Wagner, Joseph (1803–1861), Lithograph, Fachschriftsteller und Beamter

Wagner Joseph, Lithograph, Fachschriftsteller und Beamter. Geb. Lettowitz, Mähren (Letovice, CZ), 18. 2. 1803; gest. Klagenfurt (Klagenfurt am Wörthersee, Ktn.), 7. 11. 1861; röm.-kath. Sohn des Tranksteuerrevisors Caspar W. und dessen Frau Agnes W., geb. Widmann. – W. stud. zunächst Rechtswiss. an der Univ. Wien (nicht nachweisbar) und übernahm dann die Stelle eines Hauslehrers und Erziehers in der Familie des Gf. Hoyos, was ihm Gelegenheit bot, sich nebenbei autodidakt. im Zeichnen und Malen auszubilden. 1828 zog er in das Lavanttal, wo er zuerst im Haus des Kunstliebhabers Rosthorn in Wolfsberg und später im Schloss Wiesenau bei →Johann Söllner (s. u. →Elisabeth Söllner) unterkam. Er machte sich mit der Technik des Steindrucks vertraut und verwendete sie zur Darstellung der ihn begeisternden Landschaft dieses Tl. von Ktn. So entstand sein erstes, im Wr. Lithograph. Inst. veröff. Mappenwerk „Das Lavant-Thal in Kärnten malerisch dargestellt in einer Reihe von dreissig Ansichten“ (1834–35, 2. Aufl. 1849). 1836 übersiedelte W. nach Klagenfurt und warb schon bald für die Subskription seiner „Ansichten aus Kärnten“, die 1838–45 in 25 He. zu je vier Bll. erschienen (Neuaufl. 1987), zum Tl. bei →Johann Leon in Klagenfurt und zum Tl. in W.s eigener lithograph. Anstalt, für die er 1841 die Bewilligung erhalten hatte. 1845 ließ W. dieser Veduten-Ser., zu der →Heinrich Hermann 1844 einen Begleitbd. veröff. („Text zu Joseph Wagnerʼs Ansichten aus Kärnten“, Neuaufl. 1987), eine 2., umgearbeitete Ausg. unter dem Titel „Album für Kaernten“ folgen, die in der Druckerei →Ferdinand v. Kleinmayrs in Klagenfurt publ. wurde. Im September 1849 trat W. eine Stelle im Salzburger Telegraphenamt an, später war er in der Telegraphenzentrale eines Wr. Min. tätig. Im Juli 1859 wurde er als Obertelegraphist und Vorsteher des städt. Telegraphenamts nach Klagenfurt versetzt. Neben seinem künstler. Œuvre veröff. W. mehrere, tw. von ihm selbst illustrierte hist.-topograph. Darstellungen zum Ktn. Raum, von denen die bedeutendste „Das Herzogthum Kärnten, geographisch-historisch dargestellt ...“ (1847) ist. In der darin enthaltenen Beil. „Die Germanisirung Kärntens ...“ setzte sich W. mit →Urban Jarniks „Andeutungen über Kärntens Germanisirung“ auseinander, wobei er dessen Ansichten weitgehend übernahm. Von dialektolog. Bedeutung sind seine in einer weiteren Beil. publ. „Beiträge zu einem kärntnerischen Idioticon“, die das erste umfangreichere gedruckte Ktn. Mundartwörterverzeichnis bilden.

Weitere W.: Klagenfurt und seine Umgebungen, 1849; Das Lavantthal im Hg.thume Ktn., 1849; Das Möllthal und der Großglockner, 1856; Der Führer durch Ktn., 1861 (gem. m. V. Hartmann); zahlreiche Aufsätze in: Carinthia, Klagenfurter Schreib-Kal.
L.: Osebnosti; SBL; Thieme–Becker; Wurzbach; Carinthia 51, 1861, S. 177; H. D. Pohl, in: Carinthia I, 180, 1990, S. 623ff.; Dompfarre Klagenfurt am Wörthersee, Ktn.; Pfarre Letovice, CZ.
(H.-D. Pohl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 411f.
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