893, Gyula, Neusatz, Ödenburg, alle 1896; kgl. Gefängnis in Budapest, 1895–96.
L.: Thieme–Becker; Magyar Építőművészet – Magyar Pályázatok, 1904/05, Nr. 4, S. 9ff.; Ö. Bodányi, in: Építő Ipar, 1911, S. 229f., 240f.; B. Wick, Kassa története és műemlékei, 1941, S. 218; G. Entz u. a., Kecskemét, 1961, S. 96, 171; G. Winkler, in: Soproni Szemle 22, 1968, S. 339; I. Katkó, Börtönkalauz kezdő bűnözők számára, 1985; St. Slachta, in: Pavilon, 1990, Nr. 2/3, S. 51ff.; Gy. Gaál – Z. Vincze, Kalauz a régi és az új Kolozsvárhoz, 1992, S. 104; A. Nagy, W. Gy. építészete, Diss. Pécs, 2016 (m. B.); Motherland and Progress. Hungarian Architecture and Design 1800–1900, ed. J. Sisa, 2016, S. 471f.; K. Dobrotka, 165 éve született W. Gy., hazai börtönépítészetünk legmeghatározóbb alakja (m. B., online, Zugriff 16. 11. 2017); ABK, TU, beide Wien.
(G. Gy. Papp)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 404f.
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