Walch, (Johann) Emanuel (1862–1897), Maler

Walch (Johann) Emanuel, Maler. Geb. Kaisers (Tirol), 28. 8. 1862; gest. Toblach, Tirol (Toblach/Dobbiaco, I), 25. 8. 1897; röm.-kath. Sohn des Bauern Josef Anton W. und der Johanna Kreszentia W., geb. Bader. – W. erhielt seine erste Ausbildung in der Werkstatt von →Johann Kärle, einem im Stil der Nazarener tätigen Kirchenmaler in Vorderhornbach. 1883 wurde er über Vermittlung →Franz v. Defreggers an die Münchner ABK aufgenommen, wo er die Antikenkl. besuchte und Malerei bei Ludwig v. Löfftz sowie religiöse Malerei bei Andreas Müller stud. Noch in München schloss er sich dem Ver. für Christl. Kunst an und gewann bei einem Wettbewerb mit seinem Gemälde „Die Huldigung der Künste zu Füßen der Himmelskönigin“ den 1. Preis. Zunächst führte W. noch gem. mit Kärle Aufträge im Bereich der Renovierung von Fresken aus, z. B. Decken- bzw. Wandmalereien in den Pfarrkirchen von Satteins (1884), Au (1886), Mellau (1888) und Tösens (1890). Seinen ersten eigenen großen Auftrag erhielt er 1891 für die Renovierung der barocken Fresken Christoph Anton Mayrs in der Pfarrkirche von Münster. W. setzte an die Stelle der barocken Deckenmalereien eigene Motive („Himmelfahrt Mariens“, „Anbetung der Könige“, „Die Stände huldigen Christus und Maria“, „Evangelisten und Kirchenväter“) sowie Wandfresken („Letztes Abendmahl“ und „Christus im Haus des Lazarus“). 1892 erhielt er ein Künstlerstipendium der Tiroler Landschaft und beteiligte sich 1893 an der Tiroler Landesausst. mit zwei Ölgemälden („Madonna“, „Studienkopf“). Auch außerhalb der Landesgrenzen war W. tätig, so schuf er etwa für die Kirche von Maria-Theresiopel das Altarbild „Die Kreuzigung Christi“ (1893). 1894 fertigte er für die Franziskanerkirche in Villach Fresken über die Kindheit Jesu an. Ein Jahr später erregte sein für die Pfarrkirche von Innervillgraten angefertigtes und im Münchener Kunstver. ausgestelltes Hochaltarbild „Rosenkranzkönigin mit Hl. Dominikus und Bischof Martin“ große Aufmerksamkeit. Im selben Jahr führte W. eine Stud.reise nach Florenz und Rom. 1896 wurde er beauftragt, für die Bildergalerie am Bergisel (heute Kaiserjägermus.) ein Porträt von →Christian Hummel zu malen. Ein weiteres Tiroler Heldenporträt, „Johann Brunner“, überließ er dem Mus. als Geschenk. Beide Arbeiten fanden große Wertschätzung und W. wurde von der damaligen Presse zu den besten in Tirol lebenden Historienmalern gezählt. Nach einem Sturz vom Gerüst verstarb er jedoch relativ jung. Der für seine kurze Schaffenszeit ungemein produktive W. arbeitete formal im Stil der späten Nazarener, wobei seine Bilder eine eigene Farbgebung sowie starke Hell-Dunkel-Kontraste auszeichnen.

Weitere W.: F. X. Plattner, 1886 (Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Innsbruck); Fresken Hll. Cäcilia und Agnes, Christus erscheint Petrus und Kreuzigung Petri, 1893 (Pfarrkirche Vomp); Fresken an der Außenwand der Pfarrkirche Untermieming, 1896.
L.: Bote für Tirol, 24. 7. 1893; Neue Tiroler Stimmen, 18. 1. 1896; Innsbrucker Nachrichten, 27. 8. 1897; ADB; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; J. Knittel, Ernberg. Beitrr. zur Heimatkde. des polit. Bez. Reutte, 1903, S. 81, 85; E. Egg, Kunst in Tirol. Malerei und Kunsthandwerk, 1972, S. 252; F. Caramelle, in: Tirol … immer einen Urlaub wert, 1998/99, Nr. 53, S. 30; G. Pfaundler-Spat, Tirol-Lex., 2. überarb. Aufl. 2005; W. Rampl, Ein Haus voll Glorie schauet. Alle Kirchen Tirols 2, 2009, S. 318, 415; ABK, München, D.
(U. Marinelli)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 432f.
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