Walcher, Konrad (Conrad) (1871–1928), Politiker, Priester und Publizist

Walcher Konrad (Conrad), Politiker, Priester und Publizist. Geb. Reichenfels (Ktn.), 22. 11. 1871; gest. Klagenfurt (Klagenfurt am Wörthersee, Ktn.), 4. 6. 1928; röm.-kath. Sohn des Schneidermeisters Joseph W. (geb. Reichenfels, 10. 3. 1844) und dessen Frau Johanna W., geb. Müller. – Nach dem Besuch des Benediktinergymn. St. Paul im Lavanttal sowie des Staatsgymn. und des Priesterseminars in Klagenfurt (Ordination 1896) war W. zunächst im Mölltaler Sagritz, dann in Villach und anschließend – nach der Berufung durch seinen langjährigen Förderer →Josef Kahn – in der Stadthauptpfarre St. Egid in Klagenfurt als Kaplan tätig. Ab 1899 wirkte W. zehn Jahre lang als führender Red. mehrerer christl.sozialer Tages- und Wochenztg. („Kärntner Bauernbote“, „Kärntner Zeitung“, „Kärntner Tagblatt“, „Der Lavanttaler“, „St. Veiter Anzeiger“), die sämtl. von der St. Josefs-Bücherbruderschaft, in der W. u. a. als Sekr. beschäftigt war, hrsg. wurden. In den 1910er-Jahren wurde W., dem die Politik →Karl Luegers als Vorbild diente, einer der maßgebl. Organisatoren der neuen christl.sozialen Landesparteileitung in Ktn. 1907 zog er nicht zuletzt deshalb als erster Abg. der Ktn. Christl.sozialen in den RR ein, dem er bis 1911 angehörte. 1909–21 war der Geistliche zudem Mitgl. des Ktn. LT, 1920–27 des Bundesrats. Ab 1909 wirkte W. von St. Veit an der Glan aus, wo er daneben als Stadtpfarrer und Dechant tätig war. Auf polit. Ebene entwickelte W. vorwiegend Engagement für das bäuerl. Genossenschaftswesen, die kath. Studentenschaft sowie Budget- und Verfassungsfragen. Der kämpfer. kath. Publizist, der sich oft heftige Kontroversen mit Repräsentanten aus sozialist., dt.liberalen und dt.nationalen Kreisen lieferte, war neben →Michael Paulitsch einer der Schlüsselpolitiker – nicht nur des christl.sozialen Lagers – in Ktn. 1923 ließ er sich aus gesundheitl. Gründen von seinen seelsorgl. Verpflichtungen entbinden. Polit. blieb W. zwar weiterhin tätig, sein labiler Gesundheitszustand schränkte seine Arbeitsmöglichkeiten jedoch ein.

W.: Der Sozialdemokrat am Ende des 19. Jh. oder die Sozialdemokraten aus ihren eigenen Worten und Taten gerichtet, 1899; Die Presse, eine Großmacht des 19. Jh., 1902; Die Politik der Christl.sozialen im neuen RR, 1908.
L.: Ktn. Tagbl., 5., 6. 6. 1928; Adlgasser; G. Popp, CV in Österr. 1864–1938, 1984, S. 161f.; W. Wadl, in: Carinthia I, 181, 1991, S. 383ff., bes. 396f. (m. B.); Archiv der Diözese Gurk, Ktn. LA, beide Klagenfurt am Wörthersee, Pfarre Reichenfels, alle Ktn.
(U. Burz)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 433f.
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