Wagner, Rudolf; Ps. (ab ca. 1854) Valdek Rudolf (1822–1894), Journalist und Schriftsteller

Wagner Rudolf, Ps. (ab ca. 1854) Valdek Rudolf, Journalist und Schriftsteller. Geb. Lemberg, Galizien (L’viv, UA), 26. 9. 1822; gest. Wien, 3. 10. 1894. Sohn des Chirurgen Benedikt W. und von Luise W., geb. Oechsner. – W.s Familie übersiedelte 1829 nach Wien. Nach einem angebl. Jusstud. verbrachte W. einige Jahre in Frankreich und Dtld., wo er 1848 in Frankfurt am Main eine Hauslehrerstelle annahm. Später übersiedelte er als Erzieher in das mähr. Kunstadt, danach nach Wessely an der March. 1853 kehrte W. nach Wien zurück und arbeitete ab Anfang 1854 als Kritiker und Journalist bei →Ignaz Kurandas „Ostdeutscher Post“, wobei er durch einen Streit mit →Moritz Gottlieb Saphir und →Adolf Bäuerle großes Aufsehen erregte. Ab 1856 schien er als Mitarb. der Ztg. „Die Presse“ auf. Sein Hauptgebiet blieb das Theater und er setzte sich dabei bes. für junge Talente ein; so empfahl er z. B. 1859 Charlotte Wolter (→Elisabeth Charlotte Gfn. O’Sullivan de Grass) an →Heinrich Laube. Daneben polemisierte er immer wieder gegen die Wr. kommunalen Missstände. 1867 ließ er sich für einige Jahre in Aussee nieder und trat i. d. F. durch antiklerikale Äußerungen in Erscheinung. 1875 reiste er nach Italien, wobei er sich längere Zeit in Rom aufhielt. Ab 1880 wirkte W. bei der „Wiener Allgemeinen Zeitung“, der „Neuen Freien Presse“ sowie der „Österreichischen Volkszeitung“ als Theaterkritiker und feuilletonist. Mitarb. Seine Beitrr. zeichneten sich durch Klarheit und Nachdrücklichkeit in der Sprache aus. Neben seiner journalist. Tätigkeit übers. er 1874 Ascanio Condivis „Vita di Michelangelo Buonarroti“ ins Dt. („Das Leben des Michelangelo Buonarotti“), erschienen in →Rudolf v. Eitelberger-Edelbergs „Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Renaissance“. 1877 stellte er nach dem Tod →Emil Kuhs dessen „Biographie Friedrich Hebbel’s“ fertig. Zu W.s Freundeskreis zählten →Ferdinand Kürnberger, Betty Paoli (→Babette Glück), mit der er einen regen Briefverkehr unterhielt, →Marie Freifrau Ebner v. Eschenbach und →Anton Bettelheim. Weiters gehörte er 1859 zum Gründungskomitee des Journalisten- und Schriftsteller-Ver. „Concordia“, dessen Mitgl. er 1861–67 sowie ab 1876 war.

L. (tw. auch unter Valdek): Allg. Ztg. (München), 28. 9. 1892; Die Presse, 3., 6., NFP (Abendbl.), 3., Grazer Tagbl. (Abendbl.), Neues Wr. Journal, 4. 10. 1894; ADB; Eisenberg 1; B. Molden, in: NÖB 3, S. 90ff.; Stern–Ehrlich, S. 35, 241; Wurzbach; P. Eppel, „Concordia soll ihr Name sein …“, 1984, s. Reg.
(Ch. Gruber)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 414
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