Waldstein und Wartenberg (Waldstein-Wartenberg), Franz de Paula Adam Gf. von (1759–1823), Botaniker und Offizier

Waldstein und Wartenberg (Waldstein-Wartenberg) Franz de Paula Adam Gf. von, Botaniker und Offizier. Geb. Wien, 14. 2. 1759; gest. Oberleutensdorf, Böhmen (Horní Litvínov, CZ), 24. 5. 1823; röm.-kath. Sohn von Emanuel Gf. v. W. u. W. (geb. Wien, 2. 2. 1731; gest. Trebitsch, Mähren / Třebíč, CZ, 22. 5. 1775) und Maria Anna Gfn. v. W. u. W., geb. Prinzessin v. u. z. Liechtenstein (geb. Wien, 15. 10. 1738; gest. ebd., 29. 5. 1814), Bruder u. a. des Bischofs von Seckau Johann Gf. v. W. u. W. (geb. Wien, 21. 8. 1756; gest. Graz, Stmk., 15. 4. 1812), des Gen.-Feldwachtmeisters Joseph Karl Emanuel Gf. v. W. u. W. (geb. Wien, 16. 2. 1755; gest. Großskal, Böhmen / Hrubá Skála, CZ, 17. 3. 1814) und von →Ferdinand Gf. v. W. u. W.; ab 1822 verheiratet mit Carolina Ferdinandi (geb. ca. 1777; gest. Prag, Böhmen / Praha, CZ, 2. 3. 1844). – W. nahm, seinem Gelübde als Ritter des Malteserordens folgend, 1787 am Türkenkrieg teil und verließ zwei Jahre später als Rtm. die Armee. 1797 trat er in Wien in das adelige Kav.korps ein und kämpfte im 1. Koalitionskrieg gegen die Franzosen, um nach dem Präliminarfrieden von Leoben erneut den Militärdienst zu quittieren. 1808 übernahm er als Obst.wachtmeister das Kmdo. über die drei Wr. Freiwilligen-Baon. der Landwehr und bewährte sich in den Schlachten von 1809, worauf er zum Obstlt. befördert wurde. 1814 erhielt er nach dem Tod seines Bruders Joseph Karl Emanuel die nordböhm. Fideikommiss-Herrschaften Dux, Oberleutensdorf und Maltheuern und widmete sich dem ökonom. wie auch dem kulturellen Aufschwung dieser Besitzungen: In Dux errichtete er ein berühmtes Naturalienkabinett, eine Bibl. sowie eine Porzellan- und Gemäldesmlg. Ab 1789 befasste sich W. intensiv mit botan. Stud. und bereiste zusammen mit →Paul Kitaibel viele Gebiete in Ungarn und Kroatien. Mit der Hrsg. des Prachtwerks „Descriptiones et icones plantarum rariorum Hungariae“ (gem. mit Kitaibel, 1799–1812 in 28 Tle. mit insgesamt 280 Abb.tafeln) erwarb er sich bleibende Verdienste um die Erforschung der ung. Flora. Sein reichhaltiges Herbarium vermachte er dem Vaterländ. Mus. in Böhmen (heute Národní muz.) in Prag. 1804 wurde W. zum auswärtigen Mitgl. der Akad. der Wiss. zu Göttingen, 1814 zum Ehrenmitgl. der Bayer. Akad. der Wiss. in München gewählt. Darüber hinaus war er u. a. ab 1800 Mitgl. der Regensburg. Botan. Ges. Ihm zu Ehren wurde 1799 eine Gattung der Rosengewächse Waldsteinia benannt. 1809 erhielt er das Kommandeurkreuz des Leopold-Ordens.

L.: Graeffer–Czikann; M. Életr. Lex.; Stafleu; Wurzbach; Nekrolog des Hochgebohrnen Herrn F. A. Gf. v. W.-W., 1823 (m. B.); Flora 6/1, 1823, S. 383f.; Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst 16, 1825, S. 164ff., 430; Neuer Nekrolog der Dt. 2/2, 1826, S. 1029ff.; V. Maiwald, Geschichte der Botanik in Böhmen, 1904, s. Reg.; I. Klášterský u. a., in: Zprávy Československé společnosti pro dějiny věd a techniky při Čekoslovenské akad. věd 14/15, 1970, S. 200; E. Gombocz, in: Acta historiae rerum naturalium necnon technicarum 6, 1973, S. 153ff.; I. Klášterský u. a., in: Severočeskou přírodou, Příloha 1982/1, 1982, S. 229; J. Chrtek – B. Skočdopolová, in: Sborník Národního Muz. v Praze 38B, 1982, S. 201ff.; Wallenstein und noch viel mehr. 850 Jahre Familie Waldstein, ed. Z. Röhsner, 2009, S. 243f. (m. B.); Schottenpfarre, Wien; Pfarre Horní Litvínov, CZ; Mitt. Wolfgang Ilg, Isny, D.
(M. Svojtka – D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 453f.
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