Wagner, Johann (1799–1832), Anatom

Wagner Johann, Anatom. Geb. Braunau, Böhmen (Broumov, CZ), 3. 8. 1799; gest. Wien, 20. 3. 1832; röm.-kath. Sohn des Kupferschmieds Johann W. und der Magdalena W. – W. stud. nachweisl. ab 1820 – damals im 3. Jg. – Med. an der Univ. Wien; 1824 Dr. med. nach Abfassung der „Dissertatio inauguralis sistens mutationes membranae intestinorum villosae in phthisi tuberculosa et febri nervosa“. Zunächst erhielt er eine Ass.stelle am patholog. Mus. im AKH Wien, 1829 wechselte er als Anatom an das med.-chirurg. Lyzeum in Klagenfurt. Im selben Jahr erfolgten seine Rückkehr nach Wien und die Ernennung zum prov. patholog. Prosektor und Kustos des patholog. Mus. 1830 wurde er als Nachfolger von Lorenz Biermayer def. bestellt und 1832 zum ao. Prof. für patholog. Anatomie ernannt. W. galt als geschickter Präparator, wandte alle damaligen Neuerungen der Sektionstechnik an und konnte aus morpholog. Befunden bzw. Organveränderungen Rückschlüsse auf das Wesen der Krankheiten ziehen. Dennoch wurde er von seinem Ass. und Nachfolger →Karl Frh. v. Rokitansky dahingehend beurteilt, dass er in seinen anatom. Ansichten über die kasuist. Belehrung nicht hinausgelangt sei. W. erweiterte die Bestände des Mus. um 140 Präparate und gilt darüber hinaus als Entdecker jener Hernie, die Alfred Biesiadecki in Krakau 1872 Hernia iliaco-subfascialis benannte. Im Beisein des letzten Arztes →Ludwig v. Beethovens, Andreas Ignaz Wawruch, obduzierte W. 1827 den Komponisten.

Weitere W.: s. Callisen.
L.: ADB; Hirsch; Lesky, s. Reg.; A. C. P. Callisen, Med. Schriftsteller-Lex. der jetzt lebenden Verf. 33, 1845 (m. W.); H. H. Egglmaier, Das med.-chirurg. Stud. in Graz, 1980, s. Reg.; H. Bankl – H. Jesserer, Die Krankheiten L. v. Beethovens, 1987, S. 61, 68, 87, 90f., 115, 139f.; O. H. Kahler, in: Braunauer Rundbrief 5, 1988, S. 4f.; Pathol. in Österr., ed. H. Bankl – T. Radaszkiewicz, 1993, S. 45ff.; P. Clive, Beethoven and his world, 2001, S. 382f.; K. H. Tragl, Chronik der Wr. Krankenanstalten, 2007, s. Reg.; UA, Wien; Státní oblastní archiv v Zámrsku, Zámrsk, CZ.
(K. Sablik)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 408f.
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